Wir sitzen alle im selben Boot

Eigentlich wollte ich schreiben: Wer sich auf andere lässt, ist verlassen. Ich möchte es aber gerne positiver ausdrücken. Also: Wir sitzen alle im selben Boot. Die Wellen schlagen derzeit hoch und wir haben teilweise Angst unter zu gehen. Das werden wir nicht, wenn wir zusammen halten und uns gegenseitig unterstützen und helfen. Dafür muss aber jeder etwas tun!


Unsere Petition für die Kindertagespflegepersonen hat derzeit 287 Mitzeichner. Davon sind ungefähr 40 Mitzeichner aus Würzburg. Von diesen 40 Mitzeichnern sind ungefähr 6 Kindertagespflegepersonen. Meines Wissens müsste es ca. 60 Kindertagespflegepersonen in Würzburg geben. Was ist los mit ihnen? Wo sind sie?

5 Kollegen habe ich über Facebook erreicht (danke, das erleichtert vieles). Eine Kollegin hat unterschrieben, weil sie beim Verfassen der Petition dabei war. Wo sind die anderen 54 Kindertagespflegepersonen? Mittlerweile müssten es alle wissen (zumindest die Kolleginnen mit Internet und Emailadresse).

Ich gehe davon aus, dass einige nicht unterschreiben werden. Ich kann euch den Grund gar nicht so genau nennen, es ist wohl ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einmal bin da ICH als Hindernis. Mein Name steht drunter, ich habe die Petition initiiert, ich habe geklagt und ich habe verursacht, dass die Tagespflegepersonen aus Würzburg nun 3,98 Euro statt 3,20 Euro bekommen. Einige sind sauer auf mich, weil ich mich beschwere, weil ich einen gerechten Stundensatz möchte, mehr Anerkennung, besserer Arbeitsbedingungen und einige Verbesserungen für die Eltern.

Da wäre einmal die Angst davor, dass die Betriebskostenpauschale gekürzt werden könnte. Viele Kindertagespflegepersonen sehen dieses Geld als Gewinn, den man nicht versteuern muss und realisieren gar nicht, dass dieses Geld dafür da ist, die enormen Mehrausgaben zu decken, die einer Kindertagespflegeperson entstehen (aber dazu gibt es auch noch mal einen Blogartikel). Eine weitere Angst der Kindertagespflegepersonen ist die, etwas gegen ihren Arbeitgeber zu sagen. Ich schreibe bewusst Arbeitgeber. Hier in Würzburg fühlt man sich fast schon wie eine Angestellte, wenn man als Kindertagespflegeperson arbeitet. Und natürlich ist es immer schlecht, wenn man aufmuckt, sich wehrt, motzt und Verbesserungen haben will, die Geld und Arbeit kosten. Die Angst überflüssig zu werden, weg reduziert zu werden, zu teuer zu werden verfolgt viele Kindertagespflegepersonen. In Zeiten des enormen Krippenausbaus ist das auch verständlich. Trotzdem arbeite ich nicht für diesen miesen Stundensatz und unter so schlechten und unfairen Bedingungen!

Ich erwarte gar nicht, dass alle Kindertagespflegepersonen nun vor Gericht ziehen, das reicht, wenn ich das versuche. Aber ich erwarte, dass man mich unterstützt. Dieses mal mit einer Unterschrift, die in 2 Minuten getätigt ist. Mir kann keine Kindertagespflegeperson aus Würzburg erzählen, dass alles perfekt ist. Wir brauchen jede einzelne Unterschrift. Wir können etwas verbessern. Wenn es euch Würzburger Kindertagespflegepersonen beruhigt: Das ist die nette und liebe Tour, wir fragen, schreiben Briefe und sammeln Unterschriften von Leuten, die der gleichen Meinung sind wie wir.

Der Kreistag und der Stadtrat sind nicht unsere Sachbearbeiter. Keiner von ihnen wird uns deshalb unsere Pflegeerlaubnis entziehen, wir kennen viele von ihnen gar nicht persönlich und sie sind uns deshalb auch nicht böse. Unsere Sachbearbeiter werden von den Fördergeldern bezahlt, die sie durch unsere Kinder bekommen. Sie sollten hinter uns stehen und ich glaube auch, dass sie das auch tun. Natürlich haben sie – im Gegensatz zu uns – tatsächlich einen Arbeitgeber, den sie nicht verärgern sollten. Aber wir sind selbstständig. Wir haben eine Pflegeerlaubnis und die kann uns nur aus triftigem Grund entzogen werden und da gehört nicht die Unterschrift auf einer Petition, die die Situation für Kindertagespflegepersonen verbessert, dazu. Unser Gerbrunner Bürgermeister, ehemaliger stellvertretender Landrat, hat bereits unterschrieben, genau wir Frau Hochschwarzer vom bayerischen Landesverband und Eva Pumpurs von den Grünen (Kreistag) – vielen Dank dafür!

Ich habe gegen den Landkreis Würzburg geklagt. Ich habe mich geweigert die Betreuungsvereinbarung zu unterschreiben und ich habe im Nachhinein keinerlei Nachteile dadurch (außer, dass ich durch meine Unterschrift nun nicht mehr dagegen klagen kann). Ich habe die Betreuungsvereinbarung nun unterschrieben (das Jugendamt war da sehr kooperativ und hat sie mir mehrmals zugeschickt, weil immer etwas falsch war *hust*). Es ist mir nichts passiert. Ich betreue immer noch Kinder und werde immer noch regelmäßig von meiner netten Sachbearbeiterin, die mir nicht böse ist, besucht. Natürlich muss das Jugendamt versuchen das Geld beisammen zu halten, aber unsere Aufgabe ist es, sie zu überzeugen. Sie wissen nicht, wie ungerecht manche Regelungen sind.

Habt nicht so viel Angst, wir sind selbstständig und haben Rechte. Wir leisten gute Arbeit. Wir sind wichtig für die Kinder und die Familien!

Alleine kann eine Kindertagespflegeperson nichts erreichen. Wir müssen zusammen halten und uns gegenseitig unterstützen. Unsere Forderungen sind realistisch, nachvollziehbar und auch umsetzbar!

Gebt euch einen Ruck und unterschreibt die Petition. (Auch wenn die „Gefahr“ besteht, dass wir dann tatsächlich einen leistungsgerechteren Stundensatz bekommen :P).

Ich möchte mich auf euch verlassen können – und nicht verlassen sein! Wir sitzen alle im selben Boot und es könnte untergehen, wenn alle nur zuschauen und niemand etwas unternimmt! Wir müssen auf uns aufmerksam machen, zeigen, was wir drauf haben und wie wichtig wir sind. Steht auf und traut euch!

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

5 Gedanken zu „Wir sitzen alle im selben Boot

  1. Liebe Jenny, es gibt in Dortmund so an die 1000 (in Worten: tausend) TPP. Davon sind 57!!! Mitglied in unserem Verein Leuchtsterne – Kindertagespflege Dortmund. Verbesserung gen, die wir erkämpfen, nehmen alle gerne mit, aber Mitglied werden: nöö. Ich doch nicht! Ich habe keine Zeit! Darunter leiden auch die Gewerkschaften. Trotzdem machen wir weiter! Und werden auch Erfolg haben. Ich drück dir die Daumen und habe deine Petition fleißig geteilt.

  2. Hier ist es ähnlich, viele sagen sogar: „Wieso, ist doch ok so wie es ist“ Angst kann ich sogar irgendwie verstehen – den „Alles-ist-in-Ordnung-Satz“ überhaupt nicht.
    Habt Ihr nicht die Möglichkeit alle möglichen Bürger (Elter) aus Eurer Umgebung zu motivieren?
    Ich kann das gerne noch ein bisschen teilen, aber hilft es wenn Leute aus Aachen, Berlin und Köln unterzeichnen?

    1. Jede Unterschrift zeigt Solidarität mit uns und das brauchen wir – Verständnis von anderen. Leute, die auch sagen: „das ist so nicht okay, es muss sich was bessern!“. Kommentare sind sehr hilfreich – die kann ich alle mit ausdrucken und einreichen. Danke liebe Tine!

  3. Genau das gleiche ist auch bei uns. Unser Verein kämpft um jede TM aber wir sind immer noch ein kleines Grüppchen 😞 viele TM sehen Ihr Tätigkeit nicht als Beruf sondern nur eine Überbrückung .Es läuft nebenbei zur eigenen Kindererziehung.

  4. Liebe Jenny,
    du leistest ganz tolle Arbeit für die Kindertagespflege.Deshalb haben meine Kollegin Kerstin Becker und ich eure Petiton unterschrieben.Wir sind Mitglied und Vorsitzende
    von unserem Tagesmutterverein in Erfurt/Thüringen.Uns ärgert auch, dass wir ca.35 Mitglieder die Arbeit machen, unsere Freizeit investieren.Wir sind knapp 90 Tagesmütter in Erfurt und alle selbständig.Wir bereiten unseren 2.Tag der Kindertagespflege vor, der am 19.09.2015 sein wird.Diesmal mit einem Tag der offenen Tür bei den Tagesmüttern und Tagesvätern vor Ort.Letztes Jahr haben wir auch,wie dieses Jahr unseren OB und das Jugendamt eingeladen,die uns unterstützen.
    Es ist richtig,es gibt immer eine Hand voll, die sich Einsetzen an der richtigen Stelle,wie wir für Alle.Haben wir was Positives erreicht,bekommen es natürlich auch Alle.Bei uns sind auch Einige der irrsinnigen Auffassung, sie könnten Ärger mit dem JA bekommen!Dabei bittet uns das Amt in bestimmten Sachen um Mithilfe.Nur gemeinsam können wir etwas Bewegen!
    BUNDESWEIT ZUSAMMEN HALTEN!
    Liebe Jenny, wir wünschen Euch viel Glück,
    macht weiter so.Die Menschen können wir nicht ändern.Aber wir kämpfen weiter für eine gute Sache!
    Die Kinder sind unsere Zukunft.Sie haben ein Recht,auf gute professionelle Betreuung,Bildung und Erziehung.

    Lg.Ingrid Schütz
    Sebständige Tagesmutter aus Erfurt/Thüringen

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