Nicht aufgeben

Ich bin zur Zeit hin- und her gerissen. Beide Klagen habe ich verloren und somit viel Geld. Wenn ich Pech habe, verliere ich die Berufung auch noch. Es bleibt also bei einem mickrigen Stundensatz von 3,98 Euro pro Stunde und das inklusive Sachkosten… Außerdem bekommen wir hier Platzprobleme, meine beiden Kinder sollen eigene Kinderzimmer bekommen – spätestens, wenn der Große in die Schule kommt. Bis 2017 muss sich also etwas verändern. 


Es gibt für mich zwei Lösungen. Entweder, ich arbeite wieder als angestellte Erzieherin im Kindergarten oder wir bauen unser Untergeschoss für viel viel Geld um und ich betreue die Tageskinder dann auf ca. 100 qm mit eigener Küche, eigenem Bad, Bewegungsraum, Schlafzimmer und einem großem Spielzimmer. Das war eigentlich immer mein Traum. Ein eigener „Kindergarten“.

Keine Frage, ich würde sicher schnell eine Stelle als Erzieherin bekommen. Auch hier werden wir gesucht. Ich habe durchgehend Berufserfahrung, viele Fortbildungen und mir macht die Arbeit großen Spaß. Ich könnte nach der Arbeit die Türe zu machen und hätte FEIERABEND. Ich könnte krank sein und würde trotzdem bezahlt werden. Ich müsste keine Rücklagen bilden, weil es völlig egal ist, ob ein Kind weg zieht oder nicht. Wir müssten uns keine Sorgen machen, ob der gesetzliche Rahmen sich ändert und ob vielleicht alle Kindergärten geschlossen werden. Das wäre eine sichere Sache.

Als Kindertagespflegeperson müssen wir bangen. Wir wissen nicht, wie es weiter geht und wie lange wir noch gebraucht und gefördert werden. Jederzeit kann sich unsere Lage verschlechtern, hier zu braucht man nur ein neues Gesetz, einen neuen Beschluss vom Jugendhilfeausschuss oder Bürgermeister, die nichts von Kindertagespflege halten und den Kindertagespflegepersonen keine Anerkennung schenken.

Dann ist es ganz schnell vorbei. Natürlich kämpfen wir um unser Recht und auch darum, dass wir weiterhin für die Kinder und ihre Familien da sein dürfen. Aber das zerrt an den Nerven und macht viel zusätzliche Arbeit.

Ich kann auf keinen Fall aufgeben. Ich kann euch auf keinen Fall im Stich lassen. Wenn ich jetzt aufgebe, dann haben sie gewonnen, dann gibt es wieder eine Kindertagespflegeperson weniger. 4 Elternpaare haben dann keine Betreuung mehr und 4 Kinder werden dann in eine Einrichtung wechseln müssen. Und was würde ich den Eltern sagen, die nach einem freien Platz fragen? „Sorry, ich arbeite jetzt wieder in einer Krippe“. Das geht nicht. Nicht nachdem ich so viel Zeit und Energie in die Sache gesteckt habe. Aufgeben ist nicht drin.

Also sitze ich hier, teile die Würzburger Petition  zum hundertsten mal und mache mir Gedanken, wie wir die Verantwortlichen überzeugen können, dass wir wichtig und richtig sind. Und dann bekomme ich von Kolleginnen die Antwort, dass sie die Petition nicht unterschreiben werden, weil sie nicht allen Punkten 100 %ig zustimmen. Wäre ja ja undenkbar schlimm, wenn alle Verbesserungsvorschläge angenommen werden würden und wir auch noch – Gott behüte – mehr Geld bekommen würden.

Unverständnis meinerseits.

Aber ich lass mich ja nicht unterkriegen. Eine Petition für den Bundestag ist schon in Arbeit. Wir müssen ganz nach oben, damit sich etwas verändert. Hier vor Ort höre ich immer, dass sie sich an die bayerischen Empfehlungen halten und dass diese im Rahmen des SGBs sind. Kein Wunder, wenn dort so schwammige Begriffe wie „leistungsgerecht“ und „laufende Geldleistung“ zu finden sind. Das wird noch mal sehr viel Arbeit… Und ich werde Hilfe brauchen. Da reichen lächerliche 600 Unterschriften nicht (und ich bin dankbar für jede einzelne!). Wir sind fast 50.000 Kindertagespflegepersonen. Wo sind die denn?! Wir brauchen jeden einzelnen. Wenn ich nicht aufgebe, dürft ihr das auch nicht!

673 Leute haben bisher DIESEN Blogeintrag gelesen. die Petition unterschrieben haben 663 Leute. Die Petition läuft seit mehreren Wochen, der Blogeintrag ist seit heute mittag online…

Link zur Petition

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

4 Gedanken zu „Nicht aufgeben

  1. Das wird nichts bringen,da wir in einem föderalistischen System leben.Versuche dieser Art,auch Petitionen,hat es bereits gegeben.
    Wir haben das alles schon durch.
    Und die erforerfordererforderliche Stimmenzahl bekommt man nicht zusammen,dafür ist das Thema viel zu speziell.Das ist hart,aber dtue Realität.

    1. Jede Petition wird durchgelesen. Und im Petitionsausschuss sitzt der Würzburger Paul Lehrieder. Und aufgeben, bevor wir es versucht haben, ist nicht drin.

      1. Getretener Quark wird breit, nicht stark. Wir haben bereits vor Jahren versucht durch eine Petition , eine breitere bundesweite Regelung zu beeinflussen.Das funktioniert aber genauso wenig wie im schulischen Bereich etc.. Bildung ist nun mal Ländersache und wir werden auch für die Kindertagespflege keine bundeseinheitliche Regelung erreichen. Es macht sehr viel mehr Sinn,die Landespolitik dahingehend zu beieinflussen.

  2. Hallo Jenny!

    Hier ist Susi aus dem Norden. Ich stehe hinter Dir und teile gerne die Petition. Google mal bitte nach dem Urteil Az. 12 A 591/14 vom OVG Nordrhein-Westfalen vom 22.8.2014. Das Jugendamt ging in Berufung und verlor. Dort stehen viele weiterer Urteile drin. Kurzfassung: JA darf (außer einigen Punkten) keine Vertragsrichtlinien zum Betreuungsvertrag geben, und nicht über Vertretung, Zuzahlung, Urlaub sowie Kündigungsfristen bestimmen – natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (Bsp.: gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist höchstens 3 Monate). Ich hoffe, es hilft Dir. Viel Glück!!!

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