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Petition für die Kindertagespflegepersonen in Würzburg

Die Woche haben wir Würzburger Kindertagespflegepersonen eine Petition gestartet . Wir fordern, dass die Wünsche und Forderungen der Kindertagespflegepersonen ernst genommen werden müssen, um für eine hochwertige, zuverlässige und kindgerechte Betreuungsmöglichkeit zu sorgen, die Familie und Beruf sehr gut vereinbaren lässt.


Wir brauchen die Unterstützung für die Kindertagespflegepersonen in Würzburg. Wie in ganz Deutschland, kämpfen auch sie (Tagesmütter aus Stadt/ Landkreis Würzburg), um mehr Anerkennung, um bessere Arbeitsbedingungen, um eine leistungsgerechte Bezahlung und um eine wirkliche Wahlfreiheit für die Eltern.

Viele Selbstständige antworten auf die Frage, was an der Selbstständigkeit das Beste ist: „die Freiheit“. Kindertagespflegepersonen sind selbstständig tätig, doch entscheiden können sie nicht selbst – sie sind vom Jugendamt „abhängig“. Von Freiheit kann hier also keine Rede sein. Das Amt nimmt den Kindertagespflegepersonen nicht nur die Entscheidung ab, den Stundensatz selbst zu bestimmen, sondern legt fest, welche Anzahl von Stunden die Eltern ihre Kinder in der Kindertagespflege betreuen („buchen“) lassen dürfen und auch den s.g. „Elternbeitrag“ setzt das Jugendamt fest. Eine Kindertagespflegeperson muss, nach Aussagen der Jugendämter, ein „gesichertes Einkommen“ haben, um diese Arbeit ausführen zu können. Mit anderen Worten: Sie braucht einen Partner, der genug verdient, um die Tätigkeit als Tagesmutter mit finanzieren zu können.

Selbstständige sind selbst für ihr finanzielles Risiko verantwortlich. Jeder Selbstständige kann seinen Stundensatz selbst bestimmen und auch die Anzahl der Aufträge frei wählen. Eine Kindertagespflegeperson kann dies nicht. Sie bekommt ihr Geld ausschließlich vom Jugendamt, sie darf höchstens 5 Kinder gleichzeitig betreuen, 8 Betreuungsverträge maximal. Ein wirtschaftliches Arbeiten ist nicht möglich. Derzeit ist es fast nicht möglich auf den geltenden Mindestlohn für Angestellte von 8,50 Euro zu kommen. Von wegen selbstständig – von wegen Freiheit!

Bewusst entscheiden sich viele Eltern ihre Kinder in Kindertagespflege betreuen zu lassen. Sie schätzen die individuelle Betreuung in einem Nest der Geborgenheit, womit ihre Kinder genau das bekommen, was sie brauchen um sich gut zu entwickeln. Auch Experten sind sich einig, dass sich die kleine Gruppe, die feste Bezugsperson und das familiäre Umfeld sehr förderlich auf die Entwicklung der Kleinstkinder auswirken. Die Eltern profitieren von den flexibleren Betreuungszeiten, die gute Erziehungspartnerschaft mit der Kindertagespflegeperson und der Möglichkeit die Person, die auf ihr Kind aufpassen wird, im Vorfeld gezielt und persönlich aussuchen zu können.

Die Zeiten, in denen eine Tagesmutter die Nachbarskinder neben ihren eigenen betreut, sind vorbei. Die Kindertagespflege ist mit der institutionellen Betreuung (Krippe/Kita) seit in Kraft treten des Rechtsanspruches gleichgestellt – leider nur soweit, dass Eltern nicht klagen können, wenn sie mal wieder keinen Betreuungsplatz ums Eck gefunden haben. Die Kindertagespflegepersonen arbeiten ebenfalls nach dem bayerischen Kinderbildungs- und Erziehungsplan und haben alle ein pädagogisches Konzept. Die Kinder werden altersentsprechend in ihrer Entwicklung gefördert und unterstützt. Die Kindertagespflegepersonen erwarten, genau wie die Erzieher, einen angemessenen/ leistungsgerechten Stundensatz, der es ihnen ermöglicht, nicht nur von dieser Arbeit leben zu können, sondern auch Rücklagen zu bilden. Nur so ist es möglich, dass sie diese wertvolle Arbeit als Kindertagespflegeperson langfristiges ausführen können.

Die Eltern müssen die Wahlfreiheit zwischen der institutionellen Betreuung in der Krippe und der familiären Betreuung bei der „Tagesmutter“ (Kindertagespflegeperson) haben.

Allerdings wird die Kindertagespflege durch die vielen Vorschriften, Einschränkung der Buchungszeiten, höhere Elternbeiträge, teilweise nicht gut funktionierende Vertretungssysteme, etc. geschwächt und deshalb kann auch nicht mehr von einer s.g. Wahlfreiheit der Eltern gesprochen werden. Es ist unverständlich, warum eine so gute Form der Kinderbetreuung so schlecht gestellt wird. Wir brauchen Ihre Unterstützung um „Würzburg“ zu zeigen, wie wichtig und vor allem wertvoll die Kindertagespflege ist!

Unsere Kinder sind uns das Wichtigste in unserm Leben – unsere Kinder sind unsere Zukunft! Warum also nicht in die Zukunft („Kindertagespflege“) investieren!?

Deshalb fordern die Kindertagespflegepersonen in Würzburg:

• Die Bedürfnisse der Familien müssen ernst genommen werden, insbesondere im Hinblick auf die gewünschten Buchungszeiten und die Elternbeiträge. Es gibt derzeit nicht genug Kindertagespflegepersonen um allen Nachfragen gerecht zu werden – was sich bei besseren Rahmenbedingungen für die Kindertagespflegeperson sicherlich ändern würde.

• Ein wirkliches Wahlrecht für die Eltern: Derzeit ist das Wahlrecht für Eltern sehr eingeschränkt, weil es 1. zu wenige Kindertagespflegepersonen gibt, die sich bereit erklären für diesen sehr geringen Stundensatz Kinder zu betreuen, es 2. nicht flächendeckend eine verlässliche und vertraute Vertretungsregelung gibt und 3. die Kinder, die in Kindertagespflege betreut werden, oft Schwierigkeiten haben, einen Kindergartenplatz ab 3 Jahren zu bekommen, weil sie vorher nicht in einer Kita waren.

• Eine alterssichernde, existenzsichernde und leistungsgerechte Bezahlung: Die Kindertagespflegepersonen brauchen eine leistungsgerechte Bezahlung. Sie stellen gegegenüber den „Einrichtungen (Krippe/Kita)“ ihre privaten Räumlichkeiten zur Verfügung, die den Ämtern/Staat keine Unkosten bringt ­ eine Einrichtung kostet dem Staat mehrere 1.000.000 Euro.

Nach einer Berechnung, ist für eine leistungsgerechte Bezahlung ein Stundensatz (inkl. Förderleistung und Sachkosten) von 5,46 Euro pro Kind und Stunde nötig um später nicht in die Altersarmut zu rutschen. Außerdem bitten wir Sie, die Stundensätze jährlich der Preissteigerungsrate anzupassen und jährlich zu dynamisieren. Es ist auch notwendig Vor­ und Nachbereitungszeiten zu vergüten.

• Verlässliche Vertretungsregelungen: Alle Kindertagespflegepersonen in Stadt und Landkreis Würzburg brauchen eine verlässliche und machbare Lösung für die Ausfallzeiten. Die Vertretung sollte den Kindern vertraut sein. Die Bezahlung der Ersatzbetreuung sollte für die Bereitschaft und die hohe Flexibilität mindestens der Bezahlung der Kindertagespflegepersonen entsprechen. Außerdem ist es wünschenswert, dass die Ersatzbetreuung einen festen Vertrag mit dem Jugendamt bekommt um eine Planungssicherheit und eine finanzielle Sicherheit zu haben.

• Kinder über 3 Jahre und Randzeitenbetreuung: Es ist unabdingbar, dass auch Kinder, die während der Betreuung durch die Kindertagespflegeperson ihr 3. Lebensjahr vollenden, auch weiterhin mit dem bisherigem Stundensatz gefördert werden. Meist bekommen die Kinder nicht genau an ihrem 3. Geburtstag den Kindergartenplatz. Die Kindertagespflegeperson wäre aus wirtschaftlicher Sicht gezwungen die Betreuung zu beenden, dies aus menschlicher Sicht jedoch nicht macht und somit mit einer weiteren finanziellen Einbuße leben muss. Für Kindergartenkinder und Schulkinder wäre es sinnvoll einen erhöhten Stundensatz zu zahlen, da diese Kinder oft nur stundenweise zu Randzeiten betreut werden und sich diese Stunden für die Kindertagespflegeperson sonst in keinster Weise rentieren würde.

Kindertagespflegepersonen bieten oftmals auch Randzeitenbetreuung an – als einzige Institution. Viele Eltern (Verkauf, Schichtdienst, etc.) sind mittlerweile auf die so genannte Randzeitenbetreuung dringendst angewiesen. Gäbe es diese Form der Betreuung nicht oder nicht mehr, so wäre es das Aus für ihre Job ́s.

• Keine Begrenzung der Buchungszeiten: Die Eltern wollen frei entscheiden können, wie lange sie ihre Kinder betreuen lassen möchten und wollen nicht gezwungen werden die Betreuungszeiten bei z.B. Geburt eines Geschwisterchens reduzieren zu müssen. Hier hätte die Kindertagespflegeperson wieder mit einer finanziellen Einbuße zu rechnen. In Kitas gibt es keine Begrenzung der Buchungszeiten. Im Zuge der Gleichstellung sollte es hier keine Einschränkung geben!

• Essensgeld: Zahlungen an die Kindertagespflegepersonen ist verboten. Das bedeutet, dass die Fachkräfte für Kindertagespflege, die Geld und Arbeit in ein gutes, vollwertiges Essen investieren, am Schluss weniger Geld übrig haben. In Kitas wird das Essen auch extra gezahlt. Eine gute Lösung wäre, wenn die Kindertagespflegepersonen, die selbst kochen, dieses Geld vom Jugendamt zusätzlich bekommen würden. Hier ein positives Beispiel aus der Göttinger Satzung für Kindertagespflege:„Für die Bereitstellung einer Hauptmahlzeit (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) in der Tagespflegestelle außerhalb des Elternhauses wird der Tagespflegeperson je Mahlzeit eine Verpflegungspauschale gewährt.„ Frühstück: 1,40 Euro, Mittagessen: 2,45 Euro,[…]“

Anzumerken ist, dass ein warmes, kindgerechtes Mittagessen ebenfalls wichtig für die Entwicklung des Kindes ist.

• Keine Einschränkung der Selbstständigkeit durch die Jugendämter: Wir sind nicht damit einverstanden, dass eine Kindertagespflegeperson nur dann die Fördergelder für die Kinder bekommt, wenn Sie einen Vertrag mit dem Jugendamt unterschreibt, der sie deutlich in ihren Rechten als selbstständige Kindertagespflegeperson einschränkt. So ist es ihr z. B. nach dieser Unterschrift nicht möglich rechtlich gegen diesen nicht leistungsgerechten Stundensatz vorzugehen.

• Elternbeiträge: (Quelle: Bundestagsdrucksache 16/9299 S. 22)„[…] Daher wird der reale Anteil der Eltern an der Finanzierung entsprechend den Auswertungen der amtlichen Kinder­ und Jugendhilfestatistik auf 15 Prozent festgelegt.“ Eine Kindertagespflegeperson bekommt in Stadt und Landkreis Würzburg für eine 40-Stunden­Woche insg. 690 Euro im Monat. 15 % von diesen 690 Euro ergeben 103,50 Euro. Der Elternanteil dürfte also statt derzeitigen 220 Euro nur 103,50 Euro betragen. Bei einem Elternbeitrag von 220 Euro wäre für die Kindertagespflegeperson ein Tagespflegentgelt pro Kind von 1.466,67 Euro fällig (8,48 Euro pro Stunde und Kind). Um das Wahlrecht der Eltern nicht einzuschränken, ist es unerlässlich die Kosten für die Kita und die Kindertagespflege in Stadt und Landkreis Würzburg anzugleichen.

Die Kindertagespflegepersonen haben der Stadt und dem Landkreis Würzburg (Jugendhilfeausschuss) bereits genaue Beschreibungen der Probleme und Lösungsansätze zukommen lassen.

Jetzt liegt es an Ihnen, uns mit Ihren Unterschriften zu unterstützen. Kindertagespflege ist eine wichtige Säule im Bereich der Kinderbetreuung und mittlerweile ein fester Bestandteil für viele Familien – auch über die Zeit der Betreuung hinaus. Helft uns diese so wichtige Säule zu stärken um somit die Kindertagespflege und die Kindertagespflegepersonen aufzuwerten.

https://www.change.org/p/jugendhilfeausschuss-der-stadt-und-des-landkreises-w%C3%BCrzburg-herrn-landrat-eberhard-nu%C3%9F-herrn-oberb%C3%BCrgermeister-christian-schuchardt-die-w%C3%BCnsche-und-forderungen-der-kindertagespflegepersonen-m%C3%BCssen-ernst-genommen-werden-um-f%C3%BCr-eine-hochwertige-zuverl%C3%A4?just_created=true

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.