Berechnung der Geldleistung

In unserem heutigem Artikel haben wir viele Zahlen für euch. Diese Zahlen sind nötig um zu verdeutlichen, was von unserem Tagespflegeentgelt übrig bleibt, wenn man alle Abzüge berücksichtigt. Dies ist ein wichtiger Argumentationspunkt, wenn es um die leistungsgerechte Vergütung geht. Wir müssen verstehen, wohin unsere Gelder fließen und was für uns übrig bleibt. Also, bitte Konzentration!


Zuerst müssen wir die Rahmenbedingungen klären. Wir arbeiten ca. 173 Stunden im Monat – nicht 160 (wie vom Finanzamt und auch von einigen Jugendämtern berechnet).

8 Stunden pro Tag x 5 Tage die Woche x 4,33 Wochen pro Monat = 173 Stunden im Monat.

Wenn wir die Betriebskostenpauschale von 300 Euro pro Monat und Vollzeitkind mit den 173 Stunden berechnen, sind das 1,73 Euro pro Stunde.

Wir in Würzburg bekommen pro Stunde vom Jugendamt insg. 3,98 € pro Kind (690 € pro Monat – Elternanteil beträgt 220 Euro. Zuschuss vom Jugendamt also 470 €).

Davon sind 1,73 € für Sach- und Betriebskosten abzuziehen. 

Bleiben also noch 2,25 € (das ist also der „Lohn“ für unsere Arbeit. Vergleichbar mit dem BRUTTOgehalt eines Angestellten).

Von diesen 2,25 € gehen dann noch Rentenversicherung, Kranken- und Pflegeversicherungen und natürlich noch Steuern weg. Ganz wichtig für Selbstständige ist auch das Bilden von Rücklagen, das derzeit nicht möglich ist. Wir Tagesmütter haben keinen Anspruch auf Krankengeld, keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld und bekommen vom Jugendamt lediglich insg. 30 Ausfalltage bezahlt (für Urlaub, Krankheit, Fortbildung usw.).

 

Hier alles auf einem Blick (alles auf ein Kind und Stunde gerechnet, bei insgesamt 3 betreuten Kindern und 173 Arbeitsstunden im Monat)

Tagespflegeentgelt (inkl. Qualifikationszuschlag)

3,98 €

– Sach-, Betriebskosten

1,73 €

Förderleistung vergleichbar mit Bruttolohn (inkl. Qualifikationszuschlag)

2,25 €

– Rentenversicherung (unser Anteil)

0,16 €

– Krankenversicherung, Pflegeversicherung (unser Anteil)

0,19 €

– Steuern ca. 20 %

0,15 €

Gewinn pro Kind pro Stunde

1,75 €

Gewinn für 3 Kinder pro Stunde

5,25 €

Gewinn für 5 Kinder

8,75 €

Gewinn für 4 Kinder

7,00 €

– Rücklagen (für 1 Kind)

0,64 €

 

Unsere Beispieltagesmutter betreut im Monat 3 Kinder, je 40 Stunden.

Sie hat im Monat 899 Euro zur Verfügung, von denen sie noch Rücklagen (hier ca. 335 Euro pro Monat!) bilden muss. Es bleiben ihr also tatsächlich 564 Euro im Monat.

2015

2018 (KV wird teurer)

Kind 1

390,00 €

390,00 €

Kind 2

390,00 €

390,00 €

Kind 3

390,00 €

390,00 €

Gesamte Förderleistung/zu versteuerndes Einkommen

1170,00 €

1170,00 €

– Rentenversicherung (mein tatsächlicher Anteil)

– 84,00 €

– 84,00 €

– Krankenversicherung, Pflegeversicherung (mein tatsächlicher Anteil)

– 87,00 €

Mind. – 155,00 €

– Steuern ca.

– 100,00 €

– 100,00 €

Gewinn

899,00

831,00

– Rücklagen

335,65

335,65

Tatsächlicher Gewinn

563,35

495,35

 

Unserer Beispieltagesmutter bleiben also ca. 563,35 Euro als Gewinn übrig.

Selbst wenn unsere Tagesmutter so risikobereit ist und nichts zurücklegt, bleiben ihr nur 899 Euro zum Leben.

Natürlich könnt ihr diese Berechnung nicht 1:1 für eure Situation übernehmen, sondern müsste SV-Beiträge und Steuern anpassen und natürlich auch das Tagespflegeentgelt und eure Arbeitszeiten. Aber wie sonst auch kann ich nicht alle Fälle in einer Rechnung berücksichtigen und versuche ein möglichst nachvollziehbares, realistisches Szenario darzustellen. Zu bedenken ist auch noch, dass bei einer Betreuung von mehreren Kindern andere Mindestbemessungsgrenzen zur Berechnung der SV-Beiträge herangezogen werden und sich somit die Abzüge ändern. Das konnte ich leider nicht alles in einer Rechnung berücksichtigen.

So, jetzt seid ihr dran. Findet ihr das leistungsgerecht? Kann man davon leben? Kann man davon als Selbstständiger leben?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.