Können wir auf euch zählen?

Ich bin gerade frustriert. Ich engagiere mich derzeit so sehr für die Interessen von Tagespflegepersonen, ich treffe mich mit Politikern, ich habe mit den Würzburger Tagesmüttern eine Regionalgruppe gegründet, ich versuche andere Tagespflegepersonen zu informieren (über den Blog und natürlich auch privat), außerdem klage ich gegen Stadt und Landkreis Würzburg bezüglich einer leistungsgerechten Bezahlung. Ich höre so oft „Das ist toll, was du machst. Du setzt dich für uns ein.“ Diesen Zuspruch brauche ich, aber leider bleibt es oft bei diesen Worten. Ich bekomme wenig Unterstützung und wenige realisieren die Brisanz der Lage.


Meine Klage auf leistungsgerechte Bezahlung wurde vor dem Verwaltungsgericht Würzburg am 15.01.15 abgewiesen. Die Argumente des Richters, dass wir Tagespflegepersonen schon genug Geld bekommen, überzeugen mich zwar nicht, aber ändern kann ich das Urteil auch nicht. Sollte mein Urteil rechtskräftig werden hätte das sehr ungünstige Auswirkungen für alle Tagespflegepersonen in ganz Deutschland, weil sich andere Jugendämter dann darauf berufen könnten. Es würde den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe sogar eine Rechtfertigung liefern um uns mit Hilfe von Knebelverträgen beliebig kleine Stundensätze und willkürliche Regeln aufzuerlegen. (Anm.: 3,98 Euro sind seiner Meinung nach leistungsgerecht!)

Nachdem ich aktuell keine Betreuungsvereinbarung mit dem Jugendamt unterschreiben kann, bekomme ich derzeit keine Förderung mehr. In der Folge bin ich trotz meiner Ausbildung als Erzieherin und langjähriger Berufserfahrung in Krippen und Kindergärten keine qualifizierte Tagesmutter mehr. Nur weil ich diesen, für uns nachteiligen Vertrag nicht unterschreibe. Ich kann mir aber nicht derart in meine Selbstständigkeit reinreden lassen. Wir sind Selbstständig! Das wird oft genug zitiert, wenn es um unangenehme Dinge wie Rücklagen etc. geht. „Darum müssen Sie sich selber kümmern, Sie sind ja selbstständig“. Aber welche Rechte haben wir? Wir werden gezwungen diesen Vertrag zu unterschreiben, der uns in in unseren Rechten unangemessen einschränkt. Wir dürfen kein zusätzliches Geld von den Eltern nehmen; uns kann gekündigt werden, sobald wir einen Platz ein Jahr lang nicht besetzt habe usw. Ich möchte nicht gezwungen sein eine Vereinbarung zu unterschreiben, die meine Rechte so sehr beschneidet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man in so eine Vereinbarung sehr vieles schreiben kann…

Mir ist die Arbeit als Tagesmutter sehr wichtig. Ich finde es die perfekte Lösung für die Betreuung von so kleinen Kindern. Die Kleinen brauchen eine feste Bezugsperson, die Nähe, das Familiäre und auch die „Tagesgeschwister“. Sie wachsen so geborgen, sicher und kindgerecht auf und die Eltern können beruhigt arbeiten gehen. Für mich ist diese Arbeit das Richtige, weil ich das machen kann, was ich für die Kinder das Beste halte. Ich bin Selbstständig; ich muss mir Mühe geben; ich muss zeigen, was ich biete und das nach außen tragen. Ich entscheide selbst, welches Kind ich aufnehme und wann. Ich möchte diese Arbeit auch in Zukunft weiter machen.

Ein Problem ist, dass ich zwei Klagen am Laufen habe. Hier der Zeitungsartikel: Junge Tagesmutter klagt. Die Verhandlung gegen die Stadt steht noch aus, da ich aber auch eine Vereinbarung unterschrieben habe, sieht es genauso übel aus. Zumindest in erster Instanz.

Das nächste Problem ist, dass es offensichtlich nicht gerne gesehen wird, wenn eine Tagesmutter klagt. Ich bekomme jetzt keine Kinder mehr vermittelt – nein, die Eltern, die zu mir kommen wollen, werden sogar angehalten sich eine andere Tagesmutter zu suchen bzw. suchen zu lassen. Es wird von neuen Richtlinien erzählt, die es Stadtkindern erschweren von einer Landkreistagesmutter betreut zu werden. Natürlich habe nur ich solche Probleme, keine weitere Landkreistagesmutter konnte mir von derartigen Problemen berichten.

Bei meinem Einkommen kann ich keine Rücklagen bilden um für den fortlaufenden Rechtsstreit mit seinen Nebenschauplätzen gewappnet zu sein. Hier bin ich froh, dass mein Mann mich auffängt und mir auch wirtschaftlich unter die Arme greift. Aber ewig werden unsere Reserven nicht halten und dann sind wir wieder auf meine Einnahmen angewiesen. Damit ist es für mich existenziell wichtig vor Gericht und vor dem Jugendhilfeausschuss um mehr Geld zu kämpfen, damit ich diesen Beruf auch in Zukunft ausüben kann.

Wie Prof. Dr. Sell auf der Didacta so schön gesagt hat, rutschen wir immer mehr in die Verstaatlichung. Wir werden scheinselbstständig; es wird über uns bestimmt. Wir verlieren unsere Selbstständigkeit und das ist doch einer der Erfolgsfaktoren unserer Arbeit! Wir bieten eine hohe Betreuungsqualität, weil wir für unseren Ruf verantwortlich sind, weil wir die Kleingruppe und das familiäre bieten, das Kinder brauchen!

Mein Urteil darf nicht rechtskräftig werden, weil dies einen enormen Rückschritt für alle Tagesmütter bedeuten würde. Also werde ich weiter für unser aller Recht weiter und habe Berufung eingelegt. Ich werde also erstmal weiter ohne Förderung auskommen und im schlimmsten Fall den kompletten Rechtsstreit bezahlen müssen. Gleichzeitig werden wir uns in der Regionalgruppe „Mainfranken“ der Berufsvereingung der Kindertagespflegepersonen e. V. um die Belange der Tageseltern kümmern. Hier haben wir u. a. bereits Gespräche mit dem Jugendhilfeausschuss und dem Landrat vom Landkreis Würzburg geplant. Aber auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit steht auf der Agenda.

Ich kämpfe also für das Recht aller Tagesmütter und Tagesväter in ganz Deutschland. Viele von uns können das nicht selbst tun, aus unterschiedlichen (teils verständlichen) Gründen. Aber jede Tagespflegeperson, die etwas von unserer Lage versteht, weiß, dass sich etwas ändern muss. Ich kämpfe für unsere leistungsgerechte Bezahlung und nehme auch tapfer jede Hürde, die so kommen mag, aber ich schaffe das nicht alleine! Ich brauche eure Unterstützung. Mit Worten und mit Taten und auch finanziell. Wir wenigen Tagespflegepersonen, die den mutigen Schritt wagen um unser aller Recht zu kämpfen, wir brauchen euch! Wir haben Angst, dass wir finanziell ruiniert werden, dass wir trotz Recht („Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.“) verlieren und hohe Kosten tragen müssen. Wir können nur um unser Recht kämpfen, wenn wir wissen, dass ihr hinter uns steht und wir einen finanzielles Netz haben, das uns auffängt. Deshalb werden wir demnächst einen Spendenaufruf starten und hoffen, dass alle Tagespflegepersonen, denen unsere Selbstständigkeit und unsere Arbeit wichtig ist und die sich nicht selbst engagieren können, sich beteiligen um uns zu helfen.

Wir sind über fast 45.000 Tagespflegepersonen – wir sind nicht allein. Zeigt uns das bitte auch!

Hier der Verein, der extra gegründet wurde, um Kindertagespflegepersonen zu unterstützen. http://tectum-ev.de/

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

29 Gedanken zu „Können wir auf euch zählen?

  1. Wie Du weißt klagen auch wir in Aachen – die Sätze hier liegen im Schnitt bei 3,54€. Unsere Anwältin erwartet ein Urteil Anfang 2016 – es dauert auch immer alles so lange 🙁

    Wenn wir Dich unterstützen können, dann tun wir das!

    Kann man nicht über die Berufsvereinigung eine Art Fond gründen?

    Ein Spendenkonto von dem alle klagenden Tagespflegepersonen unterstützt werden können?
    Ich persönlich (Tine) würde freiwillig monatlich was spenden!!

    1. die Idee von IGTPAC finde ich gut! Einen Fond!
      Würde ich auch spenden!

      Ich habe auch ein schlechtes Gewissen, gerade nicht an vorderster Front zu kämpfen, aber die Tagespflege ist im Moment vielleicht erst meine viertwichtiigste Baustelle, ich bin sowieso mit meiner Kraft am Ende.

    2. Ach Mensch, Jenny, ich ziehe mein Hut und hoffe, du hältst durch. Alleine diesen Text zu schreiben, ich weiß wie aufwendig und echt anstrengend und emotional das ist. Ich drücke die Daumen, ich ziehe von hier aus (Potsdam-Mittelmark) nach und verfolge immer, was du machst. Mir macht das Mut, auch wenn ich noch nicht weiß, was uns erwartet. Man kennt mich schon, Nachteile habe ich dadurch noch nicht.
      Die Idee mit einem Spendenkonto für klagende TPP finde ich gut, geht aber nur über die Berufsvereinigung und muss verwaltet werden. Außerdem kann es nur von Mitgliedern genutzt werden – also werdet Mitglied und kämpft alle für die gemeinsame Sache!
      Hast du denn keine Rechtsschutz, die dir hilft? Ich muss meine mal checken, was die überhaupt abdeckt – könnte ja interessant werden.
      Ich kann mir Ausfälle nicht leisten. Ich habe Räume angemietet und bin der Hauptverdiener bei uns. Mein Mann hat nur eine kleine Rente. Aber für unsere Rechte möchte ich trotzdem eintreten.
      Ich fühle mich dir verbunden und stehe für die gleiche Sache ein! Weiter so!
      Liebe Grüße von Ariane aus dem Elfenland

  2. Hallo ihr lieben. Es wird ein offizielles Spendenkonto geben. Wir warten nur noch auf das amtliche okay. 🙂

  3. na das ist doch mal nett! dir geht’s wie mir.ist bei uns kaum anders. werde mit der Anwältin nach Ostern ne Normenkontrollklage anstreben….
    mal schauen… momentan zahl ich auch alles aus meiner Tasche. drück dir alle Daumen!

  4. Liebe Jenny, ich kann sehr gut nachempfinden, was gerade in dir vorgeht. Dennoch sehe ich das ganze teilweise mit anderen Augen. Es ist richtig, dass wir uns dafür einsetzen sollten, leistungsgerecht bezahlt zu werden. Dieses ist vielerorts noch keine Selbstverständlichkeit. Auf der anderen Seite haben wir aber die Eltern, denen die Kinderbetreuung leistbar gemacht werden muss. Zusätzliche Beiträge von Eltern zu nehmen, um die nicht leistungsgerechte Zahlung seitens der öffentlichen Hand auszugleichen, ist in meinen Augen der verkehrte Weg. Die Eltern müssen hier die Folgen für etwas ausbaden, dessen Problematik sie nicht verursacht haben. Extra Beiträge birgen die große Gefahr, die Kindertagespflege nicht mehr für alle gesellschaftlichen Schichten finanzierbar zu machen. Die einfache Verkäuferin muss sich die Betreuung ebenso leisten können, wie erfolgreiche Akademiker, die über ein deutlich höheres Einkommen verfügen. Die Frage muss daher auch sein, wollen wir, dass die Kinderbetreuung eine Zweiklassengesellschaft fördert bzw. forciert? Viele werden jetzt sagen, wir haben doch bereits in vielen Bereichen eine Zweiklassengesellschaft. Richtig, aber gerade deswegen, ein Grund mehr nicht noch einen weiteren Bereich zu schaffen. Die Leidtragenden sind die Kinder. Von daher möchte ich es immer gerne differenzieren. Wollen wir Kinderbetreuung in jeglicher Form finanzierbar gestalten, muss man sich an die gesetzlichen Gegebenheiten halten. Verweigert man sich dem, dann muss man in den Bereich der privaten Betreuung gehen. Hier ist die Preisgestaltung ein offener Markt. Die öffentliche Betreuung hingegen muss allen zugänglich gemacht werden. Wollen wir etwas erreichen, dann nur über die Anpassung der Gelder und auch die Unternehmen mit zur Verantwortung heran zu ziehen. Zu klagen scheint für viele der einzige Weg. Auch wir hier in HH haben immer wieder darüber diskutiert und uns immer wieder dagegen entschieden. Genau aus dem Grunde, den du jetzt hautnah selber erlebst. Klagen verhärten die Fronten, vernichten die Basis eines Miteinanders, eines Verhandelns auf friedlicher Ebene. Man mag sich vielleicht im sicheren Recht wägen, aber letztendlich ist es kein Garant für eine erfolgreiche Klage. Neben der Bezahlung spielt ein wesentlicher Faktor unsere Arbeit: Wie sind die Rahmenbedingungen als solches, wie ist das Miteinander, wie ist der Umgang mit uns? Und spätestens da sagen wir alle hier in HH, die Bezahlung als solches könnte besser sein, aber das gesamte Drumherum ist durchaus nicht zu verachten. Das gebündelte Paket muss stimmen. Bevor man klagt, muss man sich immer wieder bewusst machen, was passiert, wie wird es, wenn man verliert. Leichter wird es dann sicher nicht. Eine Klage birgt die große Gefahr danach alle Verhandlungen von vornherein im Keim zu ersticken……das Urteil wird immer alle Versuche überlagern. Was die anderen da draußen betrifft: Ich kenne neben einigen, die immer am Meckern sind, auch sehr, sehr viele, die sehr zufrieden mit allem sind. Zu denen gehöre auch ich…… trotzdem verzage nicht, setze dich für etwas ein, von dem du selber überzeugt bist. Aber glaube mir, viele haben da einen anderen Blickwinkel und werden nie auf die Barrikaden gehen…Liebe Grüße aus Hamburg und einen schönen Urlaub noch im Allgäu 🙂 Antje

  5. Noch eine Ergänzung: Wofür ich aber immer kämpfen werde, ist, das geltendes Recht eingehalten wird. Gerade das versuchen viele, zur Zeit zu umgehen. Ich bin nun schon so viele Jahre dabei und habe eines dabei gelernt: Änderungen herbei zu führen erfordert einen langen Atmen, erfolgt in Kleinstschritten und so manche Wünsche werden immer eine Illusion bleiben. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl Veränderungen zu erzielen. Und die Arbeit zehrt an einem. Ich habe jetzt ein paar Jahre mich dafür eingesetzt, nun müssen andere ran. 2015 wird das letzte Jahr von mir im Verein sein. Danach werde ich mich nur noch einem widmen: Meiner Arbeit mit den Kindern und vor allem meiner Familie!

  6. Hallo liebe Antje, ich klage ja ursprünglich gegen die damaligen 3 Euro pro Stunde. Leider haben Gespräche mit dem Jugendamt vorher nichts gebracht. Und da ich meinen Job weiterhin machen möchte, muss ich etwas dafür tun, damit das möglich ist. Ich möchte keine Zuzahlungen von den Eltern nehmen. Der Richter hat argumentiert, dass ich ja selbstständig bin und auf eigene Rechnung arbeiten kann – und das kann ich nicht. Private Verträge gibt es hier nicht/kaum. Ich bin wie du der Meinung, dass das nicht die Eltern sondern das Jugendamt zuständig sind für eine leistungsgerechte Bezahlung zu sorgen.

    1. Ja ich weiß, warum du geklagt hast. Nur ist es leider ein nicht von der Hand zu weisendes Risiko, dass man nicht weiß, wie ein Prozess ausgeht. Es gab ja bereits mehrere Urteile bzgl. der Gelder in der KTP. Interessant wird es danach, wie es dann die Kreise und Städte umsetzen. Bestes Beispiel dafür ist der Landkreis Nienburg an der Weser. Eine TPP klagte, gewann, es musste besser gezahlt werden. Rein rechnerisch sozusagen, der reine Stundenlohn musste sich ändern. Und was kam? Eine Satzung, die das Urteil so hindrehte, dass sich zwar der Stundenlohn erhöhte, aber alles andere künftig die Gängelei der TPP beinhielt. Stundengenaue Abrechnung, rückwirkende Kürzungen bei Krankheit. Insgesamt viele schlechtere Rahmenbedingungen für die KTP. Genau dieses Urteil hat uns dazu gebracht, nicht zu klagen, sondern langsam und stetig am Ball zu bleiben und an einer höheren Vergütung zu arbeiten. Der Punkt ist, dass der Richter rein theoretisch Recht hat. Es besteht die Möglichkeit, private Kinder zu betreuen, Das dafür kein Markt ist, interessiert den Gesetzesgeber nicht. Die Möglichkeit besteht. Das alleine reicht. Hinzu kommt die Gleichrangigkeit zu den Kitas. Jede öffentliche Kita ist ebenso an die Gebührenordung der Kommunen gebunden wie wir. Sie bekommen sicherlich höhere Gelder, haben aber auch höhere Kosten. Hinzu kommt dann noch der Aspekt der sozialversicherungsrechtlichen Leistungen. In der öffentlichen KTP bekommen alle 50% erstattet. Im privaten Bereich keinen Cent. Kaum einer möchte auf diese Zuschüsse verzichten. Also muss man sich auch folglich an die öffentlichen Rahmenbedingungen halten. Man kann sich da nicht nur die Rosinen rauspicken….das ist jetzt nicht auf dich gemünzt, sondern ganz allgemein gemeint.

      Engagement ist immer ein Stück weit vom Frust begleitet, Es sind immer die selben, die etwas machen, und die selben, die tatenlos daneben stehen. Das liegt wohl in der Natur der Menschen. Sich auf andere zu verlassen, ist für die meisten die bequemere und einfachere Lösung. Traurig aber wahr. Eines darf man auch nicht vergessen. Die KTP hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Zu Beginn meiner Tätigkeit war es für viele ein reiner Zuverdienst. Viele verbanden es mit der Betreuung der eigenen Kinder, kehrten nach einiger Zeit wieder in ihren eigentlichen Beruf zurück oder blieben dabei, aber haben die Entwicklung der letzten Jahre argwöhnisch mit gemacht. Diese TPP wirst du nie erreichen. Das sich die KTP hin zu einem Berufsbild entwickelt, ist ein Prozess, der noch voll in Gange ist. Früher war es undenkbar, ohne eigene Kinder in der KTP zu arbeiten. Heute hingegen ist es keine Seltenheit. Diese Personen haben auch eine andere Anspruchshaltung. Sie haben sich noch bewusster für die KTP entschieden und haben im Gegensatz zu vielen anderen das vorderrangige Ziel, ihren Lebensunterhalt davon zu bestreiten. In vielleicht 10 Jahren werden diese TPP die Mehrheit bilden: die, die diese Tätigkeit ausüben, um sie dauerhaft zu machen und davon auch leben zu können. Dann wird man vielleicht auch mehr finden, die sich für ihre Rechte einsetzen. Vorher zieht man viele andere einfach nur mit….Leider ist das so. Daran werden wir beide auch nichts ändern können.

  7. Bei uns arbeiten schon die meisten KTPP aus Berufung und um davon zu leben, ich bin sogar mit 43 erst eingestiegen und möchte nichts anderes mehr machen. Trotzdem halten sich viele zurück und wollen keinen Ärger oder sind gar zufrieden mit allem. Es sind immer nur wenige, die aktiv werden und ich habe mich mit abgefunden, gebe aber nicht auf.
    Der Hinweis auf verhärtete Fronten ist aber wichtig, das muss man gut abwägen. Wir haben mit Verhandlungen begonnen. Wie haben auch einerseits mit dem Jugendamt vom Kreis zu tun (die machen die Richtlinie) aber auch mit dem Gemeindeamt, die vermitteln, Verträge machen und Zuschüsse finanzieren. Uns geht es also eigentlich ganz gut. Das ändert aber nichts an einer fehlenden Vertretungsregelung, ungerechte Bezahlung, Behinderung det Autonomie u.m. Nun gilt es Verhandlungsgeschick zu entwickeln aber auch ernst genommen zu werden.
    Ich finde den Widerspruch vor allem auffällig, einerseits wird berufliche Anerkennung angestrebt und verbessert, andererseits geben viele TPP auf! Da stimmt etwas nicht!

    1. Nein es ist kein Widerspruch, dass trotz der Professionalisierung viele TPP aufhören. Gerade wegen der Professionalisierung hören viele auf. Gestiegene Auflagen im Bereich Sicherheit, Fortbildungen etc. hat viele verschreckt. Wenn man mich fragt, wen das abschreckt, auf den kann man dann auch gerne verzichten. Das viele TPP aufgeben umfasst aber immer mehrere Faktoren. Zum einen sind es die gestiegenen Anforderungen, zum anderen ist es der Markt, der sich verändert hat. Angebot und Nachfrage hat sich massiv verschoben. Eltern haben zum ersten Mal seit Jahrzehnten in vielen Regionen Deutschlands wirklich die Wahl. Mancherorts herrscht bereits ein Überangebot. In Hamburg gibt es keine zentrale Vergabe der Betreuungsplätze, sondern die Eltern suchen und wählen selber aus. Zugewiesen wird hier rein gar nichts. So ist es auch immer ein guter Spiegel dessen, was Eltern wünschen. Und da muss man ansetzen: Leider gehen viele Eltern lieber in die Institutionelle Betreuung, KTP wird von vornherein ausgeklammert. Diese Eltern gilt es zu erreichen. Warum entscheiden sie sich dagagen? Zum einen aus Unwissenheit: KTP ist nicht leistbar –> längst nicht mehr überall so. Rein theoretisch ist hier die KTP soagr günsiger, TPP sind „dumm“ –> ein Punkt, den man sehr ernst nehmen sollte und sich daher auch für eine deutlich längere Qualifizierung und auch höherwertige Qualifizierung einsetzen sollte. Eltern vergleichen 160 Stunden? Ein Lacher gegenüber einer Ausbildung im pädgogischen Bereich. Und zu guter Letzt: KTP ist unzuverlässig. Und da sind nicht nur die Kommunen vor allem auch wir selber gefragt. Unsere Einstellung: Will ich Verlässlichkeit, will ich mich vernetzen, wie gehe ich mit der Krankheit evtl eigener Kinder um? All diese Punkte zusammen muss man bündeln und aufzeigen, dass die KTP besser als ihr immer noch schlechter Ruf ist.

      Hier zeigt sich gerade, wer einen langen Atmen hat und bisher dem Druck von außen Stand halten konnte, kann sich jetzt in einigen Stadtteilen nicht retten vor Anfragen. Vor zwei Jahren war ein großer Überhang an Plätzen hier. Viele hatten freie Plätze, Wartelisten waren für viele nur noch ein Traum. Jetzt verschiebt es sich gerade wieder. Viele TPP haben in HH aufgehört, aber auch viele Kitas klagten und klagen über freie Plätze. Gerade im Krippenbereich haben die großen Einrichtungen fast immer freie Plätze. In den gut situierten Stadtteilen ist groß out. Hier fängt man an nach kleineren Gruppen zu schauen. Und genau das merken wir jetzt. Wir haben einen enormen Anstieg der Nachfrage. Und man sollte es nicht glauben, wir können in vielen Regionen Hamburgs diese Nachfrage nicht mehr abdecken. Sicherlich ist es auch ein Stück weit die Arbeit der Hamburger Behörden. Wir haben jahrelang daraufhin gearbeitet, dass wir immer in einem Atemzug zusammen mit den Kitas erwähnt werden. Es sind die Kleinigkeiten, die auf Dauer wichtig sind. Die Homepage wurde komplett überarbeitet, Kita und KTP sind immer zusammen zu finden. Broschüren wurden umgestaltet, auch hier spielt die KTP immer eine Rolle. Die Kinder haben in beiden Betreuungsformen die gleichen Rechte: kostenfreie Betreuung (25 in Kita, 30 in KTP sind beitragsfrei), Betreuung in beiden Formen bis zum 14. Lebensjahr, es wird auf die Vertretung in der KTP hingewiesen, so dass beide Formen als verlässlich anzusehen sind. Diese kleinen Dinge mögen auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, sind aber existenziell wichtig auf Dauer. Sich einzusetzen in der KTP darf sich nicht auf eine bessere Bezahlung beschränken, sondern umfasst viel mehr. Regelungen bei Krankheit, Urlaub, Fortbildungen etc., durchgehende Bezahlung in diesen Fällen, Vertretungsregelungen in diesen Fällen.
      Vertragsautonomie: unsere Verträge sind privatrechtlcher Natur: wir müssen sie mit den Eltern abschließen, nicht die Eltern mit den Ämtern. Ist das so, dann sind wir wirklich scheinselbstständig. Wir haben dann nur einen Auftragsgeber, das Jugendamt. So manche Kommune versucht das auszuhebeln. Rein rechtlich gesehen aber nicht richtig. Die Eltern haben einen Anspruch auf eine öffentliche Förderung, richtig. Aber das Jugendamt ist nur – wenn überhaupt – Vermittler und zuständig für die Bewilligung der Gelder, mehr nicht.

      Wie man sieht umfasst die KTP so viele Bereiche. Wenn ich aber eines wirklich wertzuschätzen gelernt habe, dann ist es die Haltung der Hamburger Fachbehörden. Hier werden wir angehört, es wird verhandelt, unsere Sorgen werden sich angehört und man versucht vieles davon auch umzusetzen. Die Bezahlung ist sicherlich nicht berauschend, aber ehrlich gesagt: was nützt mir ein traumhafter Stundenlohn, wenn der Rest Mist ist. In die Gelder muss man auch immer die Vergütung bei Urlaub, Krankheit und Fortbildung einbeziehen. Und schwupp sieht es ganz anders aus. HH steht diesbzgl. deutlich besser dar, als viele andere Kommunen. Und zu guter Letzt: Bei den ganzen Verhandlungen muss man auch immer die Machbarkeit im Auge behalten. Viele Haushalte der Städte und Gemeinden sind am Limit. Lösungen, die viel Geld kosten werden von daher immer von vornherein abgeblockt. Da ist es dann hilfreich zu schauen: Wie ist es im Kita Bereich? Gab es da Steigerungen? Was da gilt, muss auch bei uns angewandt werden. Anpassungen an die Inflation, gestiegene Auflagen im Hygienebereich verursachen Kosten, die es gilt abzudecken etc. Wie man sieht, Kleinstschritte. Leistungsgerecht ist ein tolles Wort, der Wunsch danach ein hehres Ziel. Die Frage nach der Art, wie man das erreicht, wird immer zwei Lager bilden. Ich bin dann lieber in der strategischen Gruppe, die langsam aber stetig an Verbesserungen arbeitet. Auf Dauer gesehen, die diplomatischere Lösung……

  8. Wir dürfen auch eines nicht vergessen:
    Es gibt zwei Gruppen von TPP:

    Zum einen diejenigen, die unterhalb den Sozialversicherungsgrenzen (glaub 395 € bzw. 450 €) bleiben wollen. Für die ist es egal, ob man jetzt 3,50 Euro oder 3,95 Euro bekommt. Entscheidend ist da lediglich, dass man keine Sozialversicherung zahlen muss. Notfalls wird halt ein Betreuungsvertrag stundenmäßig gekürzt. Oder man betreut nicht mehr drei Kinder, sondern nur noch zwei. Dann passt es auch wieder. Ist sogar weniger Arbeit bei gleicher Bezahlung 🙂 Und wenn man selber keine Rechnungen an die Eltern schreiben muss spart man sogar noch Arbeit :-))

    Und dann gibt es noch die andere Gruppe von TPP, die von den Einnahmen tatsächlich leben wollen. Die müssen dazu möglichst vollbelegt sein und sind oft bereit, 50-60 Wochenstunden zu arbeiten. Diese Gruppe stößt dann an die gesetzlichen Grenzen (8 erlaubte Verträge, max. 5 gleichzeitig). Wenn man dann am Ende des Monats feststellt, dass trotz des Aufwandes nur knapp 1.000 Euro netto übrig bleiben ist man verständlicherweise frustriert. Wie soll man damit seine eigenen Kinder ernähren? Wenn dann den Eltern noch verboten wird für zusätzliche Leistungen eine zusätzliche Vergütung zu geben, dann haben die TPP nicht einmal den Anreiz eine hohe Qualität abzuliefern. Wieso sollen denn die Eltern für Ihre Kinder nur den gesetzlichen Mindeststandard (Grundsicherung) erhalten wenn Tagesmütter doch so viel mehr bieten könnten?

    Beide Gruppen kann ich verstehen.
    Die Behörden beziehen sich aber immer auf die erste Gruppe wenn es heißt: „Alle anderen sind doch zufrieden“

  9. Ja diese beiden Gruppe gibt es und man darf keine von beiden verteufeln. Das wird nämlich schnell von denjenigen getan, die ihren Lebensunterhalt davon bestreiten wollen. Oftmals hat diese Gruppe wenig Verständnis für die, die unter den Grenzen bleiben wollen. Beide haben aber ihre Daseinsberechtigung. Schließlich wirft man Frauen in anderen Arbeitsbereichen auch nicht vor, wenn sie nicht voll arbeiten wollen, sondern ihnen 20 Stunden oder sogar noch weniger reichen. Wer aber sich aufreibt, um davon leben zu können, der hat in meinen Augen eine Grenze überschritten. Wenn man nur überleben kann, wenn man auf Dauer 50 oder noch mehr Stunden arbeitet, wird irgendwann seine Grenzen erreicht haben. Kein Job ist es wert, sich derart ans Limit zu bringen. Erst Recht nicht, wenn die Vergütung so mies teilweise ist. Immer wieder erlebe ich es, dass viele TPP von früh morgens bis spät abends alle Bereiche abdecken wollen, um möglichst viele anzusprechen. In meinen Augen der verkehrte Weg. KTP muss weg davon kommen, vor allem für die Randzeiten prädestiniert zu sein. Bietet man aber immer wieder diese Zeiten an, kommt man aus dieser Nummer kaum raus. Grenzen ziehen, ist in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Aspekt in unserer Arbeit.

    Ein ganz anderer Punkt sind unsere tatsächlichen Ausgaben. Die meisten von uns rechnen mit der BKP. Mal Hand aufs Herz, wer gibt reell wirklich die kompletten 300 Euro pro Kind pro Monat aus? Ich bin seit 16 Jahren dabei. Seit 16 Jahren arbeite ich von Zuhause aus. Seit 16 Jahren verdiene ich an der BKP. Keiner will das offen zugeben. Alle rechnen ihren Gewinn immer mit der BKP aus, die Zahl, die dann übrig bleibt ist oft mickrig. Dann sage ich mal, was ich im Monat umsetze und ausgebe: Ich arbeite von 08-16.00 Uhr, bin immer voll belegt. Ich haben einen Umsatz von rund 3200 Euro. Ich bezahle für meine Wohnung knapp 1000 Euro. Meine Wohnung, in der ich auch mit meiner Familie lebe. Extra Räume innerhalb dieser Wohnung habe ich nicht für die KTP. Also nutze ich alle Räume auch komplett privat. Ich habe sicherlich höhere Wasser-, Strom und Heizkosten. Das werden aber unter 50 Euro sein, insgesamt zahle ich knapp 180 Euro für Heizung und Wasser, den Löwenanteil davon verbraucht aber meine Familie. Strom bezahle ich 85 Euro. Auch hier haben meine Tageskinder den geringsten Anteil daran. Die Gerätschaften meiner Familie zehren den größten Anteil. Wie sieht es mit Lebensmitteln aus? Ich gebe insgesamt rund 800 Euro im Monat für Nahrung aus. 800 Euro für vier Erwachsene (meine Kinder sind bereits groß) und 7 verschiedene Tageskinder. Der Großteil meiner Kosten geht auch hier für meine Familie drauf. So wie ich, arbeiten viele TPP, ich bin da keine Ausnahme, alle, die ich hier kenne, geben unumwunden zu, an der BKP zu verdienen. Nur meine Kollegin Anja sieht das anders. Wie ist es nun mit Beschäftigungsmaterial? Benötigt man den Rest der Gelder für Material für die Takis? Nein, ganz klar nicht. Man erneuert manchmal einiges, man schafft neue Bücher, man kauft vielleicht Bastelmaterial, aber alles in einem Rahmen, dass von den 300 Euro pro Kind / Monat noch viel Geld übrig bleibt. Wie ist es nun bei der Betreuung in externen Räumen? Auch hier haben viele einen Vorteil durch die BKP. Ich arbeite ab September in einer GTP. Eine Kollegin hört auf, ich springe ein. Mein Mietanteil (inkl, aller Kosten) beträgt 560 Euro. Es gibt eine Haushaltskasse. Rund 150 Euro zahlen wir monatlich dort ein. Die GTP gibt es seit über 10 Jahren. Seit über 10 Jahren erfolgreich, seit über 10 Jahren mit einem vernünftigen Gewinn. Warum scheuen sich die TPP das durchaus offen zuzugeben? Ich habe einen Umsatz von 3200 Euro, einen Gewinn von über 2000 Euro, ab September etwas weniger, wobei Mietzuschüsse einiges hier auffangen …. Sozialversicherungsbeiträge sind bereits abgezogen. Über 2000 Euro, die ich monatlich verdienen kann, trotzdem immer für meine Familie da sein konnte. Verbiegen würde ich mich nie. Zeiten anbieten, die einen auf Dauer auslaugen, kämen für mich nie in Frage. Wenn man von seinem Gewinn spricht, sollte man immer ehrlicherweise von seinem reellen Gewinn sprechen und nicht von dem, was man für das Finanzamt ausrechnet, um möglichst wenig Versicherung und Steuern zahlen zu müssen…..

    Ich weiß, dass viele das anders sehen, aber viele halt auch nicht. Zeigt mir jemanden, der 1500 Euro für 5 Kinder pro Monat Zuhause ausgibt, dem klassischen Modell der KTP….Ich kenne keinen….Und damit meine ich nicht die, die gerade anfangen und alles neu kaufen müssen, sondern die die schon im „Geschäft“ sind….

  10. Ein Verein wurde gegründet der Tagesmütter die eine Musterklage führen und Eltern die klagen in der Kindertagespflege unterstützen wird. Wir warten nur noch auf die Erlaubnis der Gemeinnützigkeit vom zuständigen Finanzamt. Habt noch ein bisschen Geduld wenn es soweit ist werde ich es in Facebook und hier im Blog sowie on den anderen Gruppen mitteilen. LG Angelika

    1. Noch ein Verein? Sind diese Splittergruppen nicht eher nachteilig? Warum kann man das nicht über einen bestehenden machen?

      1. Das geht leider nicht. Ich habe nachgefragt. Das muss konkret in der Satzung stehen. Also ist ein neuer Verein genau für diesen Zweck sehr sinnvoll.

        1. Oh Satzungen kann man ändern, gar nicht schwer. Haben wir gerade gemacht. Es kann durchaus sinnvoller sein, diesen Weg zu nehmen und damit die Bekannheit eines bereits bekannten Vereins zu haben. Der Radius der Spender kann sich dadurch enorm vergrößern. Ich bin bekanntermaßen kein Fan der Berufsvereinigung, aber gerade dafür ist sie prädestiniert. Der Vorstand kann die Änderung bei der Mitgliedervollversammlung beantragen, ein entsprechender Entwurf muss dann bereits ausgearbeitet sein. Etwas Arbeit, aber sehr sinnvoll.

  11. Mann Antje, du bist immer so direkt und offen, aber wieder sprichst du mir aus der Seele! Genau so rede ich vor meinen Kollegen und genau das ist meine Vorgehensweise. Es sind genau die selben Punkte. .. aber, die Arbeit in einer Stadt ist noch einmal anders als in eine Kommune. Mit der Stadt kann man direkt behandeln, was ihr ja auch erfolgreich tut. Eine Kommune ist an das JA des Landkreises gekoppelt, die Leute vom Jugendhilfeausschuss kennen wir nicht (will ich gerade ändern), die Kommunikation ist Viel komplizierter. Ich bin auch der Meinung, dass man nicht nur in der eigenen Region schauen soll, sondern die bundesweite Vernetzung nicht außer Acht lassen sollte. Die Bundesvereinigung stellt, so finde ich, sehr gut die Bedingungen und Forderungen dar.
    Wer aufhört und warum, da bin ich vorsichtig und möchte nicht alle über einen Kamm scheren. Aber ich kämpfe für einen besseren Ruf der KTP und einige ehemalige Kolleginnen vermisse ich nicht! Ich persönlich habe trotz der Veränderungen keine Existenzangst, denn ich habe die gleiche Einstellung wie du. Ich habe eine Ausbildung abgeschlossen, arbeite von 7-17:00 ohne zusätzliche Randzeiten (ist bei uns auch hat nicht erlaubt), betreue 5 Kinder und verdiene wie Du. Ich habe ein Haus angemietet und nehme eine Kollegin mit hinein, die genauso klar ist und super zu mir passt, obwohl sie nur verkürzt arbeiten möchte. Aber sie hat bereits für Sommer ihre Gruppe voll. Jeder zieht die Eltern an, die am besten passen – so meine Erfahrungen! Wenn man sich verzettelt, hat das ebenso Folgen.
    So und jetzt habe ich Urlaub und denke auch mal an mich. Da ich meine privaten Räume wieder für mich habe, kann ich das auch besser genießen! 😉 Das wünsche ich euch allen auch, Grüße von Ariane

    1. Liebe Ariane, die Vorteile der Stadt sind nicht von der Hand zu weisen. Unsere Wege sind kürzer. Dennoch sind die Vorgehensweise auch anwendbar auf Landkreise. Ich kann nur sagen, die Methode, mit der Keule auszuholen und gleich den Vorschlaghammer als Mittel der Wahl zu nehmen, ist nicht unbedingt richtig. Man darf nicht den Irrglauben haben, dass man innerhalb kurzer Zeit vieles erreichen kann. Dazu sind teils Jahre notwendig. Jahre, in denen man sich Schritt für Schritt vorarbeitet. Etwas anderes ist es allerdings, wenn geltendes Recht seitens der Kommunen verletzt wird. Wenn Eltern Gelder gestrichen bekommen, wenn sie sich für die Kita und gegen die KTP entscheiden, wenn die Sozialversicherungsbeiträge nicht übernommen werden, wenn die Zahlungswege nicht rechtens sind. Diese Dinge muss man massiv bekämpfen und dann auch tatsächlich nicht scheuen, andere Wege zu beschreiten. Vernetzung auf Bundesebene hat im Sinne der Vergütung nur wenig Sinn, da dieses immer kommunal entschieden wird. Vernetzung, um wie zum Beispiel bei der Krankenkassenthematik gemeinsam etwas zu erreichen, ist wiederum gut. Erreichen tut man aber am meisten regional vor Ort. Wir haben durch unsere Vorgehensweise hier ein gutes Miteinander geschaffen. Wir werden mit eingebunden und informiert. Ich denke, es kommt auch dadurch, dass wir uns ein Stück weit weiter entwickelt haben und dadurch auch sicherlich ernster genommen werden.

  12. Ich habe einen langen Atem und will nicht mit dem Hammer reinschlagen 😉 Ich merke ja selber, wie lange ich brauche, um ein Vorhaben umzusetzen. Das sehen meine Kolleginnen auch so. Wir haben schon kleine Teilerfolge erzielt und werden ernster genommen. Da wird weiter angesetzt. Aber wenn es z.B. um Vertragsrecht oder Erpressung von Eltern geht, da hört die Freundschaft auf.

  13. Ich rolle gerade mit den Augen…
    Wenn eine Tagesmutter von der Betriebskostenpauschale leben muss, dann läuft etwas ganz ganz falsch!
    Die BKP ist für die Sachkosten da. Da soll nix übrigbleiben!
    Entweder Ihr bekommt zuviel BKP – oder ihr gebt zu wenig aus.
    Sorry, für die deutlichen Worte. Aber ich hatte bisher immer mehr Ausgaben als die BKP ausmachte.
    Nachgewiesen durch Belege und Rechnungen. Und ich bin auch nur eine „normale“ Tagesmutti mit eigenen Kindern. Die Ausgaben kann man aber einfach trennen und belegen. Haus, Abnutzung, PKW, Strom, Wasser/Abwasser, Verpflegung, Hygiene, Rücklagen für Renovierung und Ersatzbeschaffung, Versicherungen, Fortbildungen, Rücklagen für Krankheitstage, die man selber zahlen muss, usw….
    Glaubt jemand vielleicht, dass das Finanzamt eine Pauschale anerkennen würde, wenn sie zu hoch wäre?

    Und natürlich kann man von einem Nettoverdienst von 2000 Euro gut leben. Das haben aber nur die wenigsten.

    Kein Wunder wenn die Jugendämter mit dem Finger auf TMuttis zeigen – wenn die die BKP missbrauchen.
    NIx für ungut, kam mir gerade aber so in den Sinn…

    1. Der gravierende Unterschied ist, die Sachkosten seitens der Jugendämter sind für die Kosten, die die Kinder verursachen. Die BKP ist ein rein finanzrechtliches Instrument, dass zur Vereinfachung der Steuererklärung dient. Wer glaubt, man müsse die BKP auch reell immer voll ausschöpfen. befindet sich gewaltig auf dem Holzweg. Die Sachkosten der Jugendämter sind ganz klar von der BKP zu unterscheiden. Ihr glaubt doch nicht allen Ernstes, dass die BKP deshalb so hoch ausfällt, weil wir so hohe Ausgaben haben. Die 300 Euro sind der Ausgleich dafür, dass seit 2009 alle öffentliche Gelder versteuert werden müssen. Zuvor waren diese komplett steuerfrei, die Pauschalen deutlich niedriger. Wenn man so will, hat man mit den 300 Euro versucht uns zu beschwichtigen. Der Staat hingegen hat dadurch deutliche höhere Steuereinnahmen als zuvor. Und wie sagt unsere Fachbehörde so schön: Pauschalen haben nun mal den Effekt, dass sie für die einen günstig sind und sie ein Plus dadurch haben, die anderen hingegen ein Minus. Horrender Blödsinn ist es jedoch zu sagen, man gebe zu wenig aus, die BKP muss voll ausgeschöpft. Sie dient nur zur vereinfachten Berechnung des Gewinns. Würden alle nur mit Belegen arbeiten, hätten die Finanzämter ein deutlich höheres Arbeitsaufkommen, was letztendlich wieder mehr Geld kostet. Und es ist sehr wohl ein Unterschied, ob ich meinen Umsatz abzgl, der BKP rechne oder abzgl. der reellen Ausgaben. Nicht jeder benutzt ein PKW für die Tagespflege, Krankheitstage sollten bezahlt werden, Fortbildungen sollten bezuschusst oder wie hier komplett kostenfrei sein, Versicherung werden zu 50% dazu gezahlt und sind im übrigen keine Betriebskosten. Wer hier den Finger hebt, sollte sich erstmal tiefer in die Historie und Materie der KTP einarbeiten…..sorry, das musste gesagt werden!

    2. Ach ja und bei wem Krankheit und Fortbildungen nicht gezahlt werden, dem sei gesagt: das sind Dinge, die man erkämpfen sollte. Und seid sicher, die BKP wird es nicht ewig geben…..

  14. Ich bin schon 9 Jahr nicht mehr vom JA abhängig. .habe seit dem keine Probleme mehr Stundenlohn von ca. 5.50 Euro. .bezahlen die Eltern gern
    da wir flexibel sind in der Betreuungszeit

  15. Ihr geht hier von theoretischen Annahmen aus, die eine normale TM nie erreichen wird: 5x 300 Euro = 1.500 Euro Sachkostenerstattung? Das würde bedeuten, dass ich 5 Kinder in Vollzeit nehmen muss. Abends dann noch Saubermachen, Einkaufen und Vorkochen. Dann bin ich locker bei 50 Stunden Arbeit! Und dann gibt es kaum Kinder, die in Vollzeit und 5 Tage pro Woche (möglichst gleichzeitig) betreut werden wollen. Manche kommen um 7.00, andere gehen erst um 18.00, manche kommen nur 4 Tage/Woche. In unserem Landkreis gibt es keine einzige Kollegin, die 1.500 Euro Erstattung auch nur ansatzweise erreicht – alles nur Theorie!
    Und wieso werden bei Euch Fortbildungen komplett bezahlt? Wieso bekommt Ihr Mietzuschüsse? Das ist in der Sachkostenpauschale enthalten (sagt unser Amt)…Dann bekommt Ihr das also doppelt erstattet?

    Wir reden hier davon, dass Kindertagespflege professioneller werden soll. Wir können aber nicht einmal die Miete und die Fortbildung alleine bezahlen?

    Ich habe ein Kind, das kommt 45 Stunden/Woche. Die Sachkosten erhalte ich aber nur für 40 Stunden. Da fehlen mir monatlich über 20 Stunden. Ein anderes Kind wird „spitz“ abgerechnet, d.h. ich bekomme nur die tatsächlichen Stunden bezahlt – obwohl die Fixkosten den ganzen Monat weiterlaufen. Das ist die Realität.

    Die Jugendämter sollen die tatsächlichen Sachkosten der TM erstatten – nicht mehr und nicht weniger. Bei Antje zahlen sie anscheinend für nicht vorhandene Kosten – sagt es nicht weiter und freut Euch drüber :-). Dafür habe ich echte Kosten, die nicht bezahlt werden. So ist das leider bei Pauschalen.

    Und natürlich gibt es Versicherungen, die zu den Sachkosten zählen: UnfallV und HaftpflichtV. Jede (!) TM hat Kosten für einen PKW oder für öfftl. Verkehrsmittel. Oder geht Ihr nie einkaufen, zur Bank, zur Post oder zu anderen Tagesmüttern (Vertretung) oder zur Fortbildung? Ich zahle z.B. viel Geld für Nebenkosten (v.a. Strom und Heizung), für Verpflegung, Hygiene, Fortbildung. Und wenn ich 30 Tage Urlaub nehmen will, dann muss ich einen erheblichen Teil davon selber aus Rücklagen finanzieren, immerhin bin ich ja selbständig (Aussage Amt).
    Es gibt hier allerdings einige TM, die verlangen von den Eltern das Mitbringen der Tagesverpflegung oder geben die gebrauchten Windeln den Eltern mit nach Hause (spart Müllgebühren) oder machen nur „billige“ Fortbildungen..

    Und wer glaubt denn ernsthaft, dass das Finanzamt uns etwas Gutes tun will, weil wir seit 2009 Steuern zahlen müssen? Die BKP ist eine Möglichkeit, um den Arbeitsaufwand auf beiden Seiten zu reduzieren. Macht Euch mal die Arbeit und rechnet alle Ausgaben pro Jahr ehrlich zusammen (incl. Raumkosten) – da tränen manchem dann die Augen.

    @DRES
    Bei uns finden wir fast keine Eltern, die 5,50/h zahlen würden. Bei einem 40-h-Kind wären das knapp 1.000 Euro pro Monat. Über das Jugendamt sind es dagegen nur knapp 300 Euro. Auch eine Realität.

    1. Hamburg: extra Mietkostenzuschüsse für angemietete Räume, Haftpflicht zahlt die Stadt, Unfallvers. wird bei allen TPP bundesweit erstattet (ist im SGB VIII verankert)….mein nächster Supermarkt ist 100m entfernt….Spielplätze alle fußläufig….Kosten für Ausflüge zahlen die Eltern…Fortbildungen sind von jeher in HH kostenfrei…meine Belegung seit 16 Jahren: von 08.00-16.00 mit 5 Kindern immer voll ausgelastet….das es auch anders geht zeigt HH…und diese Belegung ist keine Ausnahme hier

  16. Freut mich für Dich.
    Da können andere nur von träumen…

    zum Vergleich bei uns:
    keine Zuschüsse zu Miete
    keine Übernahme der Haftpflichtversicherung
    Unfallversicherung Erstattung im Nachhinein (muss man 12 Monate vorfinanzieren)
    Kostenerstattung für Ausflüge durch Eltern verboten (angeblich in Sachkostenpauschale enthalten)
    keine Kostenübernahme der Fortbildungen (in Sachkostenpauschale enthalten)

    Vielleicht sollte ich nach Hamburg umziehen 🙂

  17. Viele dieser Dinge waren bei uns auch nicht immer so. Dahinter steckt viel Arbeit, viele Diskussionen und vor allem viele Jahre der Verhandlungen. Uns wird für die Unfallversicherung jeden Monat 9 Euro gezahlt, so dass sogar noch ein kleiner Überschuss bleibt. Die Stadt Hamburg hat für Tagespflegepersonen eine Sammelhaftpflicht abgeschlossen, über die alle öffentlich geförderten Kinder versichert sind. Für alle diese Punkte lohnt es sich zu kämpfen. Mehraufwendungen, die nicht als Dinge des tgl. Lebens gelten, sind nicht in den Sachkosten enthalten. Das gilt auch für Ausflüge, besondere Ernährung, Turn- und Musikangebote etc. All das hat der Bund mal festgelegt. Alle diese Dinge müssen zusätzlich vergütet werden. Besondere Angebote = Besondere Gelder. In unserer Verordnung gibt es einen extra Passus für diese Mehraufwendungen. Wir vom Vorstand des Vereins haben in Zusammenarbeit mit den Hamburger Jugendämtern und unserer Fachbehörde genau festgelegt, welche Dinge das betrifft und was auch als angemessen gilt.

    Zu Dres mag noch angemerkt sein: 5,50 zahlt hier keiner mehr alleine freiwillig. Private Träger ohne öffentliche Förderung haben es auch im Kita Bereich extrem schwer. In dem Moment, wo das Angebot ausreichend vorhanden ist, zahlt das so gut wie kein Elternteil mehr freiwillig komplett alleine. Und außerdem welches Klientel willst du dann bei dir haben? Ich möchte kein Luxusgut werden, dass sich nur bestimmte Einkommensschichten leisten können. Willkommen Zweiklassengesellschaft. Hamburg ist eine der reichsten Städte Deutschlands, ich wohne in einem sehr gut situierten Stadtteil Hamburgs. Meine Elternschaft setzt sich zwar durchgehend aus Ärzten, Banker, Werbern und Juristen zusammen. Aber nicht, weil ich besonders teuer bin, sondern weil mein Stadtteil einfach so ist. Meine Eltern zahlen maximal etwas über 200 Euro für einen Ganztagsplatz. Teuer würde keiner meiner Eltern zahlen, aus Überzeugung, nicht aus Geiz. Bildung und Betreuung muss in allen Bereichen, allen sozialen Schichten offen stehen……………….

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