Eingewöhnung – aus Sicht des Kindes

Bald fängt sie wieder an – die Zeit der Eingewöhnungen. Viele Kinder wechseln zum neuen Schuljahr in den Kindergarten und machen somit Platz für neue Kinder in Kindertagesstätten und Kindertagesfpflegestellen. Was bedeutet eine Eingewöhnung für die Kinder, für die Eltern und für uns Fachkräfte für Kindertagespflegepersonen? Auf jeden Fall eine sehr spannende und auch anstrengende Zeit.Ab September kommt ein kleiner Junge zu uns – gerade mal 5 Monate alt. Eine Eingewöhnung in diesem Alter ist kann noch recht einfach sein. Babys in diesem Alter fangen meist erst an zu fremdeln, sie lernen bekannte von unbekannten Personen zu unterscheiden. Ich hoffe natürlich, dass er noch nicht fremdelt und mich sehr schnell als Bezugsperson akzeptiert.


Schwerer wird die Eingewöhnung allerdings, wenn die Kinder schon genau wissen, wer die Mama ist und dass es auch andere Menschen gibt, die sie nicht kennen. Größere Kinder haben sich bereits fest an eine oder mehrere Bezugspersonen gebunden und müssen erst eine Beziehung zu einer weiteren Betreuungsperson aufbauen, bevor man sie dort alleine lassen kann. Das ist gut und richtig so! Die Kinder lernen durch eine behutsame und individuelle Eingewöhnung, dass sie der anderen Person auch vertrauen können, dass diese auch für sie da ist und dass sie der neuen Bezugsperson auch wichtig sind. Die Eltern können die Eingewöhnung unterstützen, indem sie dem Kind das Gefühl geben, dass die Entscheidung richtig ist. Sie finden es gut, dass das Kind von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut wird und sie verstehen sich gut mit dieser Person.

Für das Kind ist alles neu. Bisher war es immer bei Mama und Papa und auf einmal soll es in einem fremden Haus, bei einer fremden Frau (oder Mann), bei fremden Kindern und fremden Spielsachen bleiben? Außerdem in einem fremden Bett schlafen und auf einem fremden Arm in den Schlaf geschaukelt werden? Und wo ist die Mama? Warum ist sie nicht da? Mag sie mich noch? Kommt sie wieder? Weiß sie nicht, dass ich bei ihr bleiben will? Für ein so kleines Kind muss diese Situation wirklich beängstigend sein. Das Kind muss ich nicht nur an neue Personen und Räumlichkeiten gewöhnen, sondern auch noch an einen neuen Tagesrhythmus und an das Gefühl, nicht mehr bei den Eltern zu sein.

Das Gefühl muss „Ein wenig wie damals, als es noch neu war auf der Welt.“ sein, wie Susanne Mierau so treffend in ihrem Blog zum Thema Eingewöhnung schreibt.

Diese Übergangsphase vom Elternhaus zur Kindertagespflegeperson muss sehr behutsam gestaltet werden.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wird bereits von vielen Einrichtungen und Kindertagespflegepersonen angewandt und ermöglicht eine schonende und bindungsorientierte Eingewöhnung. Das Kind lernt die neue Bezugsperson die ersten Tage mit der Mutter oder dem Vater kennen. Die Eltern verhalten sich passiv und geben dem Kind so die Möglichkeit alles kennen zu lernen. Die Kindertagespflegeperson/Erzieherin versucht in dieser Zeit eine gute Bindung zu dem Kind aufzubauen. Wichtig ist, dass das Kind nicht unter Druck gesetzt wird, sondern sich selbstständig von der Mutter oder dem Vater löst um die neue Situation zu erforschen. Die neuen Spielsachen und auch die anderen Kinder sind natürlich sehr interessant und lenken am Anfang sehr gut von den Eltern ab.

Nach den ersten Tagen mit Elternteil versucht man eine erste Trennung. Nachdem die Mutter/der Vater sich verabschiedet hat, verlässt sie/er den Raum. Das Verhalten des Kindes bestimmt nun den weiteren Vorgang. Akzeptiert das Kind die Bezugsperson und lässt ich trösten, kann die Zeit der Trennung gesteigert werden. Weint das Kind und lässt ich nicht sofort wieder beruhigen, wird eine längere Eingewöhnung geplant. Die Tage zusammen mit den Eltern werden weitergeführt, bis das Kind sich wieder sicherer ist und die Eltern gehen lässt. Eine Eingewöhnung ist gelungen, wenn das Kind so viel Vertrauen zur neuen Bezugsperson aufgebaut hat, dass es sich von ihr trösten lässt.

So schön einfach gesagt, ist es aber nicht. Wenn das Kind am Tag 20 mal bitterlich anfängt zu weinen, sich aber trotzdem immer wieder ablenken bzw. trösten lässt, ist die Eingewöhnung noch nicht abgeschlossen. Das Kind fühlt sich noch nicht angekommen. Hier ist immer noch viel Beziehungsarbeit der Tagesmutter bzw. des Tagesvaters gefragt. Außerdem vielleicht eine verkürzte Buchungszeit, bis das Kind tatsächlich für eine längere Betreuung bereit ist.

Die Fachkraft für Kindertagespflege muss in der Eingewöhnung so schnell es geht lernen auf welche Situation und auf welches Bedürfnis des Kindes sie wie reagieren muss, damit das Kind sich sicher und ernst genommen fühlt. Wenn ein Kind in die Kindertagespflege kommt kann es allerdings meist nicht sprechen und teilt sich meist mit Weinen mit. Für das Kind also eine sehr anstrengende Zeit mit einer Person, die keine Ahnung hat, was das Weinen nun bedeuten könnte. Aber zum Glück ist die Mama ja noch da, die der „neuen Frau“ helfen kann.

Die Eingewöhnung ist für alle Beteiligten eine aufregende und anstrengende Zeit. Aber wenn diese schonend und ohne Druck verläuft, profitieren alle Parteien davon. Dann gibt es beruhigte Eltern, die arbeiten gehen können ohne sich Sorgen zu machen, die Kindertagespflegeperson, die das Kind nun einigermaßen kennt und weiß, was es braucht um glücklich zu sein und natürlich die Kinder, die ihre neue Bezugsperson gerne mögen und wissen, dass sie für sie da ist.

Wie immer hätte ich auch diesmal gerne eure Eingewöhnungserfahrungen. In welchem Alter fällt es den Kindern am Leichtesten und wann ist es richtig schwer?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.