Auf hoher See… – mein Risiko

Heute der (hoffentlich) letzte Artikel zum Thema abgewiesene Klagen. Ich habe die Nase voll und möchte damit abschließen.


Im Frühling 2013 habe ich angefangen Widersprüche gegen „Bescheide“ loszuschicken und Ende Juli 2014 habe ich Klage eingereicht. Anscheinend war meine Begründung für die Widersprüche schlüssig und die Angst vor einer Klage groß. Das Jugendamt des Landkreises hat Anfang Juli 2014 das Tagespflegeentgelt von 3,00 Euro auf 3,98 Euro erhöht.

Die Stadt hat zum 1.1.15 ihren Satz von 3,20 Euro auf 3,98 Euro erhöht. Die Begründung:

Die einschlägigen Urteile zu diesem Thema lassen zwischenzeitlich den Schluss zu, dass sämtliche Beträge unter ca. 3,90 € die Stunde als nicht leistungsgerecht angesehen und im Falle einer verwaltungsgerichtlichen Überprüfung beanstandet werden würden.

Zudem steigen die Kosten für die Tagesmütter aufgrund von Bundessozialgerichtsurteilen und durch Klagen, von denen auch eine bei uns anhängig ist, an.

Eine Kindertagespflegeperson in Würzburg bekommt also seit Januar 2015 pro Landkreiskind (173 Stunden) 170 Euro mehr pro Monat (die Zeit davor lassen wir mal außen vor). Seit Dezember 2014 bekomme ich kein Geld mehr für die Landkreiskinder, weil ich nicht bereit dazu war die Betreuungsvereinbarung zu unterschrieben, weil ich sonst keine Möglichkeit gehabt hätte, dagegen zu klagen – und meiner Meinung nach sind 3,98 Euro immer noch nicht leistungsgerecht. Der Richter hat dies anders gesehen und geurteilt, dass die Betreuungsvereinbarungen Bedingung für die Fördergelder sein können und dass es ohne Unterschrift kein Geld gibt.

Mir werden an die 1000 Euro für die verlorene Klage entstehen (leider hatte ich da noch keine Rechtschutzversicherung). Außerdem der Wegfall des Betreuungsgeldes von Dezember bis einschließlich Juli 2015 für 2 Kinder (den Elternbeitrag und Essensgeld habe ich erhalten). Das ergibt dann: 8 Monate x 445 Euro x 2 Kinder = 7.120 Euro, die ich nicht bekommen habe, obwohl ich die Kinder betreut habe, dazu kommen noch die ca. 1000 Euro, die mir die Anwältin kostet (ich hoffe sehr, dass es nicht 1000 Euro sind).

Wir sind also bei ca. 8000 Euro, die mich diese Sache gekostet hat – und ich muss sagen, es war es mir wert. Auch wenn ich verloren habe, bin ich dennoch überzeugt, dass ich im Recht bin und war und dass ich viele von euch erreicht und hoffentlich auch ermutigt habe.

Die Tagespflegepersonen aus Würzburg, die nicht geklagt haben, haben nun von Dezember bis einschließlich Juli pro Vollzeitkind 1360 Euro mehr bekommen. Bei den durchschnittlichen 3,3 Kindern, die eine Würzburger Tagesmutter betreut, sind das 4.488 Euro und bei mind. 30 Tagespflegepersonen im Landkreis ergibt das 134.640 Euro, die sie seit dem mehr bekommen haben.

Ein großer Gewinn für alle – nur nicht für mich, weil ich den Kopf hingehalten habe und versucht habe, das Beste rauszuholen. Trotz Einsicht der Jugendämter, dass die alte Geldleistung nicht leistungsgerecht war, hat der Richter mir nicht Recht gegeben. WENN das, wogegen ich geklagt habe, tatsächlich ein Bescheid gewesen wäre, hätte ich gewonnen und wäre nun mit einer Nachzahlung von mind. (12 Monate x 170 Euro) 2000 Euro heim gekommen.

Vor Gericht und auf hoher See

ist man in Gottes Hand…

Da ich kein sehr gläubiger Mensch bin und nicht glaube, dass dies Gottes Wille ist, werde ich weiter um eine leistungsgerechte Bezahlung (und alles, was sonst noch so falsch läuft) kämpfen.

So, viel besser fühle ich mich nach diesen Überlegungen nicht :D. Aber jetzt habe ich wenigstens meine Gedanken geordnet. Danke fürs Zulesen.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.