Noch nicht am Ziel – aber ein Schritt in die richtige Richtung

Die Satzung für die Kindertagespflege vom Landkreis Würzburg wird nun geändert. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir danken allen Leuten, die sich für uns eingesetzt haben. Leider wurden wir nicht persönlich befragt. Wir als Regionalgruppe der Berufsvereinigung haben unsere Meinung an den Jugendhilfeausschuss geschickt.


Hier unsere Stellungsnahme:

Stellungnahme der Regionalgruppe Mainfranken der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V. zur Satzungsänderung vom 30.11.15

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V. nehmen wir als Regionalgruppe Mainfranken Stellung zur Satzungsänderung vom 30.11.15.

Wir begrüßen Ihr Vorhaben das Tagespflegeentgelt leistungsgerecht auszugestalten.

Eine Erhöhung war und ist dringend erforderlich und nötig. Auch eine beginnende Gleichstellung zu den Kitas ist zu begrüßen. Allerdings bedarf es hier noch einige Nachbesserungen.

Erhöhung des Tagespflegeentgeltes

Die Tatsache, dass in den letzten Monaten schon kommuniziert wurde, dass kein Essensgeld mehr genommen werden darf, hat viel Tagesmütter verunsichert. Kaum eine Tagesmutter hat im Jahr 2015 noch Essensgeld verlangt.

Eine Erhöhung des Tagespflegeentgeltes um insg. 30,00 € pro Vollzeitkind und die gleichbleibende Höhe der Sachaufwandspauschale, ermöglicht uns nicht den Verlust, der durch den Wegfall des Essensgeldes entstanden ist, auszugleichen.

Ein Vollzeitkind isst für ca. 3,00 € pro Tag.

Pro Monat sind das ungefähr 65,00 € (Kitas verlangen alleine für das Mittagessen zwischen 42,00 € und 60,00 €). Anzumerken ist, dass es vor allem für die kleinsten Kinder (U3) sehr wichtig für die gesunde Entwicklung ist, dass ein vollwertiges und warmes Mittagessen eingenommen werden kann (Aussage xxx bei der Fachtagung vom Amt für Ernährung am 27.10.15).

Zu begrüßen wäre es, dass in Zukunft für das Angebot einer täglichen Versorgung der Kinder in Form von Essen/Trinken wieder ein angemessenes Essensgeld (Vergleichbar IGEL-Leistung beim Arzt) von den Eltern genommen werden darf.

Auch ist eine ausreichende Renteneinzahlung, die uns vor Altersarmut schützt, derzeit nicht möglich. Hier reicht selbst ein Stundensatz von 4,50 € pro Kind bei 5 Vollzeitkindern nicht aus. Sollte es in naher Zukunft keine weitere Änderung hinsichtlich einer leistungsgerechten und existenzsicheren Zahlung des Tagespflegeentgeltes geben, werden wir wohl alle mit Hartz IV unsere Rente aufstocken müssen.

Gleicher Tagespflegesatz für Kinder über 3 Jahren

Die Anpassung, dass nun auch für Kinder über 3 Jahren das gleiche Tagespflegeentgelt ausgezahlt wird wie bei Kindern unter 3 Jahren begrüßen wir sehr.

Es kommt immer häufiger vor, dass Kinder keinen Kindergartenplatz pünktlich zum dritten Geburtstag bekommen und somit noch einige Monate in der Kindertagespflege bleiben.

Anzumerken ist hier, dass sich außerdem eine Betreuung nach der Schul- und Kindergartenbetreuung nicht rentieren würde. Eine Erhöhung und Angleichung war/ist also wichtig.

Erhöhung des Tagespflegeentgeltes in den Randzeiten

Die Erhöhung des Tagespflegeentgeltes zu den Randzeiten begrüßen wir sehr.

In den s.g. Randzeiten sind meist nur wenige Kinder anwesend – oftmals auch nur ein Kind. Leider überzeugen auch 3,24 € als zu versteuerndes Einkommen pro Stunde nicht wirklich.

Mittlerweile besteht auch immer mehr der Bedarf einer Betreuung ab 6.00 Uhr und bis 22.00 Uhr (Schichtdienst z.B. in Pflegeberufen, etc.).

25-Stunden Regelung benachteiligt Eltern

Wir bedauern es sehr, dass die 25-Stundenregelung noch immer nicht aufgehoben wurde. Eltern haben laut Rechtsanspruch eine Wahlfreiheit zwischen Kita und Kindertagespflege. Allerdings werden die Familien hierdurch erheblich in ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt. So darf ein Kind bei der Tagesmutter nur maximal 25 Std./ Woche betreut werden, wenn ein Elternteil keiner Erwerbstätigkeit nachgeht oder mit einem Säugling zu Hause in Elternzeit ist.

Eltern sollten das Recht haben, denn diese sind die Experten ihrer Kinder, frei zu entscheiden (für ein Tageskind aus der Stadt Würzburg gib es diese Einschränkung nicht) wie lange sie ihr Kind betreuen lassen möchten.

Anzumerken ist, dass eine Betreuung in Kindertagespflege für das Kind viel entspannter und für die Familie des Tageskindes intensiver ist (familiäres Umfeld in kleiner Gruppe mit max. 5 Kinder zur gleichen Zeit). Bei der Geburt eines Geschwisterchens bietet die Kindertagespflege zudem sehr viel Unterstützung und ein Nest der Geborgenheit. Auch aus pädagogischer Sicht ist eine Einschränkung hier nicht angepasst.

Ein weiteres Beispiel:

Ein Kind wird derzeit in der Kindertagespflege 25 Std. (Rechtsanspruch) oder weniger betreut, die Mutter ist arbeitssuchend. Möchte die Mutter dann eine Arbeit aufnehmen, kann eine Erhöhung der Stundenzahl unter Umständen dann nicht mehr erfolgen,

da die Tagesmutter keine Kapazitäten mehr frei hat. Eine Tagesmutter arbeitet nicht nur mit Herz, sondern muss auch wirtschaftlich denken.

So kann die Tagesmutter weder einen Platz über einen längeren Zeitraum freihalten, noch kann Sie bei Reduzierung der Betreuungszeiten (z.B. Geschwisterchen) einen Ersatz finden.

In einer Kita und in der Kindertagespflege der Stadt Würzburg gibt es in solchen Fällen keine Einschränkungen.

Auch muss derzeit eine Arbeitsbescheinigung beim Amt für Jugend und Familie „Wirtschaftliche Jugendhilfe“ des Landratsamtes Würzburg vorgelegt werden, wenn berufstätige Eltern ihr Kind mehr als 25 Std./ Woche in der Kindertagespflege betreuen lassen wollen bzw. müssen – selbst unter 25 Std./ Woche wird das mittlerweile teilweise verlangt. Auch das gibt es in Kitas nicht.

Diese 25-Std. Regelung muss also dringendst aufgehoben werden, denn

  1. Eltern sollen Wahlfreiheit haben und nicht eingeschränkt werden und

  2. Tagespflegepersonen sollen hierdurch keine finanziellen Verluste verzeichnen.

Hinter einer Begrenzung der Betreuungszeit auf 25 Stunden bzw. Vorlage einer Arbeitsbescheinigung bei Kostenübernahme des Elternbeitrages durch das Amt für Jugend und Familie des Landratsamtes Würzburg stehen wir selbstverständlich. Dies wird in der Stadt Würzburg ebenfalls so geregelt.

Erhöhung der Aufwandspauschale für „Springerinnen“

Wir freuen uns sehr, dass unsere „Springerinnen“ nun auch eine kleine Erhöhung für Ihre wertvolle und flexible Tätigkeit verzeichnen können. Vor allem die Regelung, dass sie nun mindestens 9,00 € pro Stunde („brutto“) bekommen werden (unabhängig von der Kinderzahl), ist eine erste und gute Verbesserung.

Allerdings wird man neue Springerinnen mit einem steuerpflichtigen Einkommen („brutto“) in Höhe von von ca. 650,00 € pro Monat (bei 8 Ersatzbetreuungsverhältnissen) nicht gewinnen können. Ein weiterer Job ist nicht möglich, da diese sehr flexibel sein und den ganzen Tag zur Verfügung stehen muss.

Anzumerken ist auch, dass eine Auszahlung derzeit aus abrechnungstechnischen Gründen (laut Landratsamt Würzburg. – wirtschaftliche Jugendhilfe) nicht monatlich erfolgen kann. Dies ist dringend zu überdenken und zu überarbeiten. Eine monatliche Auszahlung ist dringendst notwendig.

Erhöhung des Tagespflegeentgeltes für Kinder mit Behinderung

Die Erhöhung des Tagespflegeentgeltes für Kinder mit Behinderung sehen wir sehr positiv.

Dennoch darf eine Kindertagespflegeperson nur 3 Kinder inklusive dem Integrationskind betreuen. Das Kind mit Behinderung belegt also 3 Betreuungsplätze.

Tagespflegeentgelt: 1280,00 € pro Monat für ein Vollzeitkind mit Behinderung (für 1 Kind, das 3 Plätze in Anspruch nimmt)

Tagespflegeentgelt: 2160 € pro Monat für 3 Vollzeitkinder ohne Behinderung (720,00 € pro Monat für ein Vollzeitkind ohne Behinderung)

Es fordert sehr viel soziales Engagement von Seiten der Tagesmutter, ein solch hohen finanziellen Verlust in Kauf zu nehmen.

Gerne stellen wir uns bei einer der nächsten Jugendhilfeausschusssitzungen persönlich vor und nehmen nochmals Stellung bzgl. der Satzungsänderung bzw. der Problematik/Rahmenbedingungen in der Kindertagespflege.

Mit freundlichen Grüßen

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.