Ein guter Stundensatz ist nicht alles

Immer wieder werde ich von einer netten Kollegin darauf hingewiesen, dass ein guter Stundensatz nicht das einzig Wichtige ist. Ohne diesen geht es nicht, aber die Rahmenbedingungen müssen auch stimmen. Ich kenne unsere Situation in Würzburg natürlich ganz gut und ich muss sagen, dass einige Dinge ganz gut laufen. Also heute mal ein positiver Artikel über einige Dinge, die eine Jugendamt oder ein Träger richtig gut machen kann.


Als Selbstständige sind wir selbstverständlich selbstständig für uns verantwortlich. Wir müssen alleine für Ausfallzeiten sorgen, alleine unsere Arbeit so einteilen, dass es für alle tragbar ist (die eigene Familie, für uns selbst, für die Kinder und die Eltern), uns selbst um Versicherungen, Steuern etc. kümmern und was noch alles zum Selbstständig sein dazugehört.

Das Jugendamt kann uns ganz einfach in unserer Selbstständigkeit unterstützen, indem es sich an die Gesetze hält. So z. B. regelmäßig und monatlich unsere laufende Geldleistung ausbezahlt und nicht erst mit Monaten Verzögerung. Dazu gehören auch die hälftigen Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Wir sind zwar selbstständig, bekommen aber oft so wenig Geld, dass wir sehr froh darum sind, wenn diese hälftigen Beträge tatsächlich, wie im Gesetz vorgesehen, monatlich erstattet werden.

Auch das Thema Urlaub, bzw. Krankheitstage kann vom Jugendamt so gestaltet werden, dass es 1. weniger Aufwand für das Jugendamt ist und 2. uns ermöglicht tatsächlich Urlaub zu nehmen. Eine Tagespflegeperson erhält in der Regel nicht genug Geld um sich etwas davon für schlechte Zeiten oder sogar Urlaub zurück legen zu können. Wenn unser Jugendamt uns nicht 30 Tage im Jahr für Urlaub und Krankheit bezahlen würde, würden viele Tagespflegepersonen ganz auf ihre Erholung verzichten und sich überarbeiten. Ganz einfach, weil man sich als Tagesmutter oder Tagesvater keine Ausfallzeiten leisten kann. Wir sind selbstständig, haben aber nicht die Möglichkeit uns komplett selbstständig abzusichern und zu finanzieren. Viele von uns haben keine Vertretung. Wir können uns nicht hauptberuflich kranken versichern. Das bedeutet, dass wir im Krankheitsfall kein Geld bekommen und natürlich auch keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld haben. Da brauchen wir die Unterstützung der Jugendämter. Entweder in der Form, dass sie uns so viel zahlen, dass wir tatsächlich Rücklagen bilden können und wir davon dann auch Urlaub machen oder krank sein können, oder indem sie uns Ausfalltage bezahlen.

Wir Tagespflegepersonen sind auch nicht in der Lage von unserem geringen Einkommen selbst Fortbildungen zu bezahlen. Oft wird eine gewisse Stundenanzahl pro Jahr vorgeschrieben, die sich eine Tagespflegeperson fortzubilden hat. Bei uns in Würzburg sind es 15 Unterrichtseinheiten. Unser Jugendamt bietet regelmäßig (fast kostenlose) Fortbildungen an. Jede Tagesmutter in Würzburg kommt so ohne Probleme an ihre Fortbildungsstunden ohne sich in Unkosten zu stürzen.

Bei uns in Würzburg wird jetzt sogar eine Art Supervision-Reflexionsgruppe angeboten. Das ist sehr wichtig für uns Tagespflegepersonen. Wir arbeiten meist alleine und haben keine Kollegen, mit denen wir uns austauschen (dürfen). Wir brauchen aber auch den fachlichen Austausch und professionelle Unterstützung, wie auch unsere Kollegen in den Einrichtungen.

Eins der wichtigsten Themen ist das Thema Krankheitsvertretung. Die Jugendämter sind dazu verpflichtet eine Vertretung für Ausfallzeiten zu stellen. Diese soll den Kindern vertraut sein. Leider halten sich ganz viele Jugendämter nicht an dieses Gesetz. Unsere Würzburger Jugendämter haben für fast alle Tagesmütter eine akzeptable Lösung gefunden. Bei uns gibt es Springer, Stützpunkte und Tagesmütter, die sich gegenseitig vertreten. Auch eine Kooperation mit einer Krippe ist mir bekannt. Es funktioniert alles, wenn man sich Mühe gibt!

Die Kindertagespflege ist eine sehr geeignete Form der Kinderbetreuung und es wäre so leicht, diese perfekt für alle auszugestalten. Leider fehlt es an viel Öffentlichkeitsarbeit und auch oft am Willen und Unwissen der Verantwortlichen. Und da kommen wir Tagespflegepersonen ins Spiel. Zeigt doch euren Jugendämtern auf, wie sie euch unterstützen können, sagt ihnen, was ihr braucht und was ihre Aufgabe ist.

So und jetzt seid ihr dran: Wie können uns die Jugendämter unterstützen? Was sind die Pflichten und wie können sie diese gut und praktisch umsetzen?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.