Regeln in der Tagespflege – 1

Das Thema Regeln ist ein sehr wichtiges, wenn es um die Betreuung von Kindern geht. Wie viel Regeln sind angemessen, wie werden diese eingehalten und was ist unnötig und schränkt ein? Wir versuchen in dieser Reihe einige Meinungen von Tagespflegepersonen aufzuzeigen und euch so einen breiten Überblick zu verschaffen.


Den Anfang macht Ariane Schneider-Müllenstädt, staatlich anerkannte Erzieherin und Tagespflegeperson

Es gibt Eltern, die behaupten, ich sei streng.

Aber was heißt streng? Wie können wir unsere Kinder heutzutage zu selbstbewusste aber auch respektvolle Menschen erziehen? Die Eltern wundern sich oft, dass die Kinder bei mir so gut hören und keinen „Blödsinn“anstellen, mir nicht auf der Nase rumtanzen. Manche sind sogar frustriert, wenn die Kinder nur beim Erscheinen der Mutter plötzlich zu kleine Tyrannen werden, was sie bei mir so gut wie nie sind. Woran liegt das? Ich rede immer gerne von „liebervoller Konsequenz“.

Mein Alltag ist nach wiederkehrenden Ritualen und zeitlichen Abläufen geregelt. Die Kinder lernen das schnell und bestehen darauf. So haben sie die Sicherheit, sich auf das Spielen und Lernen zu konzentrieren. Es gibt natürlich Regeln, die uns begleiten. Aber ich stelle mich nicht hin und erkläre mit erhobenen Zeigefinger, sondern ich beginne vom ersten Tag der Eingewöhnung an mit Ich-Botschaften, was ich möchte, was ich nicht möchte, was ich gut finde, was ich nicht gut finde, was ich besser finde.

Ich versuche das Wort „NEIN“ zu vermeiden. Bei Grenzüberschreitung oder drohender Gefahr rufe ich eher mal lauter „STOP“! Die Kinder reagieren sofort! Es gibt wenige Tabouzonen und Situationen, die ich „untersage“: z.B. wird sich der Jahreszeitentisch (Dekoration) nur angesehen, nicht angefasst. Ich möchte nicht, dass mit harten Gegenständen geworfen wird, dass Kinder mit Sachen ins Bett klettern, andere Kinder (oder gar mich) beißen oder hauen, und ich möchte nicht, dass mit Essen geworfen wird.

Achtung allen Lebewesen gegenüber, Wertschätzung von Hab und Gut sowie Nahrung – das lernen die Kinder bei mir, aber vorrangig durch mein Handeln, ich bin ihr Vorbild und ich achte sehr darauf. Ansonsten ist alles so gesichert, dass ich nichts verbieten muss. Dass die Kinder bei den Eltern oft anders reagieren liegt an der Bindung, die sie zu den Eltern, vor allem zur Mutter haben. Und das ist auch gut so! Man sollte jedenfalls niemals die Eltern in ihrer Unsicherheit bestärken, sondern darauf hinweisen, wie wichtig und richtig es ist, dass die Kinder ihre Bindung immer wieder auf die Probe stellen. Ich reagiere doch längst nicht so emotional auf das Verhalten der Kinder, wie die Eltern (obwohl ich sie wie meine eigenen behandle :-)).

Das Verhalten der Kinder spiegeln, das ist eine Kunst und die Reaktionen verblüffend. Ein Beispiel: Ein Junge beißt einen anderen Jungen zu wiederholtem Male. Meine Reaktion: „Hast du Hunger? Wolltest du mal von…. kosten? Aber den kann man doch nicht essen!“ Weit aufgerissene Augen, so verblüfft war der Junge und von da an wurde es seltener bzw. die anderen Kinder reagierten jetzt auch so darauf. Übrigens bin ich der Meinung, dass es unterschiedliche Formen von „Regeln“ gibt. Die einen kann man aufstellen, durch eigene Erfahrungen aber eben auch erfahrbar machen lassen (nicht die Kerze anfassen, ist heiß! – kann man kontrollierbar erfahren lassen… ) die anderen gehören zum Leben und Alltag einfach dazu (Hände waschen, Zähne putzen, Aufräumen).

Werden Regeln gebrochen, sollte man „Strafen“ vermeiden. Meistens sind die Kinder durch ihre eigenen Reaktionen oder die der anderen Kinder schon genug gestraft. Anschreien oder gar handgreiflich werden ist ein absolutes Tabou. Gleiches mit Gleichen regeln, das ist optimal. Wurde etwas kaputt gemacht, versuchen wir es zu reparieren. Wurde wieder nicht aufgeräumt, finden die Kinder ihr Spielzeug nicht mehr oder es ist plötzlich im Urlaub. Wird mit Essen gespielt, gibt es nichts mehr zu essen… Man könnte noch viel mehr zu dem Thema schreiben.

Wie sind eure Erfahrungen damit im Alltag?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

3 Gedanken zu „Regeln in der Tagespflege – 1

  1. Dein Beitrag ist für mich ausgezeichnet. Ich bin seit 11 Jahren qualifizierte Tagesmutti in Erfurt/
    Thüringen. Habe eine 17 jährige Tochter. einen Mann und einen Hund. Ich betreue meine Kinder
    im eigenen Haus mit Garten und extra Spiel und Schlafzimmer.
    Du sprichst mir aus dem Munde.Ich sehe und stelle fest,dass wir viel gemeinsam haben.
    Es ist ein gutes Gefühl zu lesen, wie es andere
    TM Handhaben und das wir doch auch aus eigener Erfahrung den richtigen, gut bewährten,
    gut strukturierten Tagesablauf weiter gehen.
    Viele Kinder sind nach dem We erst mal durch
    den Wind.Warum wissen wir.
    Hast du sehr gut geschrieben.

  2. Danke Ingrid, es bestärkt einem in dem, was und wie wir es tun. Dafür ist die Vernetzung unverzichtbar und ich kann viel davon mitnehmen. Ich bin auch nicht perfekt und es gibt auch mal schlechtere Tage, jedoch habe ich gelernt, mir selber den Spiegel vorzuhalten und mich mit Hilfe der Kinder weiterzuentwickeln. Das finde ich noch wichtig dabei. Außerdem muss ich aus Erfahrung sagen, dass mir persönlich dieser geregelte Tages- und Wochenablauf sehr geholfen hat, mich zurecht zu finden.

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