Wink mit dem Zaunpfahl

Vor einigen Wochen wurde ich auf diesen Artikel zum Thema Kinderlachen bezahlt keine Miete aufmerksam gemacht. Ich habe den Artikel mit großem Interesse gelesen und konnte bei sehr vielen Punkten zustimmen. Als Erzieherin kenne ich die die Situation in Kindergärten und Krippen.


Ich dachte mir bei diesem Artikel – wie ganz oft – dass jetzt gleich die Lösung für dieses Problem genannt wird, die Kindertagespflege, aber wieder war das Rätsel für die Autoren und viele anderen zu schwer und das obwohl ich gedanklich mit dem Zaunpfahl gewunken habe, was das Zeug hält! Hier sind wir! Wir können helfen!

Faktisch wird die Gruppe von 12 Kindern unter 2 Jahren von zwei Erzieherinnen betreut. Jeweils zwei Hände für sechs Babys: wickeln, trösten, füttern, anziehen, ausziehen, schlafen legen. Wann genau soll da noch „gebildet“ werden? Und wann kann eine Erzieherin mal durchatmen?

Wir Kindertagespflegepersonen haben auch einen sehr stressigen Alltag. Wir betreuen bis zu 5 Kinder gleichzeitig, allerdings liegt die Anzahl der durchschnittlich betreuten Kindern bei 3,3. Wir können mitfühlen, warum die Erzieher mehr Geld fordern – und das tun wir auch. Wir bekommen oft nur einen Bruchteil des Erziehergehaltes. Erzieher leisten wahnsinnig viel, sie kümmern sich um das Wichtigste, das wir haben – unsere Kinder. Genau wie wir Tagespflegepersonen.

Allerdings denke ich mir jedesmal, dass die Lösung des Problems so einfach wäre. Die Situation in Krippen ist oft weder für die Erzieher angenehm noch für die Kinder. Es sind viele Kinder, es ist laut, es ist stressig und es wird wahnsinnig viel gefordert. Klar gibt es sicher auch Vorzeigekrippen mit einem guten Betreuungsschlüssel und tollen Erziehern. Aber einige Kinder brauchen etwas anderes. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit, kleinere Gruppen, mehr Familie.

Es gibt doch schon ein Betreuungssystem, dass genau den Anforderungen entspricht, die gefordert werden – außer einer besseren Ausbildung der Betreuungskräfte. Aber das könnte man leicht ändern, wenn man denn wollen würde…

Die Kindertagespflege bietet die Kleingruppen, die Flexibilität, die feste Bezugsperson, den guten Betreuungsschlüssel, das familiäre Umfeld, die kindgerechte Förderung,… Warum wird das nicht gesehen? Warum ist nun wieder im Gespräch 100 Millionen Euro in 24-Stunden-Kitas zu investieren, wenn wir doch schon genau das anbieten oder zumindest die kindgerechte Möglichkeit dafür hätten.

Keinesfall möchte ich, dass die Kindertagespflege auf Randzeiten und auf die Nachtbetreuung reduziert wird – dafür ist sie viel zu wertvoll. Aber einige meiner Kollegen bieten diese so wichtige Betreuung bereits an und das für einen so mikrigen Stundensatz, dass man nicht mal von „Lohn“ oder „Honorar“ reden kann. Kostendeckend oder gar gewinnbringend ist diese Arbeit nicht. Diese Kindertagespflegepersonen machen das aus reinster Nächstenliebe. Die Eltern und vor allem die Kinder brauchen sie. Diese 100 Millionen Euro könnte man so viel besser investieren.

Dass die Familien keine rund um die Uhr Betreuung brauchen, ist vielen klar. Sie brauchen familienfreundliche Arbeitgeber, die es Familien ermöglichen ihren Schichtdienst abzustimmen und Alleinerziehenden ermöglichen eben nicht nachts arbeiten zu müssen. Kinder gehören nachts in ihr eigenes Bett zu ihren Eltern. Die Gesellschaft fordert aber immer mehr Flexibilität von den Kleinsten. Und wenn die Kleinsten schon nicht bei Mama schlafen können, dann doch bitte bei einer Bezugsperson, die sie gut kennen, in einem zu Hause von jemanden, in einer Familie, in der sie sich angenommen und geborgen fühlen können.

Eine Über-Nacht-Betreuung in einer Einrichtung setzt nur wieder weiteres Personal voraus, das bei dem derzeitigen Fachkräftemangel nicht plötzlich hervor zu zaubern ist. Außerdem sind auch Erzieher nachts lieber zu Hause im eigenen Bett und die Kinder der Erzieher ebenfalls.

Meine Absicht ist es keinesfalls schlecht über Krippen zu reden, nein, ich möchte zum Nachdenken anregen und ich kann einfach nicht verstehen, warum man auf Biegen und Brechen versucht etwas Neues zu schaffen, wenn es doch bereits genau das gibt, was gefordert und gebraucht wird – und das so kindgerecht, wie es nur geht (und auch noch bezahlbar für Eltern und Kommunen!).

Die Kindertagespflege ist kein Notnagel und keine Randzeitenbetreuung (auch wenn wir das manchmal anbieten) – wir sind eine sehr gute Alternative zur Krippenbetreuung und als gleichwertig anzusehen!

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.