Ist meinen Kindern langweilig?

Heute muss ich einen persönlichen Artikel schreiben, es geht diesmal nicht um meine Tageskinder oder Tageskinder allgemein, sondern um meine eigenen beiden Jungs. Auf dem Weg zum Kindergarten treffe ich andere Mütter und unterhalte mich natürlich gerne mit ihnen (es ist sehr angenehm zwischendurch mal mit Erwachsenen reden zu können). Eine Bekannte fragte mich dann, was ich denn heute mit meinen Kindern mache. Ich war etwas verwirrt und wusste nicht, worauf sie hinaus will. Wir laufen heim, dann lege ich die Tageskinder ins Bett, dann habe ich Zeit für meinen großen Sohn (der kleine schläft) und heute nachmittag sind wir dann wahrscheinlich im Garten, heute Abend gibt es Abendessen. Da das sicher nicht die Antwort war, die sie hören wollte, fragte ich etwas verwirrt? „Unternehmt ihr denn jeden Tag etwas?“ Ihre Antwort war „ja“ und jetzt frage ich mich: Bin ich eine schlechte, langweilige Mutter, weil ich nicht jeden Tag etwas unternehme? Wie viel Action brauchen die Kinder denn? 


Die andere Mutter hatte natürlich vollstes Verständnis dafür, dass wir heute nichts unternehmen. Ich habe ja den ganzen Tag Kinder um mich und brauche dann am Nachmittag nicht auch noch Trubel. Ja, ich bin froh, wenn ich nachmittags etwas mehr Ruhe habe, aber ich bin oder bzw. war mir sicher, dass meine Kinder auch nicht den ganzen Tag Jubel, Trubel, Heiterkeit brauchen. Mein großer Sohn ist vormittags im Kindergarten. Er hat also den ganzen Vormittag Freunde um sich, Projekte, Action und Spaß. Mein kleiner Sohn hat den ganzen Tag seine Freunde, die Tageskinder um sich (ich habe derzeit 3 Jungs im gleichen Alter). Langweilig wird ihm auch nicht. Brauchen meine Jungs dann am Nachmittag noch Spielplatz, Schwimmbad, Tierpark, Funpark etc.? Ich hatte bisher nicht den Eindruck, aber die Aussage der Mutter gibt mir doch zu denken.

Verpassen meine Kinder etwas? Lernen sie etwas nicht? Halte ich ihnen etwas Wichtiges vor?

Wir haben ca. 2 mal die Woche irgendwelche Treffen mit den Freunden meines Sohnes. Entweder besucht er sie oder sie kommen zu uns. Einmal die Woche ist Kinderturnen. Also sind schon 3 Nachmittage ausgebucht. An einem ist dann meist noch ein Termin wie Zahnarzt etc. Und ich bin unendlich froh, wenn an einem oder sogar mal an zwei Nachmittagen einfach nichts ist und ich die Zeit zu Hause verbringen kann, mit meinen Kindern. Bin ich egoistisch? Ich glaube nicht. Ich glaube, meine Kinder genießen es auch einfach mal nichts tun zu müssen. Sie können miteinander spielen, sie können mit ihren Spielsachen spielen und alleine im Garten sämtliche Bagger und Laster benutzen. Sie können sich einfach mal aufs Sofa kuscheln und nichts tun, oder Hörspiele anhören, Bücher anschauen oder so wie heute, mit mir einen Kuchen backen. Wir können einfach mal unter uns sein, als Familie. Einfach, weil dafür mal Zeit ist. Außerdem finde ich es toll, wenn meine Kinder Langeweile haben. Dann entwickeln sie die schönsten Spielideen. Ich wünschte mir, ich könnte mal Langeweile haben :).

So, und weil wir heute so viel freie Zeit hatten, werden wir morgen zur Maibaumaufstellung gehen und uns die Feuerwehr anschauen – deshalb geht man doch dort hin oder?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

8 Gedanken zu „Ist meinen Kindern langweilig?

  1. Liebe Jenny, du hast dich doch nicht wirklich verunsichern lassen? ! 😉 Ich finde deine Einstellung und Organisation genau richtig. Kinder brauchen nicht permanent eine Reizüberflutung oder Beschäftigungtherapie. Kinder brauchen sogar auch mal lange Weile! Um so mehr könnt ihr morgen den Maibaum und die Feuerwehr genießen – viel Spaß dabei!

    1. ich bin 3mal die woche mit meinem Sohn 6 unterwegs montags gehen wir schwimmen ,Dienstag / Donnerstag ist dann fussball. Am Wochenende ist nichts ausser er hat samstags morgens ein spiel. Wir haben die Sonntag zum spielen und langweilen

  2. Hallo Ariane, ich war tatsächlich verwirrt. Aber eher über die Tatsache, dass andere Mütter immer etwas bieten wollen ;). LG

    1. Aber das ist doch nichts Neues und allgemein ein wachsendes Problem. Kinder werden bespaßt, gefördert, verplant – nur so fühlen sich viele Eltern perfekt und bestätigt – die Medien unterstützen das und sehr viele verdienen daran. Nur eben leider die Kinder nicht!
      Also bleib dir treu und horch auf dein Bauchgefühl 🙂

  3. Hallo Jenny, wir als Tagespflegepersonen wissen es doch besser. Jeder Mensch – besonders Kinder – brauchen Zeit zum Erholen, Nachdenken und neu gelerntes zu Verarbeiten. Die Kinder der anderen Mutter tun mir leid. Ich habe mal ein Mädchen kennengelernt, dass jeden Tag ausgebucht war (Eltern wollten es). Dieses Kind, ca. 12 Jahre hatte das Lächeln verloren. Keine Freunde, keine Zeit für sich usw. Leider nimmt das in dieser Gesellschaft immer mehr zu. Ich selbst habe eine 13- jährige Tochter mit einem Termin in der Woche. Sie freut sich drauf und hat Freunde. Nachmittags ist sie freiwillig unterwegs Fahrad fahren, Ball spielen, …mit ihnen (gute Freunde). Und wenn wir zu Hause langeweile haben, genießen wir diese Zeit und sie redet plötzlich über ihre Probleme und Gedanken. Wir reden oft und haben dadurch ein sehr inniges Verhältnis. Wer ist nun die bessere Mutter? Du oder Deine Bekannte? LG Susi

  4. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Art „Dauerbespaßung“ einen wesentlichen Anteil daran hat, dass viele etwas ältere Kinder und Jugendliche so anfällig für Medien wie PC, Handy etc. sind. Wer immer und dauerhaft nur „vorgesetzt“ bekommt, kann weder lernen, wie man Freizeit selber organisieren kann noch feststellen, was ihm selber wirklich Spass macht. Ich frage mich dabei auch immer, wann Kinder, die die ganze Woche mit Angeboten überversorgt werden, eigentlich noch Zeit haben, diese Erfahrungen in irgendeiner Form zu verarbeiten……Dir und Deiner Familie ein schönes langes Wochenende und liebe Grüße aus dem Norden – Petra

  5. Kinder haben manchmal einen Terminkalender, der jeden Manager ins Schwitzen geraten lässt. Mehr oder weniger den ganzen Tag in der Kita, später Schule, dann kurze Verschnaufspause Zuhause…weiter geht’s zum Sport, zum Musikunterricht, zum Englisch (der Renner hier)….und dann natürlich die zahlreichen Verabredungen mit anderen Damen, um die Kaffeehäuser Hamburgs unsicher zu machen. Ich nenne sie nur noch die Cappucinomuttis…..Ist es die Angst, dem Kind nicht genug bieten zu können, oder ist es die Angst, alleine mit dem Kind Zuhause etwas machen zu müssen? Ich behaupte mal beides. Ich finde die gesunde Mischung ist genau das Richtige. Langeweile, gammeln und Programm haben. Beides gut aufeinander abgestimmt, ist in meinen Augen der goldene Mittelweg, die Kaffeehausmuttis mal außen vor gelassen. Ich bin immer mit der Faustregel gefahren, maximal zwei feste Termine in der Woche reichen. Meine Kinder hatten damals Sport und Musik während der Woche. Musik haben sie sich gewünscht, Sport ich von klein auf an forciert. Als meine Kinder dann auf die weiterführende Schule kamen und dann in einer Ganztagsschule waren, war ihr Tag erst um 16.30 zuende. Um 16.30 kamen sie Zuhause an, ab da wurden unsere Termine noch weniger. Meine Kinder äusserten ganz klar: Mama, das ist uns zuviel. Sie wollten lieber ganz entspannt noch den Rest des Tages genießen, nochmal raus, Freunde spontan treffen, eine Runde auf dem Bolzplatz verbringen, mit dem Einrad noch ein wenig düsen….spontan entscheiden, wozu sie Lust hatten. Das konnte auch das Gammeln auf dem Bett sein und entspannt ein Hörbuch anhören, oder auch die Decke anstarren. Ich denke, dass das bei vielen Kinder heutzutage auf der Strecke bleibt. Die Mütter verplanen minutiös jeden Tag mit ihren Kinder. Spontan bei Nachbarskindern klingeln und einfach den Rest dem Zufall zu überlassen, gibt es nur noch wenig. Die Eltern in meiner Gruppe haben Gott sei Dank erkannt, dass weniger durchaus mehr ist….und gönnen ihren Kindern einen entspannten restlichen Tag….Du machst das genau richtig Jenny 🙂 Meine sind ja nun mittlerweile groß, aber beschwert haben sie sich nie, dass ich zu wenig gemacht hätte 😉

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