Manuela Schwesig und die ignorierte Kindertagespflege

Im persönlichen Gespräch mit Manuela Schwesig sagte sie mir, dass sie immer auch die Kindertagespflege meint, wenn sie Kita sagt. Sie macht da keinen Unterschied. In der Rede vom 28.4.17 zum Kita-Ausbau wird die Kindertagespflege mit keinem Wort erwähnt. Frau Schwesig dankt in Ihrer Rede den Erziehern für ihre tolle Arbeit. Ich hoffe sehr, dass sie damit auch sagen will, sie dankt den 44.000 Kindertagespflegepersonen, die viele Kommunen derzeit vor einer Klagewelle retten. Oder weil die 44.000 Kindertagespflegepersonen es ca. 200.000 Eltern ermöglichen zu arbeiten und Steuern zu zahlen. Oder weil diese 44.000 Kindertagespflegepersonen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Familie erst tatsächlich möglich machen, da sie 24-Stunden betreuen und oftmals die Kinder von den Kitas und Kindergärten abholen, nachdem diese schließen.


Man kann den Kindertagespflegepersonen auch danken, weil sie Qualität bieten. Sie betreuen in kleinen Gruppen, familiär, flexibel, individuell und mit einer festen Bezugsperson. Ist das nicht genau das, was von Experten empfohlen wird?

Ein großes Dankeschön haben sie auch verdient, weil sie nicht schon längst alles hin geschmissen haben. Sie werden von den Behörden meist nicht ausreichend bezahlt, von der Bevölkerung nicht ausreichend wahrgenommen und geschätzt und von den Politikern nicht ausreichend gefördert, bzw. ignoriert. Die Bundesförderprogramme können sie in den seltesten Fällen beantragen. Von dem Geld, von dem Manuela Schwesig in ihrer Rede spricht, werden also die wenigsten von ihnen etwas abbekommen. Kita-Plus ist ziemlich am Ende – außerdem konnte keiner der Kindertagespflegepersonen dieses Geld beantragen, die bereits die Randzeiten- oder sogar 24-Stunden Betreuung angeboten haben. Persönliches Pech. Das Programm „Sprachkita“ ist, meines Wissens nach, auch nicht für die Kindertagespflege. Leider wurde ich aber, wie ein Großteil meiner Kollegen, gar nicht über die Bundesförderprogramme informiert. Die Investitionsprogramme können die Jugendämter für die Kitas und die Kindertagespflegebeantragen – zumindest in manchen Bundesländern und einige wenige Jugendämter beantragen diese Gelder sogar tatsächlich für die Kindertagespflege. In ganz Bayern ist das z. B. nicht möglich.

Es ist Zeit, dass die Kindertagespflegepersonen endlich die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Die Kindertagespflege ist längst zu einem Beruf geworden und schon lange kein Hobby mehr. Deshalb brauchen die Kindertagespflegepersonen eine faire Bezahlung, von der sie leben können und die Anerkennung von Seiten des Bundes! Das SGB VIII muss geändert werden! Es darf nicht sein, dass eine Formulierung im Gesetzbuch verhindert, dass eine ganze Berufsgruppe nicht anständig bezahlt werden muss.

Wir werden uns nach oben kämpfen – wir Kindertagespflegepersonen in Deutschland. Wir fordern Anerkennung, Wertschätzung und eine gerechte Bezahlung!

Hier die Rede vom Manuela Schwesig:

Bundestagsrede von Familienministerin Manuela Schwesig zum #Kitaausbau

Posted by Manuela Schwesig on Friday, April 28, 2017

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

2 Gedanken zu „Manuela Schwesig und die ignorierte Kindertagespflege

  1. Ich bin Nathalie, ich bin seit 16 Jahren Tagesmutter und bekomme von meiner Stadt keinerlei Untersützung oder gar Bezahlung. Auch ich werde für Gleichberechtigung und angemessene Vergütung kämpfen.

  2. Ich bin Sandra, Kindertagespflegeperson in Lübeck seit 17 Jahren. Wir haben in Lübeck schon viel erreicht und sind immer dabei, Verbesserungen zu erkämpfen. Dank geht an die ehrenamtlichen Kämpfer unseres Lübecker Vereines . Immer wieder sind tolle Leute bereit ,zusätzlich zu ihrer Arbeit mit den Kindern für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

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