Regeln sind wichtig für die Eltern-Kind-Beziehung – 2

Regeln stellen und einhalten – wichtig für die Eltern Kind Beziehung


Wir widmen uns in dieser Serie dem Thema Regeln. Regeln, die für die Kinder gelten. Da dies ein so umfassendes, vielfältiges und so emotionales Thema ist, gibt es nicht die richtige Antwort auf die Frage, wie man mit Regeln umzugehen hat, sondern es gibt viele Meinungen zu diesem Thema.

Heute geht es weiter mit der Meinung von Kathi, staatlich anerkannte Erzieherin und Tagespflegeperson.

Regeln sind so wichtig und doch so schwer umzusetzen bzw. einzuhalten. Warum haben immer mehr die Angst davor Regeln zu setzen? Ist es Angst, Unsicherheit, oder die Meinung damit etwas Gutes zu tun?

Regeln sind meist erstmal negativ belastet und man verbindet sie mit Konsequenzen, Einschränkungen, Anpassung und Beeinflussung.

Aber eigentlich ist es genau das Gegenteil. Regeln geben dem Kleinkind, welches sich noch nicht auskennt, in der Welt die notwendige Sicherheit die es braucht. Dabei ist es wichtig, dass es nicht zu viele Regeln gibt, sondern lieber gut ausgewählte, die dann aber auch konsequent eingehalten werden. Ein Kind sollte Freiraum haben um sich zu entfalten und ausprobieren zu können. Bei all dem Freiraum sollten gewisse Regeln das Kind stützen und unterstützen.

Es gibt immer mehr Eltern die der Meinung sind, das Regeln unnötig sind und Kinder alles selber bestimmen sollen. Ich selber bin auch ein großer Freund der Partizipation, allerdings bis zu einem gewissen Punkt.

Denn nun mal ehrlich: Ein Kleinkind weiß nun mal nicht was richtig und was falsch ist, es weiß nicht wie man sich in gewissen Situationen benehmen muss. Es gibt einfach Dinge im Leben die müssen einem gezeigt werden, sei es zum Schutz vor Gefahren, Schutz vor negativen Erlebnissen oder einfach um sich später in der Gesellschaft zurechtfinden zu können. Oftmal sind Kinder, die so offen erzogen werden, ziemlich „verloren“ und benehmen sich auch so. Eltern denken sie tun ihrem Kind mit dem komplett eigenständigen Erkunden und Handeln etwas Gutes.

Ich bin anderer Meinung. Ich habe mit vielen Kindern gearbeitet die aus unterschiedlichen Gründen wenig bis keine Regeln kannten. Jedenfals nicht von zu Hause. Das erste Problem tritt auf, wenn das Kind zur Tagesmutter oder in die Kita kommt. Warum? – Da gibt es einige Regeln die einen durch den Tag begleiten und an die man sich halten muss.  Das ist natürlich erstmal eine Herausforderungen für die Kinder die keinerlei Regeln und Grenzen kennen.

Oftmals kommt man dann in den Abhol- oder Bringsituationen in unschöne Situationen weil das Kind nicht weiß wie es sich verhalten soll. Es fehlt eine einheitliche Regelung beider Parteien.

Immer wieder gerne nehme ich das Beispiel einer Tagesmutter. Wenn die Kinder raus gehen oder rein kommen setzen sie sich auf die Bank und ziehen sich so weit sie können aus oder werden ausgezogen. Das wissen alle und machen dies auch immer, ohne dass es da irgendwelche Fragen oder Diskussionen gibt. Anders ist es, in manchen Abholsituationen. Das Kind fängt an zu meckern, will sich nicht anziehen, dann nur auf dem Schoß, dann aber keine Schuhe usw.

Jetzt könnte man denken, nun ja, dann will mein Kind das eben nicht, dann geht es halt so und gut ist. Ja erstmal ist das der Weg des geringsten Widerstandes, aber auf Dauer wird es das Leben für die Eltern und das Kind deutlich erschweren. Und im Übrigen auch denen, die mit ihnen zusammen sind.

Ich möchte noch ein weiteres Beispiel bringen. Ein Kleinkind möchte im Auto noch ein bißchen herum toben und spielen und darf also noch 20 Minuten machen was es will. Die Mama sitzt ja daneben. Gut, dieses Spiel muss nun jedesmal wiederholt werden, da es sonst ein riesen Theater gibt. Da  man auf dieses Theater keine Lust hat, lässt man es also zu. Nun soll das Kind bei der Oma mitfahren und möchte natürlich genau das Verhalten ausleben was es doch bei der Mama auch darf, nur dass Oma dazu gar keine Lust hat. Was passiert? Oma verzweifelt, Mutter ist sauer, Kind schreit weil es überhaupt nicht versteht was denn jetzt falsch ist und warum es jetzt auf einmal geschimpft wird, die Situation artet ggf. aus.

Eigentlich wird ziemlich schnell deutlich, was hier passiert ist oder? Und so ist es mit ganz vielen Kleinigkeiten. Kinder haben nicht in einem Auto rum zu turnen und das muss man seinem Kind beibringen, ob es das möchte oder nicht. Das sind lebenswichtige Aufgaben und Erkenntnisse!

„Die Regel verstehen ist das Erste,

sie ausüben lernen das Zweite“

Arthur Schopenhauer  (1788 – 1860), deutscher Philosoph

Nun ist die Frage: Wo genau führt das inkonsequente Verhalten hin? Wie soll sich das Kind denn im Leben zurecht finden? In jeder Institution gibt es Regeln wie Pünktlichkeit, Benehmen, Anstandsformen, Werte und Normen. Bei den ganzen unterschiedlichen Erziehungsansätzen sollte man nie das Kind aus den Augen verlieren.  Jeder von uns ist mit Regeln aufgewachsen und das ist auch gut so, also warum damit aufhören?  Auch wenn es vielleicht erstmal anstrengender ist wird es sich irgendwann auszahlen. Regeln und Strukturen geben Kindern Halt und Orientierung und das sind zwei Sachen die niemals fehlen sollten.

Wie ist eure Meinung dazu? Könnt ihr Kathi zustimmen oder möchtet ihr etwas ergänzen?

 

 

 

 

 

 

 

 

kathi

Sozialassistentin Erzieherin Fachwirtin für Erziehungswesen Tagesmutter

2 Gedanken zu „Regeln sind wichtig für die Eltern-Kind-Beziehung – 2

  1. Das sind sich sehr wahre Ansichten und Erfahrungen. Nur in einem möchte ich ergänzen… ich bin nicht der Meinung, dass die Regeln überall gleich sein müssen. Sie können bei Oma und Opa anders sein als zu Hause und auch bei mir gibt es sicher ein paar andere Regeln als zu Hause. Das lernen die Kinder sehr schnell zu unterscheiden. Und dass die Kinder in der Abhol- und Bringsituation manchmal so krass reagieren liegt vorrangig an der völlig anderen Bindung den Eltern gegenüber. Ich bin ziemlich klar, Mütter hingegen lassen sich schneller verunsichern und reagieren emotional auf ihre Kinder. Das liegt nun mal in der Natur und die Kinder spüren das! Das muss nicht an fehlenden Regeln liegen. In der Erziehung sollte man ähnliche Ziele verfolgen, aber die Methoden können abweichen. So auch bei den Regeln.

  2. Grundsätzlich einverstanden, aber eben nur grundsätzlich. Kinder brauchen Regeln, dem stimme ich zu. Aber eben nicht nur einheitliche, allgemeingültige Regeln. Weitergehend als Ariane würde ich sogar sagen, es ist äußerst wichtig, dass Regeln personengebunden erfahren werden dürfen, denn erst das führt letztlich dazu einzelne Menschen auch als eigenständige Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Bedürfnissen wahrzunehmen und – für mich ganz wichtig- zu lernen, Regeln zu hinterfragen, eigene und fremde Bedürfnisse zu erkennen und dadurch Kompromissfähigkeiten zu fördern.

    Im besten Falle, gibt es m.E. übereinstimmende und unterschiedliche Regeln bei den einzelnen Personen.

    Allerdings stelle ich auch immer wieder fest, dass viele KTPPs Schwierigkeiten damit haben, ihre eigenen Regeln im Beisein der Eltern oder gegenüber den Eltern durchzusetzen. Dazu gehört für mich auch, um beim Beispiel zu bleiben, den Eltern deutlich zu verstehen zu geben, dass es für mich nicht okay ist, wenn sie täglich 20 Minuten über die Betreuungszeit hinaus im Flur sitzen, weil sich ihr Kind nicht anziehen lassen will. Auch dies ist ein Problem von Regeln und Kompromissfähigkeit. Oftmals machen wir es uns dann sehr leicht und schreiben dieses Verhalten der Inkonsequenz der Eltern zu statt hier auch unsere Bedürfnisse gegenüber den Eltern deutlich zu machen…..

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