Fazit – Modelle zur Krankheitsvertretung

Nachdem wir euch schon seit einigen Wochen die verschiedenen Modelle für Krankheitsvertretung vorstellen, möchte ich nun abschließend die Ergebnisse zusammenfassen. Es gab auch schon einige Rückmeldungen hier und auch auf Facebook die mir zeigen, dass meine „dezenten“ Hinweise darauf, dass die Jugendämter dafür verantwortlich sind uns eine verlässliche Vertretung zu organisieren anfange zu fruchten. Für uns Tagespflegepersonen ist aber nicht nur die Bereitstellung sondern auch die Qualität der Vertretungslösung entscheidend. Schließlich müssen wir doch auch was die Verlässlichkeit angeht auf einer Stufe mit den Kindertageseinrichtungen stehen. Dafür brauchen wir bei Ausfällen aller Art eine Vertretung ab dem 1. Tag und das nicht zu unseren finanziellen Lasten. Aber wie fordern wir nun unser Recht ein?


Das Erste ist natürlich, dass jeder von uns alleine nicht viel erreichen kann. Erst wenn wir uns mit anderen Tagesmüttern und Tagesvätern zusammen schließen und unsere Forderung gemeinsam formulieren und vertreten haben wir eine reale Chance unsere Ziele zu erreichen. (Tipp: Werdet Mitglied in der Berufsvereinigung für Kindertagespflegepersonen e. V. und schließt euch zu einer Regionalgruppe zusammen). Als Nächstes müsst ihr das passende Modell für eure Situation finden. Dabei müsst ihr prüfen, inwieweit die einzelnen Modelle für die unterschiedlichen Tagesmütter in eurer Kommune praktikabel sind und ob sie auch finanziell umsetzbar sind. Für das Jugendamt ist gerade die Frage nach den Kosten ein entscheidender Faktor. Bedenkt auch, dass ihr nicht unbedingt das eine perfekte Vertretungsmodell finden müsst. In manchen Kommunen werden bereits heute mehrere Modelle zur Auswahl gestellt um auf jede Tagesmutter/-vater individuell eingehen zu können.

Beim Springer-Modell betreut ein Springer im Normalfall mehrere Tagespflegepersonen. Also schließt euch zusammen und schlagt eurem Jugendamt ein konkretes Beispiel vor, wie das funktionieren könnte. Vorteilhaft ist es auch, wenn ihr schon eine Person vorweisen könnt, die diesen Job übernehmen würde. Hier ein Beispiel aus dem Landkreis Würzburg inklusive dem dort verwendeten Finanzierungsmodell.

Wenn euch eher das 4+1 Modell zusagt, dann müsst ihr euch ebenfalls geeignete Tageseltern suchen, mit denen ihr dieses System ausarbeitet und eurem Jugendamt unterbreitet. Umso genauer eure Vorstellungen und realistischer eure Pläne sind, umso überzeugender seid ihr. Überlegt euch hier gut, wie viel Geld ihr für die Freihaltung des Vertretungsplatzes für angemessen haltet und begründet dies ausführlich.

Für das Tandem-Modell braucht ihr nur eine Kollegin oder einen Kollegen und das am Besten in eurer Nähe. Ihr solltet euch regelmäßig treffen können, damit die Kinder die Räumlichkeiten, die andere Tagesmutter bzw. den anderen Tagesvater und die anderen Kinder gut kennen lernen können. Mit diesem System hat das Jugendamt sehr wenig Arbeit und auch geringe Kosten, da es nur im Vertretungsfall zahlen muss. Daher sehe ich hier gute Chancen dieses Modell beim Jugendamt durchgesetzt zu bekommen. Der große Nachteil ist, dass ihr euch dadurch bei der Anzahl Betreuungsplätze einschränkt. Wenn ihr das bei der Formulierung eurer Forderung bedenkt könnt ihr versuchen auch für die frei gehaltenen Plätze eine Entschädigung zu erhalten.

Das Stützpunkt-Modell ist sehr professionell und wirkt sehr zuverlässig. Es gibt einen speziellen Raum, der im Krankheitsfall immer verfügbar ist, sowie eine Ersatzkraft, die immer in diesen Räumlichkeiten zu finden ist, wenn man sie braucht. Allerdings muss es diesen Raum erstmal geben, er muss ausgestattet und unterhalten werden. Die Vertretungskraft vertritt hier dann mehrere Tagespflegepersonen und muss dementsprechend bezahlt werden. Auch hier kann ich auf ein Beispiel aus der Stadt Würzburg verweisen. Dieses Modell eignet sich super für Städte, in denen mehrere Tagespflegepersonen räumlich nahe beieinander betreuen.

Das Kita-Kooperationsmodell scheint auf den ersten Blick für das Jugendamt sehr günstig zu sein, da keine spezielle Vertretungskraft eingesetzt wird. Auf der anderen Seite sind Plätze in der Kindertagesstätte für den Träger deutlich teuer als bei einer Tagesmutter. Ob die lokale KiTa überhaupt Plätze frei hat und welche Kosten durch die Bereitstellung der Vertretungsplätze und die Kontaktpflege entstehen muss vor Ort erfragt werden. Und natürlich müsst ihr für euch entscheiden, ob dieses Modell für euch überhaupt eine tragbare Lösung darstellt oder ob es in einem Konflikt zu euer Betreuungskonzept steht.

Natürlich könnt ihr auch eigene Ideen bezüglich einer Vertretungsregelung ausarbeiten. Bedenkt dabei, dass das Jugendamt nicht euer Feind ist. Das Jugendamt hat genau wie wir das Ziel die Kindertagespflege attraktiver und zuverlässiger zu gestalten. Wenn ihr sie dabei unterstützt, indem ihr ihnen eine gut umsetzbare und finanziell tragbare Lösung für das Problem der Krankheitsvertretung vorstellt, werden sie euch nicht abweisen. Natürlich werden sie versuchen die Kosten weiter zu drücken, aber das ist schließlich Teil ihres Jobs.

Wie auch immer ihr euch entschiedet wäre ich froh, wenn ihr eure Erfahrungen und Ideen mit uns allen teilt, damit auch andere Tagesmütter von eurer Arbeit profitieren können.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

8 Gedanken zu „Fazit – Modelle zur Krankheitsvertretung

  1. Liebe Jenny, ich danke sehr für deine Mühe und kann dem wieder nur zustimmen. Auch wir wollen uns nun organisieren, um vor allem die Vertretung endlich geregelt zu bekommen. Die Behörden ruhen sich zu unseren Lasten aus (und der Kinder und der Eltern) , dass wollen und können wir nicht mehr hinnehmen.
    Bitte lasst euch motivieren, zusammen erreichen wir mehr!!!
    Kollegiale Grüße von Ariane aus dem Elfenland

  2. Danke Ariane. Wir in Würzburg haben mehrere Systeme und bei vielen funktioniert es gut. Einige Tagesmütter suchen derzeit noch eine Vertretung, aber auf Grund des Wohnortes muss es eine Springerin sein. Verständlicherweise muss für die Vertretung auch das Geld stimmen – daran scheitert es wohl gerade.

  3. Hier ist gar nichts möglich, was Kosten verursacht. Klare Aussage.

    Kita geht höchstens dort, wo gerade Platz ist. Also kennen Kind und Eltern vermutlich weder die Kita, noch die Erzieher oder die dortigen Kinder. Funktioniert also auch nicht.

    Vertretung untereinander geht nur, wenn es die Stadt nichts kostet. Die Auslastung hier lässt es aber auch nicht zu, überhaupt Plätze frei zu lassen.

    Erfahrungen einiger TM hier sind obendrein, dass trotz regelmäßiger Treffen in Kitas und auch noch privat dazu, die meisten Kinder nicht einfach zur vertretenden TM gehen. Die fehlende Bindung ist “das Problem“.

    Gott sei Dank wollen 99% “meiner“ Eltern das auch selbst organisieren. Ich bin allerdings auch eigentlich wirklich selten krank.

  4. Vertretung, ein Thema, das heikel und viele Probleme birgt. Und vor allem gibt es keine Lösung, die bundesweit angewandt werden kann. Es ist richtig, dass die Jugendämter verantwortlich sind, Vertretungskonzepte zu erarbeiten, die Vertretung zu bezahlen und auch die Vernetzung unter den Tagespflegepersonen zu fördern. Nur jedes Konzept als solches, jedes Modell in sich, hat immer Widrigkeiten, die es gilt zu umschiffen. Ganz zu oberst sind die Kinder, die nie aus dem Blick verloren werden dürfen. Daher steht immer als allererstes die Grundeinstellung einer jeden Tagespflegeperson: Nur wer erkennt, wie wichtig Vernetzung ist, wird sich dem Ganzen öffnen, Und genau da stoßen wir an die erste Grenze. Noch längst nicht alle haben begriffen, wie wichtig es ist, einen Plan B bei Krankheit und Urlaub zu haben. Getreu dem Motto, bisher hat es doch auch immer geklappt, puzzlen viele weiterhin alleine vor sich hin. Das nächste betrifft alle Tagespflegepersonen, die alleine arbeiten. Ein Springer, der dann einspringt, wenn ich ausfalle, nützt mir gar nichts. Denn eines will ich bei Urlaub und Krankheit ganz Gewiss nicht: Eine andere Person, die bei mir Zuhause die Kinder betreut. Bei Krankheit möchte ich meine Ruhe haben, beim Urlaub ebenso und auch nicht während meiner evtl. Abwesenheit jemand anderes hier alleine arbeiten lassen. Bleibt die Variante, man vernetzt sich, die Tagespflegeperson trifft sich mit anderen und somit sind die Kinder mit allen vertraut. Hamburg hat für diese Variante auch die gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, um trotzdem immer mit einer vollen Gruppe arbeiten zu können. Im Falle eines Vertretungsfalls darf man seine Gruppe überbelegen. In der Theorie sogar mit einer kompletten anderen Gruppe. Nur macht das natürlich keiner. 10 Kinder alleine? Unverantwortlich! Und da wird es dann wieder schwierig, In kleineren Städten und Gemeinden alles nicht so das Problem. Die Anzahl der TPP ist überschaubar. In Millionenstädten wie Berlin und Hamburg wird es dann schon wieder schwierig. Weit über 1000 TPP sind hier tätig. Mal so eben bei Krankheit eine komplette Gruppe bei jemanden anderen zu unterbekommen, ist nahezu illusorisch. Man benötigt also diverse TPP…und da kommen wir wieder an die Grenzen. Das gleiche Problem trifft auch bei dem Stützpunkt Modell hinzu. Über 4000 Kinder werden in HH in der KTP betreut. Stützpunkte einzurichten, wäre nicht durchführbar, zu teuer, denn fangt mal an zu rechnen, wieviele benötigt werden. Ich arbeite seit 16 Jahren alleine. Meine Eltern haben in dieser Zeit noch nicht einmal eine Vertretung in Anspruch genommen. Nicht, weil ich keine habe, sondern weil sie keine wollten. Sie haben sich für mich und meine Räume entschieden, wollen ihren Kindern keine andere Umgebung zumuten. Ab September arbeite ich in einer GTP. Und siehe da: Die Möglichkeiten der Vertretung steigen immens an: Externe Räume bieten hier einen enormen Vorteil, die andere Kollegin bietet den Kindern dennoch die Vertrautheit. Und dennoch: Jemanden zu finden, der gut ist, zu einem passt, zuverlässig ist, ist immer noch ein „Eiertanz“. Wir basteln gerade an einer ganz anderen Lösung: Wir holen die Eltern mit ins Boot…warum nicht auch die Eltern einspannen? Genau das werden wir tun…Näheres dazu später 😉

    1. Liebe Antje, schön von dir zu lesen und wieder bringst du es auf den Punkt. Es gibt nicht „die“ Lösung und bei uns gibt es leider noch gar keine.
      Die Eltern direkt mit ins Boot holen, interessante Idee aber offiziell machbar? Bin gespannt, wie ihr das umsetzen wollt.
      Das Wohl des Kindes, das dürfen wir bei allem nicht aus der Augen verlieren!

  5. Darf ich mal was fragen?
    Eine Vertretung muss ja dann gestellt werden, wenn das Kind nach BayKiBiG gefördert wird.

    Welche Zeiten muss die Vertretung denn abdecken?
    Ich denke da so an extreme Fälle, z.B. gibt es Randzeitenbetreuung, Kinder die nach der Schule bis Abends betreut werden. Eine Ersatzbetreuung kann doch nicht von 7.00 bis 19.00 Uhr einspringen. Einerseits haben die Eltern einen Anspruch darauf – aber wer kann das leisten?

    Wenn ein Springer fest angestellt werden würde, dann muss sie Mittagspause machen und hört spätestens nach zehn Stunden auf. Sieht man mal wieder wie leistungsfähig wir als Selbständige sind 🙂

    Andererseits darf das Amt aber nicht vorschreiben, dass in der Kindertagespflege Kinder nur von 8.00-18.00 Uhr betreut werden dürfen.

  6. Der gesetzliche Anspruch auf Vertretung existiert in Unabhängigkeit zu den Betreuungszeiten. Fördert eine Kommune einen Betreuungsplatz in sogenannten Randzeiten, dann muss sie ebenso für diese eine Grundlage für eine zuverlässige Betreuung schaffen, sprich auch für diese Zeiten Vertretungen anbieten können.

  7. Unser JA hat die Vertretung in der Richtlinie nur erwähnt: Kiga oder andere TPP nutzen (Nat. nur bis 5 Kinder) und die Bezahlung nach Antrag und Stunden – ist aber unlösbar, da die Kollegen/die nur in Frage kommen, voll belegt sind 🙁

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