Die Tagesmutter bevorzugt ihre eigenen Kinder – Vorurteil Nr. 4

Die Angst, dass eine Kindertagespflegeperson die eigenen Kinder bevorzugt, ist eine nachvollziehbare Sorge. Wenn man aber mal realistisch darüber nachdenkt, muss man sich hier als Eltern eines Tageskindes nicht wirklich Sorgen machen. Viele Tagesmütter üben diese Tätigkeit aus um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Sie betreuen ihre eigenen Kinder mit, bis sie in den Kindergarten oder in die Schule kommen (Meist also nur bis zum 3. Lebensjahr). Die Kinder werden dann dann zusammen mit den Tageskindern abgeholt und verbringen manchmal den Nachmittag mit den kleinen Tageskindern.


Häufig holt die Kindertagespflegeperson auch ältere Kinder im Kindergarten ab oder betreut Schulkinder nach der Schule. So entsteht eine natürliche Altersmischung, bei der die Kleinen von den Großen lernen können und die Großen lernen, sich um die Kleinen zu kümmern. Das ist sehr wünschenswert! Da die meisten Kinder sowieso mit 3 Jahren in den Kindergarten wechseln, wird das Kind der Tagesmutter also meist genau diese 3 Jahre mitbetreut.Nach diesen 3 Jahren werden die Tageskinder die eigenen Kinder der Kindertagespflegeperson wahrscheinlich nur am Nachmittag oder in den Ferien sehen und werden sich im Normalfall sehr auf diese Zeit freuen. Große Kinder sind immer interessant. Sie können schon mehr und man kann ihnen viel nachmachen. Vielleicht kann das Schulkind den kleinen schon stolz etwas vorlesen. Meine eigenen Kinder sind die „Paten“ der kleinen. Sie übernehmen also etwas „Verantwortung“ und sind sehr stolz darauf. Sie dürfen z. B. ihrem Patenkind beim Anziehen helfen, bevor wir zum Kindergarten laufen, oder ihnen die Hand beim Spazieren gehen geben. Ein neues Tageskind wird auch gleich den Freunden vorgestellt „Schau mal, dass ist Luisa, mein neues Patenkind!“ Alleine der Altersunterschied verlangt eine andere Behandlung der Kinder. Eine Bevorzugung oder Benachteiligung ist hier kaum möglich.

Eigene Kinder der Tagesmutter haben immer andere Regeln als die Tageskinder. Sie haben auch ein anderes Verhältnis zur Tagesmutter. Das ist ganz selbstverständlich und für jedes Kind nachvollziehbar. Kinder können das gut voneinander trennen. Eine Tagesmutter wird ihr Bestes geben das eigene Kind nicht zu bevorzugen, bzw. die Tageskinder nicht zu benachteiligen. Vielleicht ist sie sogar zum eigenen Kind strenger als zu den Tageskindern, weil dieses ja die Regeln weiß und hier zu Hause ist. Kein Mensch kann ein fremdes Kind so lieben wie das eigene und die eigenen Kinder müssen ihre Mama mit vielen Kindern teilen. Sie brauchen auch Aufmerksamkeit und sie brauchen ihre Mama. Aber benachteiligen und vernachlässigen wird die Kindertagespflegeperson die Tageskinder deshalb nicht. Zu jedem einzelnen Kind wird sie eine ganz besondere Beziehung aufbauen können. Sie wird jedes Kind so annehmen wie es ist, jedes gleich behandeln und für alle sollten die gleichen Regeln gelten. Jedes Kind sollte so viel Nähe bekommen, wie es benötigt, auch die eigenen Kinder.

Stellt euch mal vor, die Tagesmutter würde ihre eigenen Kinder nicht lieben. Das wäre besorgniserregend und sicher keine Atmosphäre, in der man sein eigenes Kind betreut wissen will.

Oft haben Tagesmütter, die ihre eigenen Kinder mitbetreuen Spielsachen für das eigene Kind und Spielsachen für die Tageskinder. Während der Betreuungszeit wird ausschließlich mit den Spielsachen für alle gespielt. So kann das eigene Kind keine Besitzansprüche geltend machen und weniger eifersüchtig werden. Meist ist sogar das Kinderzimmer der eigenen Kinder Tabu für die Tageskinder. Hier können sich dann die eigenen Kinder zurück ziehen, was ältere Kinder während der Betreuungszeit auch oft machen werden.

Mein kleiner Sohn ist mit den Tageskindern aufgewachsen. Er war 8 Wochen alt als ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Als er 1 Jahr alt war, kam sein bester Freund zu  mir in die Betreuung (den wir vorher nicht kannten). Er war jeden Tag bis 14 Uhr bei uns und die Jungs sind wie Geschwister aufgewachsen. Wir nennen sie heute noch „Zwillinge“, weil sie sich so gut verstehen. Sie sehen sich immer noch jede Woche, auch wenn sie, auf Grund des Wohnortes, in getrennte Kindergärten gehen. 2018 kommt die kleine Schwester zu uns, noch ist sie nicht geboren. Die Mutter ist sich aber sicher, dass ihr großer Sohn sehr glücklich war bei uns. Trotz meinem eigenen Sohn genau im gleichen Alter.

Was Schöneres kann man einem Kind nicht wünschen, als einen Freund zu finden, mit dem man zusammen aufwächst? Was kann besser sein, als wenn kleine Kinder auch mit größeren Kindern aufwachsen und von ihnen lernen können?

Nachtrag: Die Tageskinder werden selbstverständlich nie so geliebt wie die eigenen Kinder. Die Tageskinder bekommen von der Kindertagespflegeperson die Nähe und Geborgenheit, die sie brauchen. Die elterliche Liebe bekommen sie daheim von Mama und Papa. Eine professionelle Tagesmutter kann aber den Tageskindern trotzdem das Gefühl geben, dass sie willkommen sind, dass sie gern gehabt werden und dass sie wichtig sind.

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.