Kindertagespflege ist kein Hobby!

Unterschriftenaktion der Kindertagespflegepersonen


Wir sagen es reicht!

Wir fordern eine leistungsgerechte Vergütung,

deutschlandweite gleiche Bedingungen und

die Anerkennung als Berufsbild!

  1. Die Kindertagespflege muss als eigenständiges Berufsbild anerkannt werden. Wir sind pädagogische Fachkräfte, die mit allen Risiken, Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit arbeiten.

  2. Wir arbeiten pädagogisch, familiennah, mit kindgerechten Kleingruppen, wirtschaftlich, organisatorisch, Familien begleitend und beratend. Alle diese Bereiche bedürfen der Anerkennung und Wertschätzung. Unsere Arbeit ist wichtig, qualifiziert, kompetent und ganz sicher KEIN Hobby.

  3. Diese Arbeit bedarf einer Wertschätzung, die sich in einer leistungsgerechten Vergütung widerspiegeln muss und nicht in einem „Anerkennungsbetrag“. Wir sind mehr Wert!

  4. Eine leistungsgerechte Vergütung muss derart gestaltet werden, dass die Kindertagespflege für alle Eltern leistbar ist. Sozial gestaffelte und gerechte Elternbeiträge analog zu den Gebühren für einen vergleichbaren Platz in einer Kindertagesstätte sind daher unabdingbar!

  5. Zu einer leistungsgerechten Vergütung gehört auch die finanzielle Gestaltung der Ausfalltage und der betreuungsfreien Zeit. Krankheit darf kein Luxusgut sein, Erholungsphasen müssen möglich sein.

  6. Kindertagespflege soll laut SGB VIII gleichrangig mit den institutionellen Betreuungsformen sein.

  7. Gleichrangig bedeutet: Zuverlässig! Das funktioniert nur mit Vertretungskonzepten, die nicht zu Lasten der Eltern, der Tagespflegepersonen und vor allem nicht zu Lasten der Kinder gehen. Die Verantwortung und Durchführung obliegt alleine den Jugendämtern.


    Das SGB VIII wird reformiert, wir werden daran teilhaben! Wollt ihr dieses erreichen, dann unterstützt unsere Petition und unterzeichnet!

Verantwortlich: Jennifer Hartmann für Deutschlands Tagesmütter und -väter in Zusammenarbeit mit Antje Radloff und Karin Kesten

Sozialgesetzbuch (SGB) – Achtes Buch (VIII) – § 23  Förderung in Kindertagespflege

Bisherige Formulierung

Geforderte Formulierung

(2) Die laufende Geldleistung nach Absatz 1 umfasst
1. die Erstattung angemessener Kosten, die der Tagespflegeperson für den Sachaufwand entstehen,
2. einen Betrag zur Anerkennung ihrer Förderungsleistung nach Maßgabe von Absatz 2a,
[…] (2a) Die Höhe der laufenden Geldleistung wird von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe festgelegt, soweit Landesrecht nicht etwas anderes bestimmt.
Der Betrag zur Anerkennung der Förderungsleistung der Tagespflegeperson ist leistungsgerecht auszugestalten. Dabei sind der zeitliche Umfang der Leistung und die Anzahl sowie der Förderbedarf der betreuten Kinder zu berücksichtigen.

[…]

 

 

 

 

 

 

(4) Erziehungsberechtigte und Tagespflegepersonen haben Anspruch auf Beratung in allen Fragen der Kindertagespflege. Für Ausfallzeiten einer Tagespflegeperson ist rechtzeitig eine andere Betreuungsmöglichkeit für das Kind sicherzustellen. Zusammenschlüsse von Tagespflegepersonen sollen beraten, unterstützt und gefördert werden.

(2) Die laufende Geldleistung nach Absatz 1 umfasst
1. die Erstattung angemessener Kosten, die der Tagespflegeperson für den Sachaufwand entstehen,

2. Eine leistungsgerechte Bezahlung ihrer Förderleistung nach Maßgabe von Absatz 2a

(2a) Die Höhe der laufenden Geldleistung wird von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe festgelegt, soweit Landesrecht nicht etwas anderes bestimmt.

Die Ausgestaltung der leistungsgerechten Vergütung muss gewährleisten, dass bei einer durchschnittlichen Gruppengröße von drei Kindern die Förderleistung dem Gehalt einer Erzieherin angeglichen ist. Die mittelbare pädagogische Arbeit ist zusätzlich zum Betreuungsumfang zu vergüten. Außerdem ist die Selbstständigkeit und das damit verbundene finanzielle Risiko der Kindertagespflegepersonen zusätzlich zu berücksichtigen. Betreuung zu besonderen Zeiten müssen mit einem prozentual erhöhten Satz vergütet werden.
Kosten für fachbezogene Fortbildungen sind vom Kinder- und Jugendhilfe Träger zu tragen.

(2b) Der Anspruch auf Förderung kann nicht durch kommunale Verträge oder Satzungen aufgehoben werden.

(4) Erziehungsberechtigte und Tagespflegepersonen haben Anspruch auf Beratung in allen Fragen der Kindertagespflege. Für Ausfallzeiten einer Tagespflegeperson ist eine andere Betreuungsmöglichkeit für das Kind sicherzustellen. Die Konzeption, Vermittlung, sowie die Kosten obliegen den Kinder- und Jugendhilfeträgern. Zusammenschlüsse von Tagespflegepersonen sollen beraten, unterstützt und gefördert werde.

Sozialgesetzbuch (SGB) – Achtes Buch (VIII) – § 24 Anspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege

Bisherige Formulierung

Geforderte Formulierung

(1) […] (2) Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Absatz 1 Satz 3 gilt entsprechend.
3) Ein Kind, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, hat bis zum Schuleintritt Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben darauf hinzuwirken, dass für diese Altersgruppe ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht. Das Kind kann bei besonderem Bedarf oder ergänzend auch in Kindertagespflege gefördert werden.
(1) […] (2) Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres vollen Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Dabei ist den Wünschen der Erziehungsberechtigten über Zeit und Umfang der frühkindlichen Förderung entgegenzukommen. Betreuungszeiten über 45 Wochenstunden hinaus sind nachzuweisen.

3) Ein Kind, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, hat bis zum Schuleintritt Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung oder Kindertagespflege . Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben darauf hinzuwirken, dass für diese Altersgruppe ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen zur Verfügung steht. Das Kind kann bei besonderem Bedarf oder ergänzend auch in Kindertagespflege gefördert werden.

Petition zum Ausdrucken

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

8 Gedanken zu „Kindertagespflege ist kein Hobby!

  1. Ich arbeite seit 2008 als Tagesmutter im Saarland, heute sogar mit einer Kollegin zusammen in einer einzigartigen Grosspflegestelle für Kinder, Tagesmütter mit Herz, die wir gemeinsam in 2014 eröffneten. Wir hatten schon in den vergangenen Jahren viel unternommen, Gruppierungen, eigens verfasste Resolutionen und geprüfte Berechnungen und Forderungen, Verdi-Anschluss usw…Leider sind viele abgesprungen, teils aus Angst durch Druck der Ämter oder auch Handhabungen, teils aus persönlichen finanziellen Gründen oder auch der Perspektivlosigkeit nach Jahren.
    Ich unterstütze gerne unser Berufsbild und die due sich weiter engagieren um endlich angemessene Anerkennung allgemein, sowie auch in Vergütung und Sozialabsicherung zu erhalten.
    Es muss endlich was passieren.
    Lg Ramona Scherf

  2. Hat sich an dem Text was geändert? Gestern dachte ich, habe ich noch was von Mindestlohn-Niveau gelesen und das fand ich nicht so gut. Die Formulierung mit „Gehalt einer Erzieherin angeglichen“ finde ich besser.

  3. Liebe Jenni, Ich habe mich heute mal erkundigt, weil ich wusste, dass bei uns das Jugendamt beim Landkreis entsprechende Angleichung an den Status der Kindergärtnerinnen, also der Erzieherinnen gemacht hat oder eben macht. Ich habe mir das von dort erklären lassen. Ich wohne im Land Brandenburg, also tief im Osten!!
    Bundesverband für Tagespflege ist die eine Richtung. Die andere ist die Bundesgesetzgebung, die jedes Bundesland für sich ausformuliert, und dann wiederum der jeweilige Landkreis, in Verantwortung des Jugendamtes… wenn ich das richtig verstanden habe.
    „Deutschlandweit“ wie Du, bzw. wie Ihr formuliert, weiß nicht, ob das Euch Vorteile bringt. Den ostdeutschen Bundesländern vielleicht, denn die liegen ja in allem unter der westdeutschen Vergütung.
    Vielleicht solltet Ihr keine allgemeine Forderung aufmachen, sondern die einzelnen Bundesländer mal unter die Lupe nehmen? Bittet doch diesen Bundesverband darum.
    Du merkst schon, ich bin keine Tagesmutter.
    (Ich habe gerade „Tagespflege“ gegoogelt. Interessant. Und geht in die Richtung, die ich mir erfragt habe.)
    Alles gute für Euch!
    Dagmar

    1. Liebe Dagmar! Ich finde es sehr sympatisch, dass sich auch außerhalb der Berufsgruppe der Tagespflegepersonen jemand für die Inhalte interessiert!! Du hast Recht: Bundesgesetz – Landesrecht – Richtlinie d. Kommune/ Stadtverwaltung. Umso wichtiger ist es, dass es auf Bundesebene einige nicht mehr interpretierbar Eckpunkte gibt. Zumal wir als Selbständige nicht unter den Mantel der Gewerkschaften schlüpfen können.Den Bundesverband brauchen wir vor allem, weil wir es Leid sind, im Kleinklein der Länder unsere Grabenkämpfe zu führen. Ein Mindeststandard sollte unbedingt im Bundesgesetz Schäfer gezeichnet werden. Wenn eine Kommune das dann überbieten will – gerne 😆.
      Liebe Grüße aus Potsdam

  4. – Einkommen der Kindertagespflegeperson: wir können uns von der Ausbildung her nicht mit einer Erzieherin vergleichen.
    Im Angestelltenverhältnis wäre der Vergleich mit einer einjährig ausgebildeten – früher Kinderpflegerin – angebracht. Als selbstständige Tätigkeit müsste mit einer Platzpauschale, die auch bei Ausfallzeiten und Nichtbelegung über mehrere Monate weiterbezahlt wird, der Grundbedarf gedeckt werden. Das heißt: bei über 40 Wochenstunden mit durchschnittlich 3 gleichzeitig betreuten Kindern muss darüber der Mindestlohn erreicht werden. Zusätzlich muss pro Betreuungsstunde (pauschalierte Abschlagszahlung mit jährlicher Nachberechnung oder auf Wunsch Spitzabrechnung) ein Stundensatz bezahlt werden.
    -Elternbeiträge: analog den ortsüblichen Beiträgen für eine institutionelle Einrichtung
    – Der Vorteil der Kindertagespflege liegt in der familienähnlichen Struktur, die den Bedürfnissen von Babys und Kleinkindern in besonderem Maße entspricht und ergänzend zu Kindergarten und Schule auch für ältere Kinder stressmindernd und damit vorteilhaft ist. Für die Zukunft unserer menschlichen Gesellschaft sind seelisch gesunde Menschen grundlegend wichtig! Die Weichen dafür werden in der frühen Kindheit gelegt!
    Ute , Tagesmutter seit 17 Jahren

  5. Ein große Bitte – denkt mal nach, Wenn schon bei den Tagesmüttern so viel Halbwissen vorhanden ist, wie können wir dann erwarten, dass die Politiker richtig entscheiden?

    Erstens: Es gibt durchaus Tagesmütter, die vorher Erzieherin oder Kinderpflegerin gelernt haben. Und deshalb kann man die sehr wohl „von der Ausbildung her“ mit angestelltem Personal vergleichen. Und auch andere Tagesmütter mit vielen Jahren Berufserfahrung, allen Kursen und regelmäßigen Weiterbildungen kann man vergleichen. Es ist dann Aufgabe der Fachleute festzulegen, ob die dann die gleiche Bezahlung erhalten können wie eine gelernte Erzieherin. Nur ein einfaches Rechenbeispiel: Rechnet mal aus, was eine angestellte Erzieherin in Vollzeit bei Vollbelegung verdienen kann – den gleichen Betrag sollte dann eine selbständig als Tagesmutter arbeitende Erzieherin in Vollzeit bei Vollbelegung ebenfalls erhalten. Von dieser Grundüberlegung würde ich ausgehen. Natürlich hinkt der Vergleich: In KiTa hat die Erzieherin vielleicht 8 Kinder zu betreuen (je nach Schlüssel) – als TM aber nur 5 – Aber das ist eine gesetzliche Vorgabe, die man auch ändern kann (Entscheidung wieder bei Bundesregierung -> steht über Länderregelungen)

    Zweitens: Eine Kinderpflegerin hatte nie eine „einjährige“ Ausbildung. In meinem Bekanntenkreis sind etliche davon, die mussten alle zwei Jahre absolvieren. In der Praxis hatten die oftmals (auch wegen Krankheit und Urlaub) die gleichen Aufgaben zu erledigen wie die Leitung = Erzieherin. Nur die Bezahlung war immer deutlich geringer. Liegt wohl einzig an der Tatsache, dass die Erzieherin eine längere Ausbildung durchlaufen hat und damit theoretisch auch mehr „Wissen“ hat.

    Drittens: Auch Rentenerhöhungen und andere Beschlüsse sind bundeseinheitlich gefallen. Da wurde manchmal aber einfach geregelt, dass im Westen andere Zahlen gelten als im Osten. Natürlich kann auch die Kindertagespflege bundeseinheitlich geregelt werden. Es bedeutet nicht automatisch, dass im Osten mehr bezahlt wird und im Westen weniger. Ich für meinen Teil wäre schon froh, wenn die (jetzt schon bestehenden) Bundesvorgaben in jedem Landkreis einheitlich umgesetzt würden. Aber bei so klaren Dingen wie z.B. Organisation der Ersatzbetreuung oder Erstattung der Rentenversicherung kocht immer noch jeder Landkreis sein eigenes Süppchen – obwohl seit Jahren klar geregelt. Was wir brauchen sind keine Diskussionen über Details, sondern die klare gesetzliche Vorgabe, dass Bundesrecht umzusetzen ist.

    Viertens: Der Bund sollte sich als allererstes mal klar werden, was eine Tagesmutter eigentlich ist – angestellt oder selbständig? Und dann kann man die Regeln entsprechend aufstellen. Etliche Jugendämter vermischen aber diese beiden Formen je nachdem, welche Vor- oder Nachteile man gerade nutzen möchte. Genau das haben Fachleute schon häufig festgestellt und angeprangert. Vielleicht sollte unsere Regierung da mal einfach für Klarheit sorgen.

    Fünftens: Womit hat man mehr Erfolg? Wenn man eine Petition unterschreibt und später vielleicht über Details diskutieren kann oder wenn man nichts macht, weil man mit dem ein oder anderen Punkt nicht so ganz einverstanden ist?

    … und dann war es schon spät und mir ist nichts mehr eingefallen 🙂
    Liebe Grüße

  6. Ich bin seit 33 Jahren Tagesmutter und es hat sich schon sehr viel zur Verbesserung der Situation bei uns Tagesmüttern getan. Da wir aber immer noch vom Wohl des Trägers abhängen, sehen hier in Niedersachsen die Bedingungen in jedem Landkreis anders aus. Ich würde mir wünschen, dass der Gesetzgeber endlich klar stellt, dass Tagespflege überall das gleiche für die Eltern kostet wie ein vergleichbarer Kitaplatz und Tagespflege keine Luxusbetreuung für gut verdienende Eltern ist. Ich habe eine Interessengemeinschaft von Tagesmüttern in unserer Stadt gegründet. Das brachte uns ins Gespräch mit der Politik und der Öffentlichkeit. Es hat uns hier sehr geholfen. Die Kosten für die Eltern sind heute an die Kitagebühren gekoppelt. Allerdings sieht es im angrenzenden Landkreis anders aus.😒
    Daher mein Wunsch auf Gleichbehandlung aller Betreuungsangebote auch bei den Kosten für die Eltern. Ich finde die Petition zu einseitig auf die Bezahlung der Tagesmütter ausgerichtet. Das ist natürlich auch wichtig und richtig, aber wenn Eltern mehr für einen Platz in der Tagespflege zahlen sollen, entscheiden Sie sich sehr schnell für die Kita. Danke für euer Engagement und bleibt weiter am Ball. Viel Erfolg mit der Petition wünscht Beate

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