Um was geht es hier?

Ich war gestern etwas erschüttert, betroffen und auch traurig, dass mir nachgesagt wird, ich habe Dollarzeichen bzw. eher Eurozeichen in den Augen. Ich will Geld Geld Geld. Ich frage mich: Spreche ich chinesisch? Haben mir die betreffenden Personen nicht zugehört oder nichts von mir gelesen? Oder drücke ich mich so undeutlich aus?


(Lieben Gruß an die Kolleginnen, die sich jetzt angesprochen fühlen – ich hoffe, ihr versteht mich jetzt besser)

Ja, das Thema Geld kommt auch in unseren Forderungen vor. Genauso wie die Gleichstellung und die Anerkennung als Beruf. aber lest selbst:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, das SGB VIII hinsichtlich der Kindertagespflege zu novellieren und den heutigen Bedürfnissen der Kindertagespflegepersonen, der Kinder und deren Familien anzupassen: Hierfür ist es erforderlich, Mindeststandards in Bezug auf Ausbildung, Bezahlung und Rahmenbedingungen festzulegen, die die Gleichstellung gegenüber den Kitas berücksichtigt. Wir fordern die Anerkennung als Beruf und eine leistungsgerechte Vergütung, die existenzsichernd ist.(Ich habe das Wort „Bezahlung“ mal markiert)

Ich habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und ich mag es gar nicht, wenn man mich ungerecht behandelt. Ich leiste gute Arbeit, ich möchte dafür tatsächlich auch angemessen bezahlt werden. Dazu gehört für mich, dass ich krank sein kann ohne mir Gedanken zu machen, ob ich mir das finanziell leisten kann (da ich 30 bezahlte Ausfalltage als Urlaub nehme, wird mir jeder zusätzliche Krankheitstag abgezogen). Ich möchte Rücklagen bilden können für Notfälle. Diese Notfälle sind z. B. dass ein Kind überraschend weg fällt und der Platz nicht schnell neu besetzt werden kann, ist eine Situation, die durchaus vorkommen kann oder dass ich eine größere Reparatur oder Anschaffung tätigen muss.Ich kann auch keine 4 Eingewöhnungen gleichzeitig machen, also habe ich die Monate, bis die ersten Kinder eingewöhnt sind, finanzielle Einbußen. Konnte ich vorher Rücklagen bilden um das aufzufangen? Nein. Dafür brauche ich meinen Ehemann. Es fühlt sich ziemlich erniedrigend an, wenn man 2017 trotz Vollzeitarbeit noch auf seinen Mann angewiesen ist. Deshalb fordere ich tatsächlich eine bessere Bezahlung! Ich möchte von meinem Beruf leben können. Ich arbeite über 40 Stunden die Woche und habe eine richtige Bezahlung verdient! Genau wie alle anderen Kollegen, die oftmals sogar noch weniger Geld bekommen!

4.1 Anerkennungsbetrag

Bei der Festlegung der Höhe des Anerkennungsbetrags ist zu berücksichtigen, dass es sich um einen Betrag zur Anerkennung der Förderleistung, nicht um ein Entgelt handelt. Die finanzielle Vergütung der Kindertagespflege muss erst ab einem gewissen Umfang der Ausübung der Tätigkeit das Auskommen der Pflegeperson sichern. (Empfehlungen des Bayerischen Landkreistags und des Bayerischen Städtetags für die Kindertagespflege nach dem SGB VIII und dem BayKiBiG)

Fühlt ihr euch da nicht veräppelt? „Der gewisse Umfang“ sind 5 betreute Vollzeitkinder. Was genau „sichern“ bedeutet, ist nicht genau erläutert. Aber vielleicht reicht es schon, wenn man so viel verdient, dass man nicht mehr mit Hartz VI aufstocken kann.

Was ich auch fordere ist die Anerkennung als Beruf. Dazu gehört, dass wir keinen Anerkennungsbetrag bekommen, sondern eine Bezahlung. Ein Mindeststandard an Ausbildung ist da Pflicht. Es gibt derzeit kein einheitliches Minimum an Qualifikationsstunden. Mancherorts reichen 100 und in manchen Kommunen werden 300 Stunden verlangt. Wer ernst genommen werden will, muss auch was vorweisen können.

Die Gleichstellung mit den Kitas ist ein weiterer wichtiger Punkt. Hier geht es um die Elternbeiträge in der Kindertagespflege. Sie dürfen nicht höher sein als die einer Kita. In den meisten Kommunen sind auch die Buchungsstunden für nicht arbeitende Eltern auf 25 begrenzt, wogegen die Eltern in der Kita unbegrenzt buchen können. Das ist ein großer Nachteil für uns.

Auch das Thema Vertretung ist in vielen Kommunen nicht ausreichend geklärt. Es ist zwar ziemlich deutlich im SGB VIII formuliert, aber  umgesetzt wird es in wenigen Kommunen. Eine Kinderbetreuung, die nicht verlässlich ist, weil die Tagesmutter oder der Tagesvater überraschend krank werden könnten, ist ein Minuspunkt und schränkt wiederum das Wahlrecht der Eltern ein. Wenn eine Betreuungsform benachteiligt ist und auch die Eltern dadurch Nachteile haben, werden sie die andere Betreuungsform wählen.

Ein weiteres Thema, was mich beschäftigt ist die Krankenkassenregelung ab 2019. Ende 2018 läuft die bisherige Regelung aus, dass wir nebenberuflich eingestuft werden. Juhu! Wir sind dann auch bei den Krankenkassen als vollwertige hauptberufliche Selbstständige tätig (und das ist ja, was wir tatsächlich sind mit unserer 50 Stunden Arbeitswoche). Mit Anspruch auf Krankengeld und Mutterschaftsgeld! Fantastisch. Eine längere Krankheit ist also kein großes finanzielles Problem mehr. Allerdings können viele von uns diese Versicherung gar nicht zahlen. Wir verdienen ja nicht von heute auf morgen so viel wie ein normaler hauptberuflicher Selbstständige. Wir gurken ja immer noch am Existenzminimum herum. Hier muss also MEHR GELD GEFORDERT WERDEN! Eine gerechte Bezahlung, damit auch wir uns eine angemessene Krankenversicherung leisten können.

Steht irgendwo, dass ich mir eine goldene Nase verdienen will? (Leider denken noch einige Leute, dass wir, auch hier in Würzburg, zu den gut verdienenden Leuten gehören) Ich hoffe nicht, falls doch, muss ich an meiner Schreibweise was ändern. Ich will wertschätzend und fair behandelt werden, fair bezahlt werden und von meiner Vollzeitarbeit leben können! Ich hoffe, ich habe das hiermit klar gestellt.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

5 Gedanken zu „Um was geht es hier?

  1. Liebe Jenny,es gibt immer wieder Leute die anderer Meinung sind und auch wohl den sinnvollen Inhalt nicht verstehen.Alles was Du schreibst ist sinnvoll für uns Tagesmütter.Lasse Dich nicht entmutigen denn alles was Du machst hat Sinn und Fuß.

  2. Hallo Jenny, es ist schon bedauerlich wenn ich immer wieder feststellen muss das es Tagesmütter gibt die diese Tätigkeit als Hobby neben den Haushalt Betreiben. Einige dieser TM müssen nicht mit dem Einkommen als TM ihre Existenz aufrecht erhalten! Nein, Sie haben einen Partner der gut verdient, und somit eigentlich finanziell unabhängig sind. TM die für eine bessere Vergütung kämpfen möchten Ihre Tätigkeit als BERUF ANERKANNT bekommen.

    In Städte wie München erhält eine TM schon mehr als 5 Euro/Stunde/Kind. Je nach Qualli bis mehr als 10 EURO/Kind. (Brutto)

    Das sind Städte die aus dem RAHMEN fallen!
    Die meisten erhalten eine Vergütung von etwa 2,86 bis 5,50 Euro/Stunde/Kind, (Brutto) wobei die 5,50 schon zur Ausnahme zählen muss!

    Rechnen wir das hoch. Bei Max. 5 Kindern macht das:
    14,30/Stunde Brutto bis 27,50/Stunde Brutto.

    Hier müssen Sie noch Steuern und Abgaben für Wasser, Strom, MIETE, Spielsachen und Kindergerechte MÖBELN und deren Verschleiß/Instandhaltung etc. abziehen!

    SIE SIND SELBSTSTÄNDIGE! Rechnet aus was als selbstständiger übrig bleibt.

    Zum Vergleich mit einem SELBSTÄNDIGEN HANDWERKER:

    Er oder Sie müsste etwa 70Euro Brutto verlangen! Das ist die Theorie aber nicht die Realität!

    Real ist irgendwo zwischen 35 und 45 EURO.

    Als Sebständige TM/TV kommen Sie nicht mal in der Nähe von diesem Stundenlohn, ausser Sie Arbeiten mit entsprechender Qualli in Städte wie München!

    Natürlich müssen wir für eine bessere Vergütung kämpfen! Wir werden von vielen Städten und Kommunen verarscht und ausgenutzt. Wir werden nicht gleichgestellt wie es in Baykibig vorgesehen ist. Wir werden bei Jugendämter nicht als Alternative Lösung erwähnt wenn Eltern einen Betreuungsplatz für ihr Kind sucht! Statt dessen werden utopische Kita Plätze angeboten die Eltern rein vom Anfahrtsweg und Örtlichkeit unakzeptabel sind! Das es eine TAGESMUTTER um die Ecke gibt wird (Unkenntnis oder absicht) verschwiegen!

    Die TM die sich darüber schoffieren das es TM/TV gibt die für bessere Vergütung kämpfen bleibt doch unter euch ewigen gestrigen, freut euch über 2-3% Erhöhung jedes Jahr.

    Vergisst nicht das. Menschen wie Jenny letztendlich auch eure Situation verbessern!

    Ach ja, die TM die damit argumentieren,
    „Ohje ich komme damit in der Verlegenheit Steuern zu bezahlen“

    Sucht euch doch ein Beschäftigung z.B. in einen Supermarkt als auffüllkraft auf 450 EURO BASIS!!!

    ZU MEINER PERSON:
    ICH BIN SELBSTSTÄNDIG UND TV NEBENBERUFLICH.

    Stefan Mondini

  3. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, dass man für Care-Arbeit anscheinend kein gutes Geld verlangen „darf“.

    Wenn Juristen, KFZ-Mechaniker, Banker, Fluglotsen oder Mechaniker mehr Geld haben möchten oder bereits gut verdienen regt sich da keiner drüber auf.

    Alle schauen Fußball und dabei Menschen zu, die etwas sehr gut können, und dafür krass viel Geld verdienen.

    Aber Kinderbetreuung?
    Alten- und Krankenpflege?

    Wird so bescheiden bezahlt, als wären solche Tätigkeiten eher Hobby oder Ehrenamt.

    Dabei würde das System ganz schön zusammen brechen, wenn alle diese Care-Arbeit einfach nicht machen würden.

    Da würden Menschen vernachlässigt, in ihren Windeln liegen bleiben, hungern usw.

    Was passiert, wenn der Mechaniker, der Fußballer oder der Jurist seine Arbeit einfach nicht macht?

    Ich will tatsächlich für diesen sehr wichtigen Job nicht nur „gerade so ausreichend“ verdienen!
    Ich würde gerne gut verdienen!
    Das darf man nur scheinbar in unserer Branche gar nicht sagen.
    Als Buchhalterin im Büro hat sich keiner meiner Kollegen geschämt zu sagen, er hätte gern mehr Geld für seinen Job, oder würde demnächst in eine andere Firma wechseln, weil er da besser verdient!

  4. Wieder mal gut gebrüllt Löwin👍😃😃.
    Auf den Punkt richtig und klasse💕💕

  5. Es ist legitim, dass Fußballprofis (wofür es übrigens keinen speziellen Ausbildungsgrad mit anerkannter Abschlussprüfung gibt), Millionen verdienen, Manager, manche Selbständige mit ihren Firmen oder Börsenzocker (übrigens auch ohne zwingend vorgeschriebene Ausbildung) ebenso. Wenn aber Menschen in sozialen Berufen eine angemessene Bezahlung fordern (ich schreibe bewusst fordern, wir brauchen nicht zu bitten, wir leisten etwas für unser Geld), wird uns Geldgeilheit vorgeworfen? Geht’s noch? Da müssen Tagespflegepersonen, die 40 Stunden und länger arbeiten, Aufstockungsleistungen beantragen, um das gleiche Einkommen zu haben wie Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht arbeiten? Alle Politiker, die über das Einkommen der Tagespflegepersonen entscheiden, sollten darüber mal nachdenken.

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