Aufwertung bitte auch für die Kindertagespflege

Alle Blicke sind derzeit auf die streikenden Erzieher gerichtet und das gesamte Bildungssystem wird in Frage gestellt. Die frühkindliche Bildung ist unumstritten fundamental für die weitere Laufbahn eines Kindes. Da Kleinkinder seit 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben, werden mittlerweile 33,1 % (Quelle Main-Post Artikel vom 22.02.15) der Kinder ab dem 2. Lebensjahr fremdbetreut und das oft Vollzeit. Realistisch ausgedrückt bedeutet das, dass so manch ein Kleinkind mehr Zeit mit seiner Betreuungsperson verbringt als mit seinen Eltern. Nun ist die Frage, wie wichtig diese gute Betreuung ist und was sie kosten darf.


Jede Mutter und jeder Vater wird bestätigen, dass es nichts Wichtigeres auf der Welt gibt als das eigene Kind. Es ist auch keine Frage, dass dieses über alles geliebte Kind die bestmöglichste Ausbildung erhalten soll, am Besten soll es Abi machen und einen toll bezahlten Job bekommen. Dieser Grundstein wird bereits in den ersten Lebensjahren des Kindes gelegt. So schnell wie in den ersten 3 Lebensjahren lernt ein Kind nie wieder. Diese Jahre sind also die Basis. Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, können ihren Kindern alles bieten, was ein Kind braucht um sich gesund zu entwickeln. Der Betreuungsschlüssel liegt zu Hause oft bei 1:1 – also beste Voraussetzungen um ein Kind altersentsprechend und spielerisch zu fördern. Nun ist es vielen Eltern nicht möglich ihr Kind zu Hause zu betreuen. Man müsste doch denken, dass Eltern ALLES tun, um die bestmöglichste Betreuung zu ermöglichen. Dazu gehören ein guter Betreuungsschlüssel (für unter 3 jährige wird ein Schlüssel von 1:3 empfohlen), kleine Gruppen und natürlich motiviertes, liebevolles und engagiertes Betreuungspersonal – das zuverlässig für die Kinder da ist.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten sein Kind betreuen zu lassen. Es gibt einmal die Kindertagesstätten mit den Krippen für unter 3 jährige Kinder und es gibt die Kindertagespflege, die leider ganz oft schlichtweg vergessen wird. Diese beiden Betreuungsformen sind vor dem Gesetz gleichrangig – von der Betreuungsform her sind diese Möglichkeiten aber sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite steht die familäre, indiviuelle Betreuung bei einer Kindertagespflegeperson und auf der anderen Seite die institutionelle und sehr professionelle Krippenbetreuung.

Derzeit kämpfen die Erzieher aus den Einrichtungen für eine Aufwertung ihrer Arbeit und um mehr Geld – womit sie völlig Recht haben. Wir zahlen den Leuten, die auf unser Geld aufpassen mehr als denen, die auf unsere Kinder aufpassen. Nur sollten uns die Kinder deutlich wichtiger sein. Eine Kindertagespflegeperson betreut im Durchschnitt 3,7 Kinder. Sie kann also im Monat ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen (brutto) von 1 440,22 Euro erzielen. Die Erzieher bekommen, wenn sie nach Tvöd bezahlt werden, derzeit 2366 Euro auf niedrigster Stufe. Sie haben also sehr wohl einen Grund sich zu beschweren. Sie passen auf das Wichtigste auf, das wir haben und sie tun das mit so viel Engagement, so viel Kreativität und mittlerweile auch mit so viel Bindungsarbeit, dass dieses Gehalt nicht mehr angemessen ist.

Die Kindertagespflegepersonen leisten jeden Tag genau das gleiche wie eine Erzieherin in der Krippe. Sie fördern die Kinder nach dem Bildungs- und Erziehungsplan, sie bieten ihnen Nähe, Geborgenheit, Anregungen um die Welt zu verstehen, beobachten die Entwicklung der Kinder und noch vieles mehr.

Eine Aufwertung ist also nicht nur für die Erzieher unerlässlich! Auch die Kindertagespflegepersonen brauchen eine bessere Bezahlung. Sie sind im Vergleich zu den Erziehern selbstständig und müssen so sämtliche Rücklagen davon bilden können. Wir erhalten noch weniger Anerkennung als eine Erzieherin. Einerseits, weil wir lediglich 160 Stunden Qualifikationskurs durchlaufen müssen um „Tagesmutter“ zu werden und andererseits, weil wir zu Hause betreuen und so niemand sieht, wie qualitativ hochwertig unsere Arbeit tatsächlich ist. Eine Aufwertung ist auch für uns so wichtig. Das kompetenzorientierte Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege könnte bei richtiger Durchführung ein Schritt in die richtige Richtung sein. Hier sollen bereits 300 Stunden, statt bisher 160, Vorraussetzung dafür sein, dass man als Kindertagespflegeperson arbeiten darf.

Infoblatt Bundesprogramm Kindertagespflege

Schreiben an Verteiler zum Bundesprogramm KTP (3)

Die Regionalgruppe Mainfranken der Berufsvereinigung für Kindertagespflegepersonen e. V. kämpft aktuell für bessere Arbeitsbedingungen der Kindertagespflegepersonen in Würzburg. Kämpfen ist hier auch der richtige Ausdruck. Es ist wahnsinnig aufwendig und schwierig unsere Informationen an die richtigen Leute weiterzuleiten. Wir müssen überzeugen. Positive Öffentlichkeitsarbeit ist das A und O.

Wir haben bereits an die Jugendhilfeausschüsse von Stadt und Landkreis geschrieben und mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung gebeten. Wir schreiben regelmäßig an die örtlichen Zeitungen und veröffentlichen Artikel über unsere Arbeit. Wir sprechen mit den örtlichen Politikern und bringen ihnen unsere Arbeit näher. Außerdem sind wir auf Festen und Feiern vertreten und informieren die Eltern über unsere wertvolle Arbeit, wir schreiben Experten an und bitten um positive Statements zur Kindertagespflege, usw.

Wir sind der Meinung, dass die Kinderbetreuungsbranche komplett überdacht und aufgewertet werden muss. Es ist nötig, die Leute zu informieren, wie wichtig die hochwertige frühkindliche Betreuung ist. Und hier sind wir an der Reihe. Wenn wir wollen, dass wir eine bessere Stellung in der Kinderbetreuung bekommen, dann müssen wir auch etwas dafür tun. Wir leisten gute Arbeit, wir sind unerlässlich für Familien und so wichtig für die Kinder.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.