Nachtrag: Auch ein 5 jähriger hat ein schwieriges Leben

Vor allem, wenn dieser übermüdet ist… So einen Abend wie gestern haben wir lange nicht mehr erlebt. Diesmal ging es nicht um kleinkindliche Probleme, sondern ausgewachsene Kinderprobleme. Mein großer Sohn ist fast 5 Jahre alt und seine Mama macht alles falsch.Mittags habe ich meine Kinder gefragt, ob sie Dampfnudeln zu Abend essen wollen. Beide Kinder verneinten dies. Also habe ich Nudeln gekocht.


Als das Essen dann fertig war, brach mein Großer in Tränen aus „Mama, ich wollte doch Dampfnudeln“. Ich erklärte ihm, dass ich ihn doch gefragt habe und er nein gesagt hat. Seine Antwort „Mama, bei mir heißt nein doch ja!“ Das muss man als Mama erstmal wissen… (Vorsicht: Diese Regel kann man nicht auf jede Situation übertragen!)

Also hatte ich ein sehr trauriges Kind am Esstisch. Es gab Spagetti (Kerstin Celina hatte mich gewarnt…) und ich habe beide Kinder gefragt, ob ich sie schneiden soll. Mein großer Sohn sagte ja, also habe ich angefangen zu schneiden. Ihr werdet es schon ahnen: „Ja, bedeutet nein!“

Das sollte noch ein tränenreicher Abend werden. Dann habe ich seine Nudeln mit meinen ungeschnittenen Nudeln getauscht – ist ja kein Problem. War auch nicht ganz richtig, aber wenigstens konnte man das so essen.

Um die Situation aufzulockern habe ich den Kindern angeboten, dass es Nachtisch geben könnte, wir haben Eis im Tiefkühlfach. Beide Kinder begeistert und mein kleiner Sohn rennt auch sofort in den Keller. Mein großer Sohn fragt vorsichtig nach, ob man das Eis in eine Schüssel machen muss. Ich ahne wieder Probleme… Ich antworte vorsichtig: „Ja…?!“ Der nächste Tränenfluss ergießt sich über den Tisch. „Ich will mein Eis aber in der Hand halten können!“

Daraufhin nehme ich ihn auf den Arm und bringe ihn ins Bett, so wie er ist. In Kleidern und ungewaschen. Ich hole ein Buch und lese es meinem schluchzendem Schatz vor. (der Kleine teilt inzwischen alleine das Eis für alle…) „Mama, ich will kein Eis essen, wenn ich es nicht in die Hand nehmen kann. Aber wenn ihr beide ein Eis esst, will ich auch eins! Aber ich will doch kein Eis essen!“ Unlösbares Problem.

Auch nach dem 3. Buch war er immer noch untröstlich und hat bitterlich geweint. Also haben wir das Licht ausgemacht und gekuschelt. Er sagte dann „Ich bin nicht mehr dein Kind“ (letztes Jahr war es immer das deutlich weniger schlimme: „Mama, du bist nicht mehr mein Bruder!“) und „ich will dich nicht mehr sehen!“. Ich habe ihn gefragt, ob ich ihn hier allein lassen soll „Nein, du sollst hier bleiben!“ Er hat vor Wut und Verzweiflung um sich geschlagen und gebrüllt, aber es war ihm so wichtig, dass ich bei ihm bleibe – auch wenn er mich eigentlich nicht sehen wollte – die keine Dampfnudeln kochende, Nudel schneidende und falsches Eis kaufende Mama.

An Schlafen war nicht zu denken, er konnte sich einfach nicht beruhigen.

Wie hättet ihr nun weiter gemacht?

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

2 Gedanken zu „Nachtrag: Auch ein 5 jähriger hat ein schwieriges Leben

  1. Wie wäre es beim eisproblem zu zaubern? Und die sandform-eiswaffel zu holen, schnell auszuspülen und eine Kugel Eis dahin ein zu tun? (Wenn es natürlich dann trotzdem das falsche Eis ist, weil es ja kein nickierdbeere wird, nur weil es in einer pinken Waffel ist, hilft zaubern leider nicht)
    Dann weiter im Zimmer bleiben, im arm halten (wenn erwünscht), weinen aushalten, einfach nur da sein und gar nicht reden. Aber das ist ja auch von Kind zu Kind anders. Bei uns hätte vielleicht eine musikcd noch geholfen.

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