Geschwister in der Kita

Ein Thema, das mich schon immer sehr beschäftigt hat ist, ob man Geschwister im Kindergarten, Krippe etc. zusammen betreuen sollte oder nicht. Als Erzieherin in Krippe und Kindergarten habe ich bereits viele Geschwister zusammen betreut und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe, erzähle ich euch heute.


In meiner Ausbildung zur Erzieherin lernte ich, dass es meist besser ist, wenn man Geschwister trennt, damit diese sich eigenständig und unabhängig von einander entwickeln können. Ist das wirklich nötig, damit sich Geschwister richtig und altersentsprechend entwicklen können? Schadet es, wenn sie zusammen in einer Gruppe betreut werden? Ich sage nein. Meistens ist es nicht schädlich. Ich würde sogar sagen, dass es einigen Geschwisterpaaren durchaus gut tun kann. Natürlich ist das immer vom Geschwisterpaar abhängig. Ich habe bereits viele Kinder zusammen mit ihrem Bruder oder ihrer Schwester zusammen betreut, teilweise auch Zwillinge.

Für keines der Kinderpaare war dies von Nachteil. Jedes Kind hatte eigene Freunde, eigene Lieblingsbeschäftigungen und konnte sich eigenständig entwickeln. Die Kinder, die ich betreut habe, haben davon profitiert. Die kleineren gewöhnten sich viel schneller ein, weil sie Unterstützung vom großen Bruder oder der großen Schwester hatten – ein Teil der Familie war immer da! Das gibt wahnsinnig viel Sicherheit. Und die großen Geschwister waren auch mächtig stolz für die Kleinen da zu sein und ihnen am Anfang alles zu zeigen. Nach ein paar Wochen war die anfängliche Euphorie vorbei und jedes Kind hat sich eigene Freunde gesucht und seine eigenen Interessen verfolgt. Was ich allerdings beobachten konnte war, dass die Geschwister füreinander da waren. Wenn ein Kind geweint hat, hat sich das Geschwisterkind gekümmert oder zumindest geschaut, was los ist. Diese Funktion übernehmen später auch die Freunde der Kinder, aber wenn die Schwester oder der Bruder sich sorgt, ist das ein sehr schönes Gefühl und meiner Meinung nach nicht nachteilig.

Warum bekommt denn eine Familie mehrere Kinder? Damit sie zusammen spielen können und damit eins nicht alleine ist. Warum wird dann im Kindergarten manchmal so sehr darauf geachtet, dass sie getrennt werden?

Manchmal passt es einfach von der Gruppensituation nicht, weil vielleicht schon sehr viele kleine Kinder in der Gruppe sind oder es besser wäre, wenn als nächstes Kind ein Junge nicht nicht das 20. Mädchen in die Gruppe kommt. Es kann natürlich sein, dass es auch tatsächlich vorteilhaft für die Entwicklung der Kinder ist, z. B. wenn diese sich nur streiten oder sich in der Entwicklung behindern. Dies können die Eltern aber oft gut einschätzen. Das sind Situationen, die ich durchaus nachvollziehen und unterstützen kann, aber dass Kinder zwanghaft getrennt werden, aus Angst, sie könnten sich nicht eigenständig entwickeln, das kann ich nicht nachvollziehen.

Ist es nicht schön, wenn Geschwister füreinander da sind und sich umeinander sorgen, sich gegenseitig helfen und unterstützen und sich Sicherheit geben? Ich habe bisher kein Geschwisterpaar gesehen, die sich so sehr auf den Bruder oder die Schwester fixiert hätten, dass es ihnen geschadet hätte. Ein normal entwickeltes Kind wird trotz Schwester in der Gruppe eigene Freunde haben und auch eigene Fähigkeiten entwickeln und natürlich wird es genauso selbstständig, als wenn die Schwester nicht da wäre.

Völlig unverständlich ist mir, warum man Geschwister schon in der Krippe trennen muss. Ja, irgendwann sollte jedes Kind auch ohne das Geschwisterchen zurecht kommen, aber muss das denn schon im Babyalter so extrem fokussiert werden? Das Baby muss sich doch noch nicht komplett selbstständig sein. Es ist doch schön, wenn der große Bruder mal nach dem kleinen schaut und sich auch kümmert. Wann sollen die Kinder das heutzutage denn sonst lernen, wenn nicht in der Krippe oder im Kindergarten? Oft werden die Kinder bis 16.30 Uhr betreut und sind solange von den Eltern und auch noch den Geschwistern getrennt – sie müssen ja lernen selbstständig zu werden und sich eigenständig entwickeln.

Wäre es tatsächlich so schlimm, wenn das kleinere Kind erst nach der Eingewöhnung eigene Freunde findet und sich vorerst mal an die große Schwester hält, die ihr wahnsinnig viel Sicherheit in der fremden Umgebung gibt? Spätestens wenn sie in die Schule kommen, haben sie noch genug Gelegenheit völlig auf sich selbst gestellt zu sein. Da kann kein jüngeres Geschwisterkind helfen.

Viele Eltern erzählten mir, dass ihre Kinder sich gegenseitig vermissen. Sie werden den ganzen Tag getrennt und freuen sich sehr auf das Wiedersehen am Nachmittag/Abend. Ich finde es schade, dass die Familien nicht mehr zusammen sein können. Die Eltern gehen den ganzen Tag (getrennt) auf Arbeit und die Kinder werden mit Absicht in unterschiedlichen Gruppen untergebracht. Wo bleibt denn da die Familie? Gibts diese nur noch nach 17 Uhr?

Ich möchte noch mal betonen, dass mittlerweile einige Kindertagesstätten eingesehen haben, dass es völlig in Ordnung und sogar schön sein kann, wenn Geschwister zusammen in einer Gruppe sein dürfen, oder bei denen die Eltern mit entscheiden können.

Für mich gehört zu einer glücklichen Kindheit mit den Geschwistern (wenn man denn welche hat) aufzuwachsen. Von ihnen zu lernen, ihnen nachzueifern, mit ihnen Blödsinn anzustellen und sich mit ihnen zu streiten. Aber genauso von ihnen beschützt zu werden, von ihnen vieles gezeigt zu bekommen und auch mal irgendwo mit hin genommen zu werden. Zusammen aufwachsen – und das nicht nur nach Feierabend.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

Ein Gedanke zu „Geschwister in der Kita

  1. meine eigenen Kinder besuchen den selben Kiga. dort gibt es nur 2 gruppen…. die kleinen….bis ca 3,5 jahre und dann die Großen. … vormittags sind meine kinder getrennt. nachmittags zusammen…. zwischen meinen kindern liegen 10monate und drei Wochen….die grosse ist allem gegenüber aufgeschlossen. , der kleine ist eher zurückhaltend. . .
    beide streiten sich eigentlich ununterbrochen. leider. wenn beide allerdings zusammen irgendwo anders sind passt sie auf ihn auf und er orientiert sich sehr stark an ihr.
    Neulich war die große eine Woche bei der Oma und der kleine hat das teils richtig genossen.
    natürlich hat er seine Schwester vermisst, war aber froh auch mal alleine die Hauptrolle zu spielen.
    er orientiert sich sehr stark an ihr und ist ohne Sie eher ängstlich in neuen Situationen.

    Von meinen eigenen ausgehend finde ich die Trennung im kiga erstmal gut, damit mein kleiner auch mal die möglichkeit hat sich durch zu setzen.
    Aufgrund der ca 50 kinder hat natürlich jedes Kind seine eigenen Freunde, lieblingserzieherin und Lieblingsbeschäftigung.

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