Betreuungsqualität in Kitas – Aus Sicht der Kinder 1

„Internationale Studien sagen sehr klar, dass bei den Säuglingen eine Betreuungsrelation von eins zu zwei – eine Erzieherin für zwei Kinder – und bei den etwas älteren Kindern eine von eins zu drei herrschen sollte. Das ist in den allermeisten Krippen in Deutschland nicht gegeben.“(Dr. Brisch – „Das Krippenrisiko“)


Im letzten Artikel ging es um die Betreuungsqualität in Kitas – Aus Sicht des päd. Personals. Heute wollen wir uns die Situation aus Sicht der Kinder genauer anschauen. Geht es den Kindern gut, wenn sie nicht bei ihren Eltern sind? Was brauchen Kleinkinder um sich so wohl und sicher zu fühlen um die Welt erkunden zu können?

Ich bin Kindertagespflegeperson geworden, weil ich die Situation in Krippen kenne. Ich bin Erzieherin und habe einige Zeit in unterschiedlichen Krippen verbracht. Die Erzieher waren toll! Sie haben so viel für die Kinder getan, sie haben versucht ihnen die Situation so schön wie möglich zu  machen. Das ist schwierig für die Erzieher, es sind (meist) viele Kinder in einem Raum, die Altersstruktur der Kinder ist nicht immer perfekt, häufig werden viele Kinder gleichzeitig eingewöhnt, es gibt zu wenige Kollegen, der Betreuungsschlüssel ist oft zu schlecht, sie haben zu wenig Zeit für jedes einzelne Kind, für die Dokumentationen, die Portfoliomappe und für so vieles, was wichtig für die Kinder und die Eltern ist. Aber ganz viele von ihnen geben ihr Bestes und das merken die Kinder.

Es ist sehr schwer diese Artikel zu schreiben, ohne unsere Kolleginnen aus den Kitas zu verärgern. Wir wollen nicht miteinander verglichen werden und wir wollen auch nicht schauen, wer nun die Kinder besser betreuen kann. Aber objektiv kann ich diesen Artikel nicht schreiben, weil ich beide Seiten der Betreuung für Kinder unter 3 Jahren kenne und mich für eine entschieden habe. Also nehmt es mir nicht übel, wenn ich diesmal parteiisch bin – ihr Kollegen aus den Kitas habt trotzdem meinen vollsten Respekt und meine vollste Unterstützung! Ich weiß, was ihr tagtäglich leistet und dass auch ihr euch manchmal bessere Betreuungsbedingungen und mehr Zeit wünscht.

Als mein Sohn geboren wurde, habe ich angefangen intensiv darüber nachzudenken, was mir wichtig ist. Ich wollte nicht, dass mein Kind eines von 12 Kindern ist, ich wollte eine individuelle Betreuung, jemanden, der ihn lieb hat, der Zeit für ihn hat, ihn gut kennt und der immer für ihn da ist. Dass es Tagesmütter oder -väter gibt, wusste ich damals nicht. (Und wieder sind wir beim Thema Öffentlichkeitsarbeit!) Durch eine Bekannte bin auf die Tätigkeit von Tagesmüttern aufmerksam geworden. Aber nicht, um meinen Sohn dort hin zu bringen, nein, ich wollte nun selbst eine Tagespflegeperson werden und mich um meinen Sohn und auch um andere Kinder zu kümmern. Die perfekte Lösung für mich als Erzieherin und Mutter eines Babys.

Jeder, der mit Kindern zusammen arbeitet, kann sicher bestätigen, dass es sehr schwer ist 6 Kleinkindern gerecht zu werden, wie es häufig in Krippen der Fall ist. Selbst bei 3 ist es oft schwer, wenn einer eine schlechte Nacht hatte, der zweite zahnt und der dritte gerade so gut gelaunt ist, dass er auf die höchsten Bäume klettern will. Jedes Kind hat zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Bedürfnisse. Ist es überhaupt möglich allen gerecht zu werden?

Wir betrachten das Ganze erstmal ganz subjektiv und lassen alle weiteren Fakten und Zahlen weg.

Was brauchen die Kinder denn? Jedes Kind möchte individuell behandelt werden, es möchte gewickelt werden, wenn es die Windel voll hat und zu Essen bekommen, wenn es Hunger hat.

Genauso wichtig sind aber auch die psychischen Bedürfnisse. Jedes Kind möchte auf den Arm genommen werden, wenn es traurig ist, sich alleine fühlt, oder einfach nur kuscheln möchte.

Alle Kinder wollen Aufmerksamkeit, gelobt werden, wenn sie etwas gelernt oder toll gemacht haben, sie möchten, dass man sie bemerkt und mitbekommt, was sie beschäftigt.

Sie brauchen das Gefühl angenommen zu sein und liebevoll betreut zu werden, sie brauchen Umarmungen, eine helfende Hand, ein Kopfstreicheln und ein Auffangen.

Sie brauchen Hilfe beim Essen, beim Anziehen, beim Spielen, beim Waschen, beim Einschlafen, beim Aufwachen, beim Laufen, beim Klettern, beim Malen, etc. Die Kinder brauchen uns. Für die körperlichen und vor allem für die seelischen Bedürfnisse. Umso weniger Kinder, umso besser ist dies umsetzbar.

Neben diesen oben aufgeführten Punkten, brauchen die Kinder natürlich noch jemanden, der ihnen das Essen zubereitet, der sie daran erinnert, genug zu trinken, der ihr Spielzeug pflegt und es vorbereitet, der ihnen das Bett macht, die Gruppe sauber hält, Dinge repariert, die kaputt gegangen sind, usw. Es muss genug Platz da sein für jedes Kind, ein eigenes Bett bzw. ein eigener Schlafplatz und Rückzugsmöglichkeiten. Aber auch viele Anregungen um die Welt zu entdecken.

Eine unglaublich vielfältige Aufgabe, die Erzieher, Kinderpfleger und Fachkräfte für Kindertagespflege jeden Tag zu bewältigen haben und das neben Beobachtungen, Elterngesprächen, Portfoliomappen etc.

Die Liste ist längst nicht abschließend. Wenn dies aber alles vorhanden ist, ist das die beste Voraussetzung, damit Kinder sich wohl fühlen können.

Aber am aller wichtigsten ist Zeit – Zeit für jedes einzelne Kind. Das erreicht man vor allem durch einen besseren Betreuungsschlüssel.

Wenn eine Krippe dies bieten kann, finde ich das toll. Ob ein Kind unter 3 Jahren tatsächlich eine Fremdbetreuung BRAUCHT ist fraglich. Meiner Meinung nach brauchen die Eltern die Betreuung, weil sie arbeiten müssen. Die Kinder würden daheim bei ihren liebevollen und aufmerksamen Eltern genauso gefördert werden und würden nichts verpassen, was sie nicht auch noch im Kindergarten lernen können. Da mittlerweile viele Kinder unter 3 Jahren betreut werden, ist es enorm wichtig, dass ihnen die bestmöglichste Betreuung geboten wird.

Und da hätte ich gerne eure Meinung. Das ist ein viel zu umfangreiches Thema, als dass ich hier sämtliche Aspekte und Meinungen berücksichtigen könnte. Was braucht ein Kind, wenn es außerhalb des Elternhauses betreut wird? Ist das, was in Kitas geboten wird ausreichend?

(Da Zahlen eben doch interessant sein können, versuche ich euch einen Artikel über Fakten und Zahlen zu verfassen. Und ich bin mir sicher, die Kindertagespflege wird nicht schlecht abschneiden :).)

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

2 Gedanken zu „Betreuungsqualität in Kitas – Aus Sicht der Kinder 1

  1. Was braucht ein Kind in den ersten drei Lebensjahren? Gute Frage….und ich würde weiter gehen…Müssen die Eltern wirklich beide arbeiten? …Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft? Ist die Arbeit den Kindern höher gestellt? Sind wirklich die Interessen der Kinder vorderrangig?….Fange ich mal ganz von vorne an. Was braucht ein Kind vor allem in den ersten drei Lebensjahren? Wärme, Geborgenheit, Nähe, Beständigkeit, Rituale, Fürsorge, Ansprache, Bewegung, Natur, gesunde Ernährung und vor allem beständige und verlässliche Bezugspersonen. Bezugsperson Nr. 1 ist in der Regel die Mutter (liebe Väter, nicht böse gemeint, aber die Natur hat die Geburt und das Stillen nun mal in die weibliche Hand gelegt 😉 ). Die engste Bindung entsteht hier, dicht gefolgt vom Vater. Zuviele Bezugspersonen sind zweifelsohne nicht gut. In den ersten drei Jahren lernt das Kind laufen, sprechen, es wird meist trocken, kurzum die kognitive und motorische Entwicklung ist rasant in dieser Zeit. Das Kind braucht entsprechende Zuwendung und Anreize, damit diese Entwicklung auch normal und gut von statten geht. Jetzt komme ich zum meinem nächsten Punkt: Müssen wirklich beide Eltern so früh wieder arbeiten? Diese Zeit ist so kurz und kostbar im Leben unserer Kind, das sie eigentlich viel zu schade ist, sie in die Hände anderen Menschen zu legen. Natürlich wollen die Eltern auch beruflich weiter kommen, viele haben lange Ausbildunsgzeiten hinter sich, wollen ihren Kindern ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Durchaus richtig, nur zu welchem Preis? Warum sind viele von uns Tagespflegeperson geworden? Richtig, viele wollten damit Kind und Arbeit miteinander verbinden, für die eigenen Kinder da sein. Ein ziemlicher Luxus in der heutigen Zeit. Es ist Luxus geworden, zu sagen, ich habe die ersten Jahre im Leben meines Kindes, nur Zeit für mein Kind. Luxus und ein aussterbendes Modell. Sicherlich sind die Lebenshaltungskosten gestiegen. Aber nicht nur die, sondern vor allem auch die Anspruchshaltung vieler junger Eltern. Man will alles, Kinder, Karriere, schöne Reisen, große Wohnungen etc.. Verzichten wollen nur noch wenige. Nun gut, ich werde das nicht ändern können, aber dennoch möchte ich den Finger in diese Richtung heben.

    Ich halte tatsächlich rein gar nichts davon, die eine Betreuungsform generell mit der anderen zu vergleichen und zu werten. So leicht und pauschal lässt es sich definitiv nicht beantworten. Kleine Gruppen sind immer besser, aber die Person, die diese leitet und führt ist das Ausschlaggebende. Schau ich mich hier um, würde ich nie pauschal behaupten, die Krippen seien schlechter für die Kinder. Im Gegenteil, wir haben hier einige Krippen, zu denen ich meine Kinder eher bringen würde, als zu manchen KollegInnen von mir. Natürlich gibt es die Riesenkrippen….aber es gibt auch immer mehr die kleinen Krippen, mit 10 Kindern oder maximal 12-14 Kindern. Einrichtungen, die ihre Arbeit sehr Ernst nehmen, die ihren Kindern durchaus auch Geborgenheit vermitteln. Gleich zwei dieser Art habe ich hier in meinem direkten Umfeld. Und wie ist es mit der KTP? Gibt es da jemanden hier, zu der ich meine Kinder bringen würde? Ja zwei meiner KollegInnen ….den Rest, nein…zuviele Kinder (hier dürfen bis zu 20 Kinder in der KTP betreut werden), zu schmuddelige Räume, zu kurze Betreuungszeiten, zu ungebildet…..Man sollte nicht die Betreuungsformen gegeneinander ausspielen, sondern eher verscuchen, dass man alle in ein Boot bekommt: Kitas, KTP und Eltern….und zu guter Letzt vor allem die Wirtschaft, die es den Müttern noch viel leichter machen muss, flexibel und Teilzeit zu arbeiten……Die Qualität der Kinderbetreuung muss sich in allen Bereichen steigern, die Arbeit mit Kindern einen anderen Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen und vor allem sollte man überlegen, ob es wirklich alles im Sinne der Kinder ist…

Kommentare sind geschlossen.