Festanstellung Krankheitsvertetung

Unser Antrag an den Jugendhilfeausschuss ist nun raus. Ein ganz wichtiges Anliegen ist uns die Vertretungsregelung. Einige von uns haben zwar eine Springerin, diese wird aber nur unregelmäßig und natürlich viel zu schlecht bezahlt. Unser Vorschlag ist eine Festanstellung. Dies hätte einige Vorteile für die Vertretung, die Kinder und für uns Kindertagespflegepersonen.


Wie ihr schon wisst, MUSS das Jugendamt eine Vertretungsregelung haben.

Im SGB VIII §23 findet sich folgende Regelung:

[…] Für Ausfallzeiten einer Tagespflegeperson ist rechtzeitig eine andere Betreuungsmöglichkeit für das Kind sicherzustellen. […]

Das Urteil vom Verwaltungsgericht Düsseldorf vom 17.12.2013 (19 K 6016/13) sagt aus:

[…] Damit obliegt es ihm [dem Jugendamt], im Falle des Ausfalls einer Kindertagespflegeperson für einen Ersatz/eine Vertretung zu sorgen, § 23 Abs. 4 Satz 2 SGB VIII. Diese Verpflichtung kann er nicht dadurch abwälzen, dass er die Tagespflegeperson verpflichtet, für Vertretung zu sorgen. […]

Hier ein Auszug aus dem Handbuch Kindertagespflege vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ):

4.2.2.6.1 Vertretungssystem bei Urlaub, Krankheit oder kurzfristigen Notfällen

Für Eltern ist eine Vertretungsregelung in der Kindertagespflege wichtig. Sie muss verlässlich und gut organisiert sein. Laut § 23 SGB VIII haben Eltern einen Anspruch auf Vertretung, welche das Jugendamt zu gewährleisten hat.

Die Person, die die Vertretung übernimmt, sollte den Kindern vertraut sein. Das bedeutet, dass unabhängig vom konkreten Vertretungsfall regelmäßige Treffen mit Tageskindern und der Vertretungsperson stattfinden sollten.

Häufig vertreten sich Tagesmütter gegenseitig, was allerdings nur bei geringer Kinderzahl praktikabel ist. Teilweise werden auch Vertretungskräfte eingesetzt, die den Kindern beispielsweise durch wöchentliche Spielgruppentreffen bekannt sind, oder die dank innovativer Kooperationsprojekte zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege kurzfristig aushelfen können.“

Das Modell Krankheitsvertretung muss etwas Festes und Verlässliches sein. Dieses Gefühl kann man den Eltern z. B. durch eine Festanstellung der Krankheitsvertretung vermitteln. Eine fest angestellte Person ist dazu verpflichtet im Krankheitsfall da zu sein. Sie hat feste Arbeitszeiten um die Kinder kennenzulernen und verdient mehr Geld.

Es ist sehr wichtig, dass die Krankheitsvertretung sich tatsächlich den ganzen Tag frei hält. Eine Tagesmutter betreut oft mehr als 8 Stunden am Tag Kinder. Aber damit eine Vertretung sich den ganzen Tag frei hält, ist es wichtig, ihre Arbeit auch angemessen zu vergüten. Eine Vertretung muss auch mal zu einer Tagesmutter, die im Moment nur ein Kind betreut. Sich für 3 Euro brutto die Stunde den ganzen Tag freizuhalten rentiert sich natürlich überhaupt nicht.

Ausgehend von einer Festanstellung als Kinderpflegerin ergibt sich folgende Überlegung:

Eine Krankheitsvertretung muss qualifiziert sein, also mindestens den 160 Stunden Qualifikationskurs haben. Wünschenswert sind Vertretungen, die eine pädagogische Ausbildung haben, da diese Aufgabe sehr anspruchsvoll ist. Die Krankheitsvertretung muss sehr viele Kinder kennen und sehr flexibel sein. Sie muss sehr gut auf die vielen verschiedenen Situationen reagieren können und sehr viel Einfühlungsvermögen haben. Außerdem ist es notwendig, dass sie sehr selbstständig arbeitet, da sie meist in fremder Umgebung arbeitet, mit Kindern, die sie nicht täglich sieht.

Nach TVöD – Sozial- und Erziehungsdienste trifft die Eingruppierung als Kinderpflegerin (S 3) zu.

Kinderpflegerinnen/Kinderpfleger mit staatlicher Anerkennung oder mit staatlicher Prüfung und entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Beschäftigte, die aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und ihrer Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben.“

Zutreffend wäre auch:

Erzieherinnen/Erzieher (S 6) mit staatlicher Anerkennung und entsprechender Tätigkeit sowie sonstige Beschäftigte, die aufgrund gleichwertiger Fähigkeiten und ihrer Erfahrungen entsprechende Tätigkeiten ausüben.“

Wir gehen in unserer Rechnung von einer Bezahlung als Kinderpflegerin aus. Die Tätigkeit entspricht aber eher der anspruchsvollen Aufgaben einer Erzieherin.

Ausgehend von einer 25 % Stelle (10 Stunden-Woche) als Kinderpflegerin, bezahlt nach TvÖD ergibt sich folgende Rechnung:

Monatsbeiträge

Monats-Brutto:Monats-Netto: 538.71 €420.78 €
Gesamtkosten Arbeitgeber 642,82 €

Die Krankheitsvertretung bekommt also 420 € netto im Monat dafür, dass sie wöchentlich 10 Stunden Kontaktpflege leistet. Das könnten im besten Fall vier Tagesmütter sein, die jeweils einmal die Woche für 2,5 Stunden besucht werden (oder die Krankheitsvertretung besuchen oder die Vertretung irgendwo in einem Stützpunkt treffen). Die Stelle kann auch aufgestockt werden, wenn die Vertretung mehrere Tagesmütter betreuen muss.

Gerade für Kinder unter drei Jahren ist es sehr wichtig, eine Bindung zur Vertretung aufzubauen. Das ist bei einem zweiwöchigem Treffen nicht möglich. Es ist wichtig, dass Kinder und Eltern eine gute Beziehung zur Krankheitsvertretung haben, nur so kann den Eltern deutlich gemacht werden, dass diese Person verlässlich ist. Das steigert die Zuverlässigkeit der regulären Tagesmutter und steigert das Ansehen dieses Berufes..

Niemand gibt sein Kind gerne einer fremden Frau, die zwar „qualifiziert“ ist, die aber weder Kind noch Eltern gut kennen.

Eine Krankheitsvertretung mit einer 25 % Kinderpflegestelle kostet dem Jugendamt 642,82 Euro im Monat. Derzeit bekommt eine Tagesmutter, die im Krankheitsfall eine Tagesmutter vertritt, pro Tagesmutter 64 € im Monat. Das sind bei vier Tagesmüttern 336 Euro (inkl. Kilometerpauschalen von ca. 20 Euro pro Tagesmutter). Die Vertretung ist selbstständig, hat also für diesen geringen „Lohn“ sehr viel Verwaltungsaufwand.

Mehr als vier Tagesmütter von einer Vertretung betreuen zu lassen ist nicht sinnvoll, da das Risiko zu groß ist, dass zwei Tagesmütter gleichzeitig ausfallen. Das bedeutet, dass sich die Vertretung derzeit für 336 Euro im Monat jede Woche, jeden Tag freihalten muss, um im Notfall einzuspringen. Kleine Nebenjobs kann sie nicht annehmen, weil sie sonst nicht abrufbereit ist.

Ein höherer Lohn ist also wichtig, um die Rufbereitschaft der Vertretung zu honorieren und zu gewährleisten. Außerdem zeigt die Praxis, dass derzeit keine neuen Vertretungen gefunden werden können. Die Selbstständigkeit für so wenig Arbeit schreckt viele ab.

Durch eine Festanstellung (keine Selbstständigkeit!) würden sich sicher mehr Personen finden, die zu dieser Arbeit, mit festen Arbeitszeiten, bereit wären.

Im Krankheitsfall:

Im Krankheitsfall würden die zusätzlichen Stunden als Überstunden bezahlt, nach Stunden und nicht nach Anzahl der Kinder. Überstunden werden nicht mit der Arbeitszeit verrechnet, da sonst die Kontaktpflege und somit die Kinder darunter leiden.

Ein Stundenlohn, außerhalb der 8 Stunden-Woche, beträgt nach TvÖD und meiner Rechnung 9,71 € netto.

An einem 8-Stunden-Tag, an dem die Krankheitsvertretung aushilft, bekommt sie also 77,74 Euro netto.

Für einen Krankheitsmonat (mit einer 40-Stunden-Woche) ergibt sich also ein Gehalt von:

420,78 € netto Lohn + Sprit
+ 4,33 (Wochen im Monat)
x 32 Stunden (40 Stunden Regelarbeitszeit – 8 Stunden, „Kontaktpflege“)
X 9,71 €
= 1 766,20 € netto (1621,90 € netto ist das angegebene Monatsgehalt einer Kinderpflegerin laut TvöD)

Die bisherige Regelung:

(Die Vertretung kann keine Betriebskostenpauschale absetzen – der gesamte Betrag muss versteuert werden. Außerdem müssen noch Kranken-, Rente- und Pflegeversicherung abgezogen werden)

  • 5 Kinder x 40 Stunden-Woche x 4,33 Wochen/Monat x 3 Euro/Stunde + 64 Euro Kontaktpflegegeld + ca. 20 Euro Sprit = 2 682 Euro
  • 4 Kinder: 4 Kinder x 40 Stunden-Woche x 4,33 Wochen/Monat x 3 Euro/Stunde + 64 Euro Kontaktpflegegeld + ca. 20 Euro Sprit = 2 162,40 Euro
  • 3 Kinder: 3 Kinder x 40 Stunden-Woche x 4,33 Wochen/Monat x 3 Euro/Stunde + 64 Euro Kontaktpflegegeld + ca. 20 Euro Sprit = 1 642,80 Euro
  • 2 Kinder: 2 Kinder x 40 Stunden-Woche x 4,33 Wochen/Monat x 3 Euro/Stunde + 64 Euro Kontaktpflegegeld + ca. 20 Euro Sprit = 1 123,20 Euro
  • 1 Kind: 1 Kind x 40 Stunden-Woche x 4,33 Wochen/Monat x 3 Euro/Stunde + 64 Euro Kontaktpflegegeld + ca. 20 Euro Sprit = 603,60 EuroDie Beträge sind alle brutto.

Fazit:

Ein genereller Stundenlohn ist unerlässlich. Eine Krankheitsvertretung muss festangestellt sein. Nur so ist eine Vertretung im Krankheitsfall gesichert und kann so auch nach Außen sichergestellt werden. Eine Vertretung würde sich so für ein Kind nicht rentieren, aber die Krankheitsvertretung muss sich trotzdem den ganzen Tag frei halten.

Für so wenig Geld rentiert sich eine Selbstständigkeit nicht. Es ist viel zu viel Verwaltungsaufwand.

Mit einer Festanstellung werden sich sicher auch mehr qualifizierte Personen finden, die diese Arbeit machen wollen.

Im Bild seht ihr meine Vertretung. Die Kinder lieben sie und kennen sie gut. Sie kommt einmal die Woche für mindestens 2 Stunden.

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.