Gedanken zur 2. Verhandlung

Heute fand meine 2. Verhandlung gegen die Stadt Würzburg, wegen nicht leistungsgerechter Bezahlung und Zuzahlungsverbot statt. Bei molligen 33 Grad im Schatten sitze ich nun hier und habe Angst vor dem Urteil, das uns morgen erwartet. Die Chancen stehen nicht allzu gut… Im Recht bin ich, ganz klar. Aber ob ich Recht bekomme ist sehr fraglich.


Am 15.01.15 fand bereits meine 1. Verhandlung gegen den Landkreis Würzburg statt. Wir Tagespflegepersonen bekamen damals genau 3 Euro für Sachkosten und Förderleistung – alles inklusive. Viel zu wenig, wie viele von euch wissen. Also habe ich Widerspruch gegen den Bescheid, den ich erhalten habe, eingereicht. Allerdings stellte sich im Nachhinein heraus, dass nicht alles ein Bescheid ist, wo Bescheid drauf steht. Auch eine Rechtshilfebelehrung hilft nicht weiter. Der Richter urteilte: Kein Bescheid. Wo kein Bescheid ist, kann also auch nicht dagegen geklagt werden. Soweit so (un)gut.

In Würzburg ist es so, dass man eine Betreuungsvereinbarung mit dem Jugendamt unterschreiben muss. Diese ist nachteilig für uns Kindertagespflegepersonen. Ohne diese Unterschrift gibt es keine Förderung.

Auch eine Unterschrift „mit Vorbehalt“ wird nicht akzeptiert. Als letzte Möglichkeit sah ich nun den unveränderten Vertrag unterhalb der Unterschrift mit einem Zusatz zu versehen. Und zwar: Ich fühle mich gezwungen, diesen Vertrag zu unterschreiben, weil ich auf die finanzielle Förderung angewiesen bin“.

Der Landkreis ist da sehr fair und unterschreibt keinen Vertrag, der „sittenwidrig“ unterschrieben worden ist, also unter Zwang. Ich habe also jetzt einen Brief bekommen, mit der Aufforderung die Vereinbarung jetzt bitte ohne Zusätze, ohne Veränderungen und auch ohne Zwang zu unterschreiben.

Ich werde also nun aus völlig freien Stücken und überhaupt kein bisschen gezwungen diese Vereinbarung unterschreiben.

Bei der Stadt ist die Situation ähnlich. Ich habe einen Vertrag mit der Stadt und zeitgleich mit den Eltern. In diesem Vertag ist alles geregelt, eine Satzung gibt es nicht. Mit meiner Unterschrift habe ich also auch akzeptiert, dass ich so schlecht bezahlt werde. Einen Bescheid gab es auch hier nicht. Dagegen kann ich also nicht klagen. Gegen den Vertrag auch nicht, den habe ich ja unterschrieben. Wenn ich ihn nicht unterschrieben hätte, würde ich kein Geld bekommen und hätte natürlich ebenfalls keine Klagegrundlage.

So sieht die Situation derzeit aus. Ziemlich verzwickt.

Allerdings durften wir vor Gericht unsere Argumente vortragen und ich finde, die sind gut! 3,20 Euro + 3,20 Euro sind nicht Mindestlohn, wie die Beraterfrau vom Jugendamt sagt.

Und ja, ich bin Erzieherin und erniedrige mich diese unterbezahlte, unqualifizierte Arbeit zu tun. „Jeder Depp“ (sorry Kollegen) kann diese 100 Qualistunden absolvieren. Dafür muss man keine Erzieherin sein und ich kann keinesfalls erwarten, wie eine bezahlt zu werden. So oder so ähnlich der Wortlaut der Gegenseite.

Mein Argument war, dass die Kindertagespflegeperson, die auf die Kinder der Stadtangestellten aufpasst, sehr wohl als Erzieherin angestellt und auch bezahlt wird. Geht also doch.

Außerdem möchte ich, dass alle Tagespflegepersonen in Würzburg ein gerechtes Einkommen erzielen können. Gerecht bedeutet in unserem Fall, dass die Mehrheit der Tagespflegepersonen ein existenzsicherndes Einkommen erzielen können. Also ab 3,3 Kindern.

Die Damen vom Jugendamt argumentierten immer, dass wir nicht wollen, dass die Kindertagespflege teurer wird und sie nicht wollen, dass die Eltern mehr zahlen müssen. Deshalb sind Zuzahlungen verboten. Ich möchte aber nur, dass ich von meinem 50 Stunden Job leben kann und möchte eigentlich auch keine Zuzahlungen nehmen müssen. Allerdings kosten die Krippen hier bei uns allein 20 Euro Elternbeitrag + 50 Euro Essensgeld mehr. Also ist da schon noch Spielraum. Und wenn das Jugendamt nicht möchte, dass wir Zuzahlungen nehmen, dann sollen sie uns bitte gerecht bezahlen.

Das Urteil gibt es morgen vormittag. Ich bin gespannt. Allerdings habe ich wenig Hoffnung. Ich habe ja, wie schon gesagt, die Vereinbarung unterschrieben und somit akzeptiert, dass ich so mies bezahlt werde. Zum Glück stand da nichts schlimmeres im Vertrag wie „zerkratze jede Woche ein Auto“ – ich habe ja gelernt: Alles, was man unterschreibt und akzeptiert, ist okay.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

2 Gedanken zu „Gedanken zur 2. Verhandlung

  1. Ich kann dich absolut verstehen und drücke die Daumen, daß du Erfolg hast.
    Lustig ist, daß letztes Jahr bei uns die AWO-Erzieher gestreikt haben von wegen zu wenig Geld, zu wenig Urlaub usw. Als die Erzieherin meiner Tochter mich ansprach und sich für mein Verständnis bedankte, snid mir die Pferde durchgegangen und ich habe ihr erklärt, für welchen Stundenlohn ich arbeite für die gleiche Arbeit und als sie meinte, ich hätte mir das ja schliesslich ausgesucht, konnte ich ihr nur sagen, daß sie ja schliesslich auch keiner gezwwungen hat, AWO-Verträge zu unterschreiben und dass unsere Arbeitsbedingungen auch nciht okay sind, wir aber nicht streiken können wegen unserer Scheinselbständigkeit – Hurra…
    Also in diesem Sinne drrück ich die Daumen noch mal gaaaanz feste….

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