Leistungsgerechtigkeit – Reicht der Mindestlohn?

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in ganz Deutschland flächendeckend ein Mindestlohn von 8,50 Euro. Dieser gilt natürlich nur für Angestellte und nicht für uns selbstständige Tagespflegepersonen, aber einen Orientierungspunkt für unsere Bezahlung bietet dieser schon. Wie kann man den Mindestlohn in einem Vergleich zum Tagespflegeentgelt bringen? Und reicht der Mindestlohn überhaupt zum Leben? Wie viel Geld pro Kind und Stunde würde das für uns bedeuten?


Wir haben eine riesige Verantwortung. Wir müssen auf das Leben von kleinen Menschen aufpassen. Wir sind (mit) dafür verantwortlich, dass aus ihnen glückliche Kinder werden, die gerne die Welt erkunden und ein gesundes Sozialverhalten zeigen. Wir bereiten sie auf den Kindergarten vor. Wir legen mit den Eltern zusammen den Grundstein für ein glückliches, selbstständiges Leben. Und wir werden dafür auf unterstem Niveau bezahlt.

Hier ein Beispiel: Eine Tagespflegeperson bekommt vielerorts nur um die 3,98 Euro pro Stunde und Kind. Nach Abzug der Betriebskosten bleibt der Tagesmutter/-vater nur noch 2,25 Euro pro Kind und Stunde.

Zu berücksichtigen ist, dass der Mindestlohn den BRUTTOlohn eines Angestellten darstellt. Um ihn mit dem Tagespflegeentgelt vergleichen zu können, ist es notwendig vorher die Betriebskosten abzuziehen. Ein Angestellter hat diese Kosten nicht. Wir vergleichen den Mindestlohn also nur mit der Förderleistung.

Wenn wir den Mindestlohn auf unsere Situation in Würzburg beziehen (3,98 Euro/Stunde und Kind), ergibt sich folgende Rechnung:

Förderleistung inkl. Qualifizierungs-zuschlag

Monat

Stunde (173 Stunden)

Zwischen-summe Förderleistung

Stunden“lohn“

Förderleistung Kind 1

390 Euro

2,25 Euro

390 Euro

2,25 Euro

Förderleistung Kind 2

390 Euro

2,25 Euro

780 Euro

4,50 Euro

Förderleistung Kind 3

390 Euro

2,25 Euro

1170 Euro

6,75 Euro

Förderleistung Kind 4

390 Euro

2,25 Euro

1560 Euro

9,00 Euro

Förderleistung Kind 5

390 Euro

2,25 Euro

1950 Euro

11,25 Euro

Summe Förderleistung

1950 Euro

11,25 Euro

 

In dieser Rechnung wurde natürlich noch nicht berücksichtigt, dass eine Tagespflegeperson selbstständig ist und Rücklagen für Ausfälle und Krankheit bilden muss. Diese Ausgaben sind mit dem Mindestlohn nicht zu bestreiten.

Laut einer Umfrage betreut eine Tagesmutter oder ein Tagesvater in Deutschland im Durchschnitt 3,7 Kinder. Also exakt so viel, dass mit einem Stundensatz von 3,98 Euro der Mindestlohn erreicht werden kann – vorausgesetzt, diese Kinder werden alle gleichzeitig betreut.

Eine Tagespflegeperson, die 4 Kinder betreut, kommt bei einem Stundensatz von 3,98 Euro pro Kind über den Mindestlohn – dieser reicht für eine Alleinstehende, Vollzeit arbeitende Person aus – aber nicht für Selbstständige. Und schon gar nicht für eine Tagesmutter oder einen Tagesvater. Allein stehend sind wohl die Wenigsten von uns.

Eine leistungsgerechte Bezahlung für Tagespflegepersonen muss also über dem Mindestlohn liegen, weil wir nicht alleinstehend sind, weil wir selbstständig sind und deshalb Rücklagen bilden müssen und weil unsere Arbeit mehr wert ist als unterstes Lohnniveau!

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

16 Gedanken zu „Leistungsgerechtigkeit – Reicht der Mindestlohn?

  1. Liebe Jenny, zum Thema Mindestlohn hatte ich zu Beginn des Jahres auch bereits geschrieben. Der Vergleich Mindestlohn und KTP ist in sofern schwierig, da Selbstständige so als solches keinen Anspruch auf Mindestlohn haben. Es ist leider auch nicht leicht pauschal zu sagen, dass wir nicht alleinstehend sind. Alleine aus meinem Umfeld hier kenne ich mehrere, die alleine sind und keine Kinder haben und in der KTP arbeiten. Und ist es wirklich so, dass wir so bezahlt werden müssen, dass wir Rücklagen bilden können? Natürlich muss es möglich sein, zu renovieren, neue Anschaffungen zu tätigen etc. Aber in wessen Verantwortung fällt das? Ist es die Aufgabe der Jugendämter unsere Vergütung so zu gestalten, dass wir existenzsichernd leben können und auch wirtschaftlich so arbeiten können, dass wir einen satten Überschuss haben? Oder ist es nicht in unserer Verantwortung, so zu kalkulieren und zu belegen, dass wir davon auch leben können? Nehme ich mal eine junge Kollegin von mir als Beispiel: Sie arbeitet in einer GTP, hat 2 weitere Kolleginnen und arbeitet aus Überzeugung nur mit vier Kindern, statt mit 5. Lange Zeit hatten sie nur 4 Tage in der Woche geöffnet. Der Gewinn der drei TPP wäre ohne zusätzliche Zahlungen der Eltern sehr mau. Für Mehraufwendungen dürfen wir den Eltern hier die reinen Kosten berechnen. Hier wurde die Mehraufwendung „kleine Gruppe“ geltend gemacht, die Miete kam anteilig nur von vier Eltern und nicht von fünf, aus freien Stücken. Diese Mehraufwendung wurde seitens der Behörde angemahnt. Vorderrangig muss auch bei uns der Gedanke der Wirtschaftlichkeit herrschen. Kann ich mir mein Konzept, meine Räume leisten? Rechnet es sich? Ich habe viel über unsere Arbeit in den letzten Wochen nachgedacht. Natürlich möchten die wenigsten nur 8,50 an Verdienst haben. Aber ich kann die Vergleiche mit Angestellten unterschiedlichster Berufe nur noch begrenzt hören. Wenn wir erreichen wollen, dass wir vernünftig bezahlt werden, müssen wir uns frei machen von Vergleichen und Mindestlöhnen. Wir müssen aufzeigen, was unsere Arbeit wert ist. Wir müssen deutlich machen, dass unsere Arbeit nicht vergleichbar mit der von Erziehern und anderen pädagogischen Berufen ist…..und vor allem müssen wir vor allem erstmal unsere Ausbildung zu einer wirklichen Ausbildung heranwachsen lassen. Nur mit einer qualifizierten und fundierten Ausbildung (und damit meine ich weder 160 noch 300 Stunden) kann man sich gerade machen und sagen: Ich verdiene es, mehr zu verdienen, als die mickrigen 8,50 Mindestlohn……Alles andere vorher ist nur schwer zu begründen. Denn man kann es drehen und wenden, wie man will: Zu einer guten Bezahlung gehört eine gute Ausbildung!….

  2. Ich kann es aber genauso wenig hören, dass immer auf eine gute Ausbildung gepocht wird. Das ist so typisch deutsch! Sicher ist eine Ausbildung sinnvoll, aber nicht der Garant für eine gute Qualität! Es gibt ausgebildete Erzieher, die möchte ich nicht auf Kinder loslassen. Es gibt aber auch erfahrene TPP, die besser sind , als angeblich qualifizierte Kräfte. Eine anerkannte Prüfung und regelmäßige Kontrollen wären sinnvoller. Anerkennung in der Öffentlichkeit, auch über die Eltern, dass wünsche ich mir. Sicherlich die Anerkennung auch finanziell, ich mache es ja nicht nur zum Spaß. Aber als Selbstständige auf Mindestlohn zu pochen, finde ich auch schwierig. Man weiß doch auch vor Beginn der Tätigkeit bereits, was einen erwartet und muss wissen, ob es zum Leben reicht. Das soll jetzt keine Entschuldigung für eure schlechten Tarife sein, aber dagegen muss man erst einmal argumentieren.

  3. Bei uns dürfen wir seit 1.8.2014 von den Eltern keine zusätzlichen Beiträge mehr nehmen. Auf der anderen Seite gelten wir als selbständig, müssen aber von den Sätzen leben, die das Jugendamt uns zugesteht. Das finde ich relativ schwierig. Als ich als Tagesmutter angefangen habe, gab es diese Klausel noch nicht, daß keine Zuzahlungen genommen werden dürfen, also das Argument, daß wir alle vorher wussten, was uns erwartet, kann ich so nicht stehen lassen…

    1. Christine: Das finde ich eine Frechheit und wäre mal einen Ganz zum Anwalt wert 😉 Ich arbeite mit dem Familien-Service-Büro zusammen aber auch frei, d.h. z.Zt. betreue ich an zwei Vormittagen ein Mädchen die den Stundensatz kompeltt alleine bezahlen, weil Ihnen dann nämlich auch das Betreuungsgeld zusteht. Ich arbeite nicht unter 5 Euro/Std. Wenn mir das FSB so etwas vorschreiben würde, hätten sie eine Tagesmutter! Lass dich nicht unterkriegen.
      Sandra

  4. Ariane natürlich ist eine gute Ausbildung kein Garant dafür, dass man alles richtig und gut macht. Dennoch muss man Maßstäbe einführen, die sich von dem bisherigen abheben. Schaut euch mal um und seid ehrlich: Welcher Tagesmutter aus eurem Umfeld würdet ihr bedingungslos eure Kinder geben? Jeder? Ich würde mal sagen, sicherlich nicht. Ausbildung ist kein Garant, schafft aber ein Bewusstsein und vor allem setzt es endlich mal Maßstäbe, dass wir wirklich ein Berufsbild schaffen wollen. Christine hat insofern Recht, dass gerade TPP, die schon lange dabei sind, viele Änderungen in den letzten 10 Jahren durchleben mussten. In den wenigsten Kommunen war die Vergütung in der KTP klar reguliert. Dennoch finde ich es gut, wenn Zuzahlungen, die ins uferlose gehen, nicht mehr geduldet werden. Das es einen Mittelweg gibt, zeigen manche Kommunen, in denen Mehraufwendungen den Eltern in Rechnung gestellt werden dürfen. Allerdings meistens nur die reinen Sachkosten. Portfolioarbeit ist zum Beispiel ein solcher Punkt: Ich darf die Materialkosten den Eltern in Rechnung stellen, die Zeit aber, die ich investiere nicht. Hier sollten die Jugendämtern durchaus die Zeit vergüten, was leider seltens der Fall ist. Wir wollen Ernst genommen werden, wir wollen anständig bezahlt werden, wir wollen ein eigenes Berufsbild: Der Schlüssel dazu liegt in der Ausbildung. Mit Recht sagt Jenny, sie möchte leistungsgerecht bezahlt werden, sie ist Erzieherin. Sie hat eine jahrelange Ausbildung hinter sich. Das gleiche Geld zu erhalten, wie eine TPP, die nach 160 Stunden als TPP arbeiten darf, ist aus dem Blickwinkel der Qualifikation ungerecht. Die anderen sollen jetzt nicht weniger erhalten, sondern die mit einer entsprechenden Ausbildung mehr. Im gesamten Arbeitsleben ist es so, dass die Menschen mit einer höheren Qualifikation entsprechend mehr verdienen. Und nur weil man schon eine halbe Ewigkeit als TPP arbeitet, ist das ebenso kein Garant für Qualität…denn man kann eine halbe Ewigkeit auch schlecht gewesen sein. Auch davon kenne ich leider mehrere…..

    1. Bei uns ist es so geregelt und wir bekommen mit einer entsprechenden Qualifikation auch mehr Geld. Für mich hat sich die Erzieherausbildung bezahlt gemacht und ich kann mir jetzt Räumlichkeiten leisten. Dafür sollte es einheitliche Regelungen geben! Daran scheitert es ja überall. Und wenn sich die Kommunen das nicht keisten können, wer bezahlt das? Die Eltern werden wohl kaum nur für die Betreuung ihrer Kinder arbeiten gehen.
      Sehr frustrierend finde ich natürlich, wenn sich Bedingungen auch noch verschlechtern, das geht ja mal gar nicht – ich bedaure das, Christine!

  5. „Weiß gar nicht was ihr habt – bin voll zufrieden
    Bin ungelernte Hausfrau und betreue 2 Kinder von 8:00-12:00.
    Gebe nichts aus für Miete, Spielsachen, Bastelsachen, Einrichtung. Die Kinder werden vor dem Mittagessen abgeholt – kostet mich also auch nichts. Trotzdem kann ich die Pauschale abziehen und komme so auf knapp 400 Euro netto (pro Stunde über 4 Euro netto). Ist doch ganz einfach verdientes Geld.
    Meine Kollegin nebenan ist Erzieherin, investiert viel Geld in spezielle Kinderbetten, gesunde Ernährung und anderes. Sie arbeitet auch mit 2 Kindern – aber von 8:00-15:00. Sie muss alle Versicherungen zahlen und hat unterm Strich weniger Geld als ich (grad mal 2 Euro netto).
    – Da wäre ich doch schön blöd, wenn ich anders arbeiten würde“

    Zum Verständnis: das war IRONISCH gemeint!!
    Ich bin auch keine ungelernte Hausfrau. Aber das Beispiel soll deutlich machen, dass manche Behörden eine hohe Qualität überhaupt nicht haben wollen.

    Die Frage, die ich mir stelle ist: Wie kann man das ändern?

    1. Liebe Saskia,
      Genau solche Argumente sind es, die unsere Arbeit – auch bei den Eltern- in ein falsches Licht setzten!!
      Ich z.B. arbeite nach einen bestimmten Konzept und das transportiere ich auch den Eltern. Die mit mir hochzufrieden sind. Aber das lasse ich mir auch bezahlen. Punkt! „Meine Eltern“ zahlen das gerne.

      1. Dein Weg ist schon richtig.
        Aber was machst Du, wenn Dein Jugendamt den Eltern verbietet Deine Leistung separat zu bezahlen?
        Es muss nur ein Hinweis in der Art kommen, dass bei Zuzahlung die komplette Förderung entfällt und die Eltern alles selber zahlen müssen – und schon kannst Du mit den Eltern diskutieren, ob die Aussage des „Amtes“ richtig oder falsch ist. Wenn dann die Eltern nichts mehr extra zahlen dürfen oder wollen – dann kommt man ins Grübeln, warum man denn nach einem Konzept arbeitet, bei dem zwar die Eltern zufrieden sind, man aber weniger Verdienst hat.

  6. Es müsste ein einheitliches Bezahlsystem in Deutschland geben. Gestaffelt nach Qualifikation. Und der Lohn müsste viel höher sein als er es jetzt ist. Hat man 5 Kinder die man möglichst Vollzeit betreut, dann mag das Ganze funktionieren. Betreut man weniger Kinder oder / und mit weniger Stunden…dann braucht man einen Partner, der ebenfalls Geld verdient. Sonst kann man von dem erarbeiteten Geld leider nicht leben. Es sei denn, man muss keine Miete oder weitere Kosten zahlen und hat einen Lebenssponsor. Das Ganze muss zeitnah erfolgen und nicht erst in ein paar Jahren. Denn, was machen wir bis dahin? Noch einen Job dazu annehmen, damit es zum Leben reicht? (Kein Witz, durfte ich während einer mauen Anfragezeit auch schon machen.) Wir leisten sehr gute Arbeit. Eine Arbeit die sich in unser Privatleben zieht und dieses zum Teil stark beeinflusst. Wir bezahlen sehr viel für die tägliche Arbeit aus eigener Tasche. Wir sind selbstständig? Scheinselbstständig trifft es wohl eher! Selbstständige entscheiden selbst, was für extra Zahlungen sie mit den Eltern vereinbaren. Da hat sich niemand einzumischen. Die Aufgabe des Jugendamtes sollte es sein, Tagesmütter zu prüfen, die Pflegeerlaubnis zu erstellen und die Anträge der Eltern zu bearbeiten. NICHT aber, uns Tagesmüttern Vorschriften hinsichtlich unserer Arbeit zu machen!

  7. So einfach ist es aber nicht Nicole. Wir arbeiten in einem sozialen Dienstleistungssektor und unsere Arbeit fällt in den Bildungsbereich für Kinder. Bildung muss allen Kindern aus allen Schichten der Gesellschaft offen stehen. Von daher ist es notwendig, dass es Reglementierungen gibt. Diese Reglementierungen gibt es ebenso im Kita Bereich. Und das Argument, wir sind selbstständig heißt nicht immer, freie Preisgestaltung. Schau dich um, viele Branchen haben Gebührenordnungen, Ärzte und Anwälte gehören auch dazu. Ärzte sind das beste Beispiel: Öffentliche Kassenpatienten sind mit festen Etats verbunden, Privatpatienten können andere Rechnungen bekommen. Genauso ist es auch bei uns. Wer die öffentlichen Regulierungen nicht dulden möchte, der muss sich auf private Kinder konzentrieren. Zudem muss auch das Jugendamt die Qualität gewährleisten können und das geht nur mit Kontrolle und entsprechenden Regeln. Nichts anderes passiert auch im Kita Bereich. Kitas haben feste Gebührensätze, dürfen nicht mehr nehmen. Private Einrichtungen können sich vom öffentlichen System abkapseln und eigene Tarife entwickeln. Jeder Betrieb, jede Einrichtung amortisieren sich am ehesten bei voller Auslastung und das ist bei uns nicht anders. Das Argument, wir müssen auch davon leben können, wenn wir weniger Kinder haben, ist nicht zugkräftig, denn dafür sind einzig und allein wir selber verantwortlich. Hamburg erlebt gerade einen Aufschwung in den Nachfragen, in allen Stadtteilen haben wir erhöhte Nachfragen. Man man muss auch immer bereit sein, zu reflektieren, warum man nicht ausgebucht ist, wo seine Schwächen sind, wo muss oder sollte man etwas ändern. Und einen Fehler machen sehr, sehr viele: Sie konzentrieren sich viel zu sehr auf die reinen Gelder. Dabei umfassen unsere Arbeitsbedingungen viel mehr. Das Geld ist das eine, aber die genaue Gestaltung die andere: Vergütung bei Krankheit, Urlaub, Fortbildungen, Vertretungskosten etc.. All diese Faktoren fließen mit ein in die Berechnung. Ein hoher Stundenlohn, aber ein mieses Drumherum macht es nicht besser.

  8. Ärzte sind tatsächlich das beste Beispiel:
    Die dürfen natürlich auch von Kassenpatienten zusätzliches Geld verlangen – das machen alle! Dazu bieten sie einfach irgendwas, was nicht einmal kontrolliert wird und in der Wirkung oft höchst umstritten ist und verkaufen das als besondere ärztliche Leistung. Für diese „IGeL“-Leistungen stellen sie dann den Kassenpatienten eine separate Rechnung. Ist tägliche Praxis und ganz normal. Regt sich auch keiner darüber auf.

    Auf uns übertragen würde das bedeuten:
    Eine Tagesmutter betreut öffentlich geförderte Kinder. Jetzt bietet sie zusätzliche Leistungen an, die nicht kontrolliert werden und vielleicht sogar umstritten sind. Und für diese Leistungen kann sie dann von den Eltern Geld verlangen.

    Jetzt kommt üblicherweise der Aufschrei: Es geht hier aber um Kinder!! Außerdem bekommt die Tagesmutter öffentliche Gelder. Und der Arzt? Der arbeitet mit unserer Gesundheit! Und auch er bekommt öffentliches Geld.
    Wo genau ist denn da der Unterschied?

    Aus Unsicherheit (Angst?) gehen viele Ämter daher den radikalen Weg und verbieten einfach alles – kontrollieren dafür umso mehr. Und damit ist die Tagesmutter eben nicht mehr selbständig in ihrer Arbeit oder dem Verdienst – Sie hat es einfach nicht mehr in der Hand.

    Und noch ein Gedanke:
    Unsere Arbeit verursacht Kosten. Die muss irgendjemand bezahlen. Es sind aber nur die Eltern, das Jugendamt und die Tagesmutter im Boot. ABER: Ein normaler Krippenplatz kostet fast 10.000 Euro pro Monat und ist damit viel teurer als ein Platz in Kindertagespflege.
    Wieso ist es denn so schwer, das eingesparte Geld vernünftig einzusetzen?

  9. … und auch öffentliche Kitas mit den „festen Gebührensätzen“ kassieren teilweise kräftig ab.

    Was ich da schon alles erlebt habe:
    -pauschale Verwaltungskosten bei Abschluss des Vertrages
    -Unkostenpauschale für Hygieneartikel
    -separates Verpflegungsgeld
    -Kopiergeld, Bastelgeld, Beiträge für Neuanschaffungen von Spielmaterial
    -Sachspenden, Bücherspenden, Spenden von Wechselkleidung
    -Sonderbeitrag fürs Sommerfest
    -„freiwillige“ Kuchenspenden, Obstspenden
    -GEMA-Beitrag für kopierte Liederzettel
    -Schenkung von privaten nicht mehr benötigten Spielsachen (die aber unbenutzt sein sollen)
    -Spende von Plätzchen, Lebkuchen und Baum fürs Weihnachtsfest
    -„freiwillige“ Arbeitsleistung beim Renovieren der Kita, Kuchenbacken und Gartenpflegen

    Ganz ehrlich: Hab ich nichts dagegen. Finds teilweise auch positiv, wenn man mit anderen Eltern sich für die Kita einsetzen kann. Kommt ja auch dem eigenen Kind zugute.

    Aber im Bereich Kindertagespflege ist das teilweise undenkbar.

  10. Saskia, Mauscheleien gibt es überall, egal in welchem Bereich. Sei es der Handwerker, der cash auf die Hand schnell etwas richtet, oder Einrichtungen, die gerne mal die ein oder andere Spende anfordern. Bietet eine Kita oder Tagesmutter eine Sonderleistung an, die mehr kostet, so müssen die Eltern immer die Wahlmöglichkeit haben. Und unkontrollierbare Extra Angebote gibt es hier nicht, da wird sehr genau geprüft, wofür jemand Gelder für sogenannte Mehraufwendungen nimmt. Die Höhe dafür ist reglementiert, so dass es nicht ausufern kann bzw. sollte. Es geht auch nicht darum, den Weg der Mauscheleien aufzuzeigen, sondern den rechtlich fundierten Weg. Die Summe 10.000 für einen Krippenplatz ist gelinde gesagt horrender Blödsinn. Ein Krippenplatz kostet hier (Hamburg) insgesamt etwas über 1000 Euro monatlich / Ganztagsplatz. Einen Bruchteil dessen (max. rund 200 Euro) tragen die Eltern, den Rest die Stadt. Zur Gegenüberstellung: Ein vergleichbarer Platz bei einer TPP kostet insgesamt 750 (davon tragen die Eltern max. 175 Euro), hinzu kommen die häftigen Zuschüsse für die Sozialversicherungen, macht insgesamt eine Summe von fast 1000 Euro, ausgegangen von einer vollen Gruppe. Der Unterschied ist nur noch minimal. So gesehen, fällt das Argument, die KTP sei für die Kommunen so viel billiger, mehr oder weniger unter den Tisch.

    Nun zu den Eltern in der KTP: Spenden sind auch hier keine Seltenheit: Von Büchern hin zu Parkgaragen, gesponserten Ausflügen etc. habe ich hier alles schon gehabt. Wie gerne Eltern etwas geben oder auch geben können, hängt auch immer ein bisschen von einem selber ab. Allerdings habe ich diese nie angefordert, sondern die Eltern haben es von sich aus gemacht.

    Zudem muss man weg von der Berechnung und dem Denken in reinen Stundenlohnschmemata, sondern hin zum Blick für das Gesamte….Das ist viel wichtiger. Das Gesamtpaket muss stimmig sein, nicht nur die Vergütung als solches

  11. Mag sein, dass ich ne Null überlesen habe. Ist ja auch nachts immer so spät.

    Dennoch wird immer eines übersehen: Die Tagesmütter bringen den Betreuungsplatz quasi kostenlos mit.
    Aktuelles Beispiel: Neubau einer Kindertagesstätte mit Krippe: Investitionskosten 3,5 Mio Euro für 60 Betreuungsplätze. Da zahlt die Stadt also pro Betreuungsplatz knapp 60.000 Euro. Und da sind die laufenden Kosten (Strom, Heizung) oder auch die Personalkosten (Erzieher) nicht mit drin!

    Wenn die Kinder stattdessen von Tagesmüttern betreut würden, spart die Stadt also für jedes Kind 60.000 Euro.
    Und jetzt nochmal die Frage: wieso ist es so schwer, das eingesparte Geld vernünftig einzusetzen?
    Viele wären doch schon froh, wenn die Erstausstattung vom Amt übernommen werden würde.

    Anderes Thema:
    Zitat: „Das Gesamtpaket muss stimmig sein, nicht nur die Vergütung als solches“ – da geb ich Dir vollkommen Recht. Wenn aber das Drumherum nicht passt, dann schaut man automatisch auf den Stundenlohn.
    Beispiel: Ein Jugendamt droht mit dem Entzug der Pflegeerlaubnis, wenn die Eltern (natürlich freiwillig) Spenden geben – da stehste als „selbständige“ Tagesmutter schnell dumm da.

    Noch ein anderes Thema:
    Noch vor einigen Jahren gab es in der Umgebung etliche Tagesmütter, die ohne Pflegeerlaubnis Kinder betreut haben. Die haben damals schon 5 Euro verlangt und bekommen, ohne Fortbildungsverpflichtung, ohne 1.Hilfe-Kurs – ohne Auflagen. Selbst als dann die Pflegeerlaubnis zur Pflicht wurde war das noch vom Amt geduldet. Aber alle Tagesmütter, die neu anfingen mussten die Auflagen einhalten. Die jetzigen Kolleginnen sind alle deutlich besser ausgebildet, halten mehr Auflagen ein und machen regelmäßige Fortbildungen. Sie bekommen aber viel weniger „Lohn“ – sogar wenn man eine Erzieherin ist. Das ist nicht in Ordnung.

  12. Das quasi kostenlos mitbringen, stimmt auch nur bedingt. Es gibt viele Kommunen, die die Ausbauten und Umbauten in der KTP ebenso gefördert und bezuschusst haben, wie im Kita Bereich. Hier konnten Umbau und Neubaumaßnahmen ebenso gefördert werden, wenn dadurch neue Plätze geschaffen wurden. Ist dieses nicht der Fall, dann muss man sich dafür einsetzen, dass die Gelder nicht nur dem Kita Bereich zufließen. Und man muss voneinander trennen: laufende Kosten und erste einmalige Kosten. Die einmaligen Kosten werden größtenteils mit den Gelder vom Bund gefördert, die laufende Kosten müssen die Kommunen alleine tragen. Es sind unterschiedliche Geldtöpfe.
    Ich gebe dir Recht, dass viele lange zugeschaut haben und vieles geduldet haben. Lange Zeit spielten sicherlich die mangelnde Plätze eine Rolle. Es gibt aber auch durchaus Fachberater und Jugendämter, die diesen schwarzen Schafe im Blick haben und massiv dagegen vor gehen.

    Es bringt auch nichts die Ämter immer zu verteufeln. Die Menschen machen dort letztendlich nur ihre Arbeit und haben ihre Vorschriften. Ich kann nur sagen, wenn man das Miteinander sucht, anfängt Vorurteile abzubauen und die Jugendämter nicht als Feind zu sehen, erreicht man deutlich mehr.

    Wir haben einen respektvollen Umgang miteinander erreicht. Bisher war es immer so, dass ich die Entscheidungen der Jugendämter bei Einschränkungen anderen Kolleginnen gegenüber fast immer nachvollziehen konnte. Im Gegenteil, ich wünsche mir bei manchen mehr, noch ein entsprechendes Durchgreifen…….

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