Betreuungsqualität in Kitas – Aus Sicht des päd. Personals

Heute durfte ich wieder einen von unzähligen Artikeln über das Thema „Betreuungsqualität in Kitas“ lesen. Ich habe seit langem keinen positiven Bericht mehr lesen dürfen – wie denn auch, wenn der Betreuungsschlüssel und die gesamten Bedingungen häufig so schlecht sind. Schön reden hilft da nicht. Die Zustände in deutschen Kindergärten und Krippen sind anstrengend für die Kinder und für die Erzieher. Die armen Erzieher tun ihr bestmöglichstes um den Alltag für die Kinder so schön wie möglich zu gestalten. Experten sind sich einig, dass sich etwas ändern muss. Aber welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit eine Betreuungseinrichtung eine gute Betreuungsqualität bieten kann? Was sagen Spezialisten dazu? Und wie kann man das Problem lösen?


Zuerst möchte ich sagen, dass ich hinter euch Erziehern stehen. Ich unterstütze den derzeitigen Streik und ich respektiere und schätze eure Arbeit. Leider hilft noch so viel Engagement weiter, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Da muss was getan werden!

Eine Erzieherin aus Halle bemängelt in diesem Artikel so einiges. Der Betreuungsschlüssel ist zu schlecht, es ist zu wenig Platz für so viele Kinder, die Gruppen sind zu groß und die Erzieher haben zu wenig Zeit für jedes einzelne Kind. Das kann ich alles nachvollziehen. Ich bin selbst Erzieherin und habe jahrelang in Kindergärten und -krippen gearbeitet. Deshalb wollte ich nicht, dass mein Sohn in die Krippe kommt und deshalb bin ich Kindertagespflegeperson geworden.

Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat Probleme erkannt. Hier ein Auszug aus dem aktuellen Bericht über den Stand der Kindertagesbetreuung mit Punkten, die aus Sicht des pädagogischen Personals verbessert werden müssen.

Nach Einschätzung der pädagogisch Tätigen könnte die pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen insbesondere durch diese Maßnahmen gesteigert werden:

  1. (zeitliche) Ressourcen im Betreuungsalltag – ein besserer Personalschlüssel würde dies ermöglichen
  2. Verbesserung des Personal-Kind Schlüssels – Aktuell liegt der deutschlandweite durchschnittliche Betreuungsschlüssel in Kindertageseinrichtungen bei 1:4,5. Also eine Fachkraft auf 4,5 Kinder. Das ist natürlich nur der Fall, wenn niemand im Urlaub, auf Fortbildung, krank ist oder Verfügungszeit hat.
  3. mehr Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit – ein besserer Personalschlüssel würde dies ermöglichen
  4. kleinere Gruppen – Eine durchschnittliche Gruppe bietet Betreuungsplätze für 11 Kinder unter 3 Jahren.
  5. der Einsatz von spezialisierten Fachkräften – „Lediglich 37,8 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass der Einsatz von mehr pädagogischem Personal mit Hochschulabschluss zu besserer Qualität beitragen könnte.“
  6. bessere materielle Ausstattung
  7. Einsatz von mehr Assistenzkräften
  8. Weiterentwicklung zu Familienzentren

Öffnungzeiten: Ein weiterer Punkt, der die Qualität der Betreuungseinrichtung steigern könnte, sind die Öffnungszeiten. Hier sehe ich aber einen großen Unterschied zwischen dem allseits bekannten „Familienfreundlich“ und dem eigentlich wichtigeren „Kinderfreundlich“. Mag sein, dass es für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig ist, dass die Betreuung lange Öffnungszeiten anbietet, aber welches Kind möchte schon von früh um 5 bis abends um 17 Uhr oder länger betreut werden? Oder sogar über Nacht? Ein kindlicher Lebensrhythmus ist das nicht. Und wo die Familie dann bleibt, ist mir auch unverständlich.

So, und woran haperst nun? Warum werden diese Probleme nicht angegangen?

Die am häufigsten genannte Hürden beim Ausbau der Kindertagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege 2014

Kindertageseinrichtungen:

  • Zu wenige zusätzliche Fachkräfte vorhanden
  • Unzureichende Kofinanzierung durch das Land
  • Fehlende Investitionsmittel
  • Räumliche Limitierung bei bestehenden Kindertageseinrichtungen
  • Zu hohe Arbeitsbelastung des Fachpersonals

(nur zur Information hier der Absatz über Kindertagespflege:

  • Zu geringe finanzielle Spielräume für bessere Bezahlung der Tagespflegepersonen
  • Unsicherheit bei Wahrnehmung der beruflichen Zukunft in der Kindertagespflege
  • Nicht ausreichend Tagespflegepersonen vorhanden
  • Planungsunsicherheit durch mangelnde Verbindlichkeit oder hohe Fluktuation der Tagespflegepersonen
  • Beruf aufgrund geringer Verdienstmöglichkeiten uninteressant)

Das Personal ist auf Grund der hohen Kinderzahlen in den Gruppen und den Personalmangel sehr gefordert und manchmal sicher auch überfordert. Wenn sich bis zu 15 Kleinkinder in einem Raum aufhalten ist der Lärmpegel sehr hoch, das bedeutet nicht nur für die Kinder Stress und Unruhe. Bemängelt wurde auch Platz und Ausstattung. Zu Hause wird darauf geschaut, dass jedes Kind ein eigenes Zimmer mit eigenen Spielsachen hat, damit es sich auch zurück ziehen und alleine spielen kann. In einer Einrichtung gibt es nichts Persönliches für ein Kind (außer ein Kuscheltier von zu Hause), es gibt wenig Rückzugsmöglichkeiten, weil einfach kein Platz ist um diese Möglichkeit durchschnittlich 11 Kindern zu bieten.

An Materialien und Spielen fehlt es den mir bekannten Einrichtungen wenigstens nicht. In diesem Bereich sind sie gut ausgestattet.

Ein großes Problem sehe ich in der Vor- und Nachbereitung, den durchzuführenden Beobachtungen, die Gestaltung der Portfoliomappen, den Vorbereitungen der Elterngespräche etc. Das ist so wahnsinnig viel Arbeit die nebenbei laufen muss – viele Erzieher haben keine Verfügungszeit – oder eben in der Freizeit.

Wie ihr seht, ist ein großes Problem die fehlende Unterstützung von Seiten des Staates. Zu wenig Geld hier, zu wenig Investionsmittel dort, hohe Fluktuation, weil die Tagespflegepersonen sich diesen Job nicht lange leisten können, keine Fachkräfte, weil man als Erzieher zu wenig verdient, zu wenig Personal allgemein, weil keiner diesen undankbaren, schlecht bezahlten Job machen möchte.

Würden die Erzieher und natürlich wir Tagespflegepersonen besser bezahlt werden, dann würde es mehr Fachkräfte geben, dann würde es allgemein mehr Personal geben, dann würde es weniger Fluktuation unter den Tagespflegepersonen geben, weil wir von dieser Arbeit leben könnten, es würde viele neue Tagespflegepersonen geben können und somit einen guten Betreuungsplatz für jedes Kind.

Ich möchte betonen, dass dies die Probleme der Einrichtungen sind. Die Situation in den Krippen und auch Kindergärten. In der Kindertagespflege sieht die Sache anders aus.

Wir Kindertagespflegepersonen arbeiten selbstständig und alleine. Wir haben keine großen Gruppen – bei uns werden höchstens 5 Kinder betreut. Der Personalschlüssel kann also nicht schlechter als 1:5 sein (deutschlandweit werden im Durchschnitt 3,3 Kinder von einer Fachkraft für Kindertagespflege betreut). Wir haben meist genug Platz, weil wir zu Hause betreuen und unser Haus den Kindern zur Verfügung steht. Die kontrollierenden Jugendämter schauen sehr genau hin, wie viel Platz wir den Kindern bieten. Meist werden 5 qm pro Kind als Maßstab herangezogen. Der Lärmpegel ist auf Grund der kleineren Gruppe viel niedriger.

Verfügungszeit haben wir leider auch keine – sämtliche Vor- und Nachbereitung muss außerhalb der Betreuungszeit stattfinden. Wir müssen zusätzlich noch putzen, einkaufen und Buchhaltung führen. Das ist alles unbezahlte Arbeitszeit.

Soviel zur Situation des Personals. Wie sich diese Qualitätsmängel auf die Kinder auswirken, zeigen wir euch in einem weiterem Artikel.

Es gibt sicher noch viele weitere Probleme, die wir hier nicht aufgezeigt haben. Aber ihr habt, wie immer, die Möglichkeit dieses Problem der fehlenden oder mangelnden Betreuungsqualität hier im Blog zu diskutieren. Wir sind sehr gespannt auf eure Meinungen zu diesem Thema.

 

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

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