24-Stunden-Kitas – brauchen wir nicht

100 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in die 24-Stunden Kitas fließen. 100 Millionen Euro um etwas zu schaffen, was es bereits schon gibt und zwar in kindgerechter Form – die Kindertagespflege. 45 000 Fachkräfte für Kindertagespflege betreuen in Deutschland 148.000 Kinder. Viele dieser Eltern haben jetzt schon die Möglichkeit flexibel zu arbeiten. Konferenzen am Nachmittag und Abend sind kein Problem, Frühdienst wird von vielen Kindertagespflegepersonen möglich gemacht und sogar Nachtschichten sind kein Ding der Unmöglichkeit.
Familien brauchen keine 24 Stunden Kitas, sie brauchen die Nächte daheim mit ihren Kindern, sie brauchen flexible Arbeitgeber, mit denen man die Dienste absprechen kann, sie brauchen familienfreundliche Arbeitgeber, die nicht verlangen, dass eine alleinerziehende Mutter Nachts arbeitet.
Die 45.000 Fachkräfte für Kindertagespflege bieten bereits jetzt das, was Familien brauchen. Eine individuelle und flexible Betreuung in einer Famillie. Es müssen nicht weitere Millionen Euro in den quantitativen Ausbau der Kitas fließen, wenn es bereits die Strukturen für die Lösung des Problemes gibt.
Wer lässt sein Kind gerne in einer Institution schlafen, in der das Personal auch eher unfreiwillig die Nachtschicht übernimmt. (Das produziert übrigens noch mehr Kinder, die eine Nachtbetreuung brauchen).
Wie die Regierung das Problem mit dem Fachkräftemangel lösen möchte, ist fraglich. Derzeit gibt es schon zu wenig Personal und zu wenig finanzielle Mittel um einen guten Betreuungsschlüssel von 1:3 in einer Krippengruppe einzuhalten. In der Kindertagespflege liegt der Betreuungsschlüssel durchschnittlich bei 1:3,3
Jetzt werden weitere 100 Millionen Euro für ein Massenausbau investiert, wo doch die Lösung so nahe liegt. Es gibt sie bereits und die Familien schätzen sie.
Bitte, liebe Regierung, setzt die Gelder sinnvoll ein. Wir brauchen kindgerechte und familienfreundliche Lösungen, wir brauchen einen hohe Betreuungsqualität und vor allem Geborgenheit für unsere Kleinsten. Experten wissen bereits, dass die Kindertagespflege eine sehr gute Möglichkeit der Kinderbetreuung ist.
Investiert das Geld in die Kindertagespflege und macht diese Arbeit attraktiver und lukrativer. Die Ressourcen sind da – nutzt sie doch sinnvoll.


Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

3 Gedanken zu „24-Stunden-Kitas – brauchen wir nicht

  1. Ganz außer Acht gelassen dabei ist das große,entscheidende Thema Bindung..wie soll ein Kleinkind noch bei 24 Std Betreuungsangebot und wechselnder Tageszeitunterbringung deren Eltern im Schichtdienst arbeiten,einen normalen Tagesablauf kennen lernen? Wo bleiben die gleichbleibenden Strukturen die den Kleinsten die nötige Ruhe,Sicherheit und den sicheren Hafen bieten?Das vertraute Gesicht e i n e r festen Bindungsperson in der 24 Std Betreuungsform??Jeder der eine 24 Stunden Krippenbetreuung befürwortet, hat sich nicht intensiv mit Forschungsstudien zum Thema Bindung beschäftigt.-„Bindung ist eine Frage der Qualität zwischen 2 Menschen“ Zitat eines grade heute besuchten Fachtages von Herrn Dr.Baer.Wechselnde Krippenkräfte im 24 Std Schichtdienst,dazu Springer bei Ausfallzeiten evt. noch mal Oma und Opa dazu und das alles um Arbeitgebern rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen?
    Aktuelle Forschungsstudien in Großstädten und Ballungszentren haben bereits bei mittlerweile 43 % der Kinder starke Bindungsstörungen/-defizite festgestellt.Speziell in Köln wo bereits seit Jahren 24 Std Kinderbetreuung praktiziert wird. Falscher Weg,falscher Ansatz Frau Schwesig.Kleinkinder brauchen konstante,dauerhafte,sichere Bindungen um sich zu selbstbewußten,starken,angstfreien und gefühlsfähigen Persönlichkeiten frei entwickeln zu können.Dafür ist in erster Linie die Familie,meistens die Mutter,gefordert oder nach Arbeitsstart derer eine sehr kleine Gruppenstärke in einer Betreuungsform.Erzieher fehlen schon jetzt auf dem Arbeitsmarkt, und wir sprechen z.Zeit auch deshalb bundesweit von 184.000 fehlenden Betreuungsplätzen im Krippenbereich. Wie wollen Sie dieses Problem lösen Frau Schwesig mit dem nun noch neuem Lösungsmodell der 24 Std Kita ?

    Kindertagespflege (KTPP) ist lange nicht mehr das was es anfangs war..Das aufpassen mal nebenbei,eine Nachbarschaftshilfe oder Laientheater..Wir Kindertagespflegepersonen nehmen den Bildung,Erziehung und Betreuuungsauftrag sehr ernst,viele kommen mittlerweile aus päd.Berufen.Fort- und Weiterbildungen sind selbstverständlich auch für uns um qualitativ gute Leistungen zu bringen.100 Millionen–ich träume mal ein wenig, was ich mir dafür wünschen würde für die Kindertagespflege:

    – Geld für viel viel mehr qualitativ gute Weiterbildungen und Ausbildungssysteme zur Fachkraft Frühpädagogik,Sozialassistent,Erzieher, die wir nebenberuflich meistern können

    – bundesweit eine leistungsorientierte und gerechte Vergütung (für unwissende Leser eine Tagesmutter arbeitet für 2,50 bis bestenfalls 8,00 €/Std die von den Kommunen gezahlt wird)Bundesdurchschnitt z.zT 4,00 €/Std-bitte mal langsam auf der Zunge zergehen lassen-

    – Gelder für fachliche Begleitungen,Supervisionen

    – 30 Tage bezahlten Urlaub bundesweit für jede Kindertagespflegeperson

    -Aufbau und Unterhaltung von funktionierenden Vertretungssystemen (z.b.angemietete Räume um dort durch Springer/Festanstellungen für uns die fehlende Vertretung sicher zu stellen)

    Wir haben in den letzten Jahren seit dem Zuge des Krippenausbaus und Anrecht der Eltern auf einen Betreuungsplatzes, massive finanzielle Einbußen hinnehmen müssen,und das nicht nur weil nun viele Krippen da sind.Nein die Spielart die mit uns gespielt wird,grenzt schon an Körperverletzung..Eltern werden massiv abgeworben um diese zu füllen (Drohungen:wenn Sie jetzt nicht in die Krippe wechseln,bekommen Sie auch danach keinen Kindergartenplatz..)Freie Plätze in der KTPP werden oft verschwiegen bei Vermittlungsangeboten,es wird für die Betreungssform Kindertagespflege in den meisten Kommunen mehr Beitrag von den Eltern eingefordert als für die Krippe,wir werden mehr und mehr in die Rolle der Sonderzeiten und Lückenfüller gedrängt..Gelder die vom Bund in die Kommunen fließen um dort gerecht in die KTPP und öffentl.Einrichtungen verteilt zu werden, kommen überwiegend nur in den Ausbau und Unterhaltungskosten der Kitas an.

    Das alles und mehr macht mich mittlerweile so richtig wütend,denn diese „familiengerechte“ Politik wird ausgetragen auf unseren, aber in erster Linie auf dem Rücken der Kinder.Kinder haben ein Recht von Anfang an auf Geborgenheit,Fürsorge,eine Hand,Herz und Ohr welches immer da ist und sie stützt/liebt/beachtet/zuhört. msetzbar in 24 Std Kitas? Nein,niemals unter den jetzigen Zuständen des Betreuungsschlüssels – aber in der Kindertagespflege !

  2. 24 Stunden Kita bedeutet nicht, dass ein Kind 24 Stunden in die Kita geht!!! – das Angebot soll und muss es geben, für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, wie zB Krankenschwestern, Altenpfleger usw. – Es gibt garnicht genug Tagesmütter, die das Angebot aufrecht erhalten könnten, zumal die Betreuungszahl dort ja auch, sinngemäßter weise, begrenzt sein muss. Aber natürlich ist Tagespflege ein wunderbares Angebot, aber alleine nicht ausreichend.

    1. Wenn ein Arbeitgeber will, dass eine Erzieherin nachts fremde Kinder betreut, dann muss er dieser Betreuungskraft eine entsprechende Bezahlung anbieten. Wenn er das nicht macht, dann stehen diese 24h-Kitas einfach leer – wegen Arbeitskräftemangel.
      Genauso könnte man die Damen in der Kindertagespflege entsprechend gut bezahlen. Die sorgen selber für ihre Qualifikation und stellen sogar die Betreuungsräume kostenlos zur Verfügung. Es muss kein Hausmeister bezahlt werden, es ist keine Köchin (oder Catering) nötig und sogar die Putzfrau kann eingespart werden. Und viele Tagesmütter bieten ganz selbstverständlich eine Betreuung auch für Kinder an, wenn die Eltern im Schichtbetrieb arbeiten müssen.

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