Eingewöhnung – aus Sicht der Eltern

Vielen Eltern fällt das Abgeben ihres Babys oder Kleinkindes sehr schwer. Monatelang waren die Eltern die einzigen Bezugspersonen für ihr Kind, sie haben jede Minute des kleinen Lebens miterlebt und jedes weinen getröstet, jedes Lachen mitgelacht und jeden Entwicklungsschritt mit gefeiert. Die Zeit der Eingewöhnung ist für viele Eltern und Kinder also die erste Trennung voneinander. Einige Eltern freuen sich darauf wieder etwas mehr Zeit für sich und ihre Arbeit zu haben und andere trauern der gemeinsamen Zeit sehr hinterher und würden den Betreuungsanfang gerne noch verschieben. Sie fragen sich, ob eine Fremdbetreuung gut und sinnvoll ist. Die Eingewöhnung ist also ein Loslassen für beide Seiten.


Einige Eltern fühlen sich gezwungen wieder arbeiten zu gehen und sind eigentlich noch nicht bereit ihr Kind einem fremden Menschen zu überlassen. Oft ist die Betreuung durch eine Kindertagespflegeperson die erste außerhalb des Elternhauses. Hier sehe ich einen großen Vorteil in der Kindertagespflege.

Die Eltern suchen sich die Betreuungsperson ihres Kindes selbst aus. Sie wählen den Menschen, der ihren Vorstellungen entspricht, den sie nett finden, mit dem sie gut klar kommen und der ihre Erziehungsansichten teilt. Natürlich spielen auch die räumlichen Gegebenheiten und evtl. Kosten eine Rolle, aber das Wichtigste ist der Mensch, der auf ihr Kind aufpasst. In einer Kita sprechen die Eltern mit der Leitung und lernen die Erzieherin, die auf ihr Kind aufpassen wird in den meisten Fällen nicht kennen. Sie müssen dem Konzept der Krippe und der Aussage der Leitung vertrauen. An dieser Stelle möchte ich allen Eltern empfehlen sich die Betreuungsperson, die auf ihr Kind aufpassen wird, genauestens unter die Lupe zu  nehmen und auf jeden Fall mit ihr persönlich zu sprechen.

Wir gehen davon aus, dass die Kindertagespflegeperson in unserem Beispiel sehr gut ausgesucht worden ist und auch gut zu den Eltern und zum Kind passt. Die Eltern wissen also, dass sie ihr Kind in gute Hände geben werden – das ist die Basis für ein gutes Betreuungsverhältnis. Dieses sichere Gefühl sollten die Eltern auch an das Kind weitergeben “ *** ist eine sehr nette Frau und sie passt gut auf dich auf!“

In der Theorie hört sich das alles einfach an, aber ich hatte schon oft weinende Eltern bei mir in der Küche sitzen, die während des ersten Trennungsversuches begriffen haben, dass ihr Kind jetzt den ersten Schritt zur Selbstständigkeit gemacht hat. Die nächste Abnabelung hat stattgefunden. Das Baby oder Kleinkind ist nicht mehr vollkommen auf sie angewiesen und es hat eine andere Person als Bezugsperson akzeptiert. Die Eltern haben Angst, dass sie jetzt nicht mehr an erster Stelle stehen werden und ihnen wird bewusst, dass sie von nun an viel weniger Zeit mit ihrem Kind verbringen können und auch nicht mehr alles mitbekommen. Sie haben Angst, dass sie das erste Wort, die ersten Schritte und viele schöne Situationen verpassen.

Kinder sind zum Glück in der Lage mehrere Bindungspersonen zu haben und das ist gut so! An erster Stelle bleiben aber im Normalfall immer die Eltern (primäre Bezugsperson ist meist die Mutter). Sekundäre Bezugspersonen können auch Großeltern oder eben die Betreuungsperson sein. Wir Kindertagespflegepersonen bieten eine familienergänzende und nicht familienersetzende Betreuung an. Auch wenn die Kinder sich bei uns oft wie zu Hause fühlen, sind sie es nicht. Das wissen die Kinder genau und sie würden das auch gar nicht wollen. Sie wissen genau, wo sie hingehören und wen sie lieb haben.

Ein sehr gutes Zeichen für das Wohlbedinden eines Kindes ist es übrigens, wenn es sich woanders nicht verstellen muss. Sobald sich das Kind bei der Tagesmutter oder dem Tagesvater wie zu Hause benimmt, ist es angekommen und fühlt sich auch angenommen. Mit allen Wutausbrüchen, Zickereien, Motzereien und allen Eigenheiten, die das Kind sonst nur bei den Eltern zeigt. Wir Tagespflegepersonen können uns also glücklich schätzen, wenn es uns gelungen ist, ein Kind so gut einzugewöhnen, dass es sich (fast) wie daheim fühlt. Dann kann sich das Kind nämlich richtig fallen lassen und sich individuell entwickeln. Es kann die Welt entdecken und weiß, dass es aufgefangen wird, egal, was passiert.

Sein Kleinkind los zu lassen ist nicht einfach – auch die Eltern brauchen hierbei Unterstützung und Verständnis. Wenn die Eltern noch nicht bereit sind, dann wird die Eingewöhnung sehr schwer. In so einem Fall sollte man den Eltern Zeit geben und vor allem die Sicherheit, dass es ihrem Kind gut gehen wird. Auch Fotos, Portfoliomappen und ganz viele Gespräche helfen den Eltern ein gutes Gefühl zu entwickeln und ihnen die Angst zu nehmen, die Entwicklung ihres Kindes zu verpassen. Außerdem ist es ganz wichtig, dass die Eltern weiterhin das Gefühl haben wichtig zu sein. Sie entscheiden und wir Kindertagespflegepersonen unterstützen sie.

Die ersten Wochen als mein Sohn im Kindergarten war, waren sehr schwierig für mich. Ich hatte Angst, dass es ihm nicht gut geht, dass er weint und niemand sagt mir Bescheid, dass er mich vermisst und dass ich ihn nicht ihn da sein kann, wenn er mich braucht. Ich habe zu Hause mit Schuhen darauf gewartet, dass die Erzieherin anruft und sagt, dass ich ihn holen muss/darf. Ich habe ihn schrecklich vermisst. Er war noch keine 3 Jahre alt und noch so jung , die Gruppen waren so groß und die Erzieher so wenig. Es rief aber niemand an. Ihm ging es gut und er lief mir am Mittag fröhlich und gut gelaunt entgegen.

Als Eltern wird man sicher immer Sorgen machen, vor allem, wenn das Kind nicht bei einem ist. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man sich als Eltern die Betreuungsperson und die Einrichtung/das Haus gut anschaut und dann entscheidet, ob das für das eigene Kind das Beste ist. Eine Tagesmutter oder ein Tagesvater kann gerade für Eltern, die sich nicht sicher mit einer Betreuung außerhalb des Elternhauses sind, richtig sein. Wir bieten das Zwischenstück zwischen Familie und Kita.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

Ein Gedanke zu „Eingewöhnung – aus Sicht der Eltern

  1. …wenn ich ehrlich bin , ich bin eine Glucke und mir würde das abgeben meiner Kinder nicht so einfach fallen.Ich glaub ich bin als Mutter auch nicht handzahm.

Kommentare sind geschlossen.