Aus der Praxis für die Praxis – Gedanken zur Nachhaltigkeit in der Kindertagespflege -Teil 1

Jede/r Tagesmutter/-vater hat einen im Sozialgesetzbuch festgeschriebenen Bildungs- und Förderungsauftrag für die anvertrauten Tageskinder zu erfüllen. Wir wollen und sollen die Kinder fit für die Zukunft machen.


Wie stellt man das an? Und was sind die wichtigen Meilensteine auf dem Weg dorthin?

Hier einige Gedanken dazu.

Was benötigen unsere Tageskinder, um „fit für die Zukunft“ zu werden?

Was sich Kinder in der frühen Kindheit an Werten, Überzeugungen, Grundhaltungen und Fähigkeiten aneignen, legt den Grundstein dafür, wie sie sich später als Erwachsenen zu ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt verhalten.

Die Kindertagespflege ist ein Ort, wo Kinder von Anfang an planvoll und in einer Gruppe Interesse, Selbstbewusstsein, Aufgeschlossenheit und Kompetenzen erwerben, um die Welt zu verstehen.

Als Tagesmutter/-vater können wir unseren Tageskindern den Alltag so gestalten, dass er zum Ort einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) wird.

1. Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff?

Auch in Zukunft soll unsere Welt für alle lebenswert sein. Wir alle wissen, dass es da viel zu tun gibt. Nachhaltigkeit bedeutet, nicht auf Kosten zukünftiger Generationen und anderer Regionen zu leben.

Dabei geht es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte.

In der Kindertagespflege können wir als vorleben, wie Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Zukunft aussehen kann. Mit den Kindern können wir alltagsnahe kleine Projekte gestalten, die Fähigkeiten zur Zukunftsgestaltung fördern, altersangemessen Wissen vermitteln und auch noch Spaß machen.

2. Was sind die Kernkompetenzen der Zukunftsgestalter? Oder anders gefragt: Was brauchen unsere Tageskinder heute an Bildung, um morgen verantwortungsvolle Gestalter ihrer Welt zu werden?

Es geht auch darum Wissen zu erwerben, aber auch darum

  • weltoffen zu sein und offen für neue Perspektiven,
  • vorausschauend denken und handeln zu können,
  • gemeinsam mit anderen handeln und planen zu können,
  • an Entscheidungen partizipieren zu können,
  • sich selbst und andere zum Mitmachen motivieren zu können,
  • selbstständig planen und handeln zu können,
  • Empathie und Solidarität für Benachteiligte und Schwächere, Unterdrückte zeigen zu können.

Im geschützten Rahmen der Kindertagespflege können Grundlagen dafür gelegt werden.

Der erste Schritt:

Die Tagesmutter/der Tagesvater überprüft den Alltag in der Tagespflege auf Nachhaltigkeit. Hier finden die meisten sofort mehrere „Baustellen“, die mit wenig Aufwand nachhaltiger gestaltet werden können. Bezieht man die Kinder bei dieser Umgestaltung mit ein, ist hier Bildung für nachhaltige Entwicklung in vollem Gange.

Ein Beispiel:

Wird das Spielzeug mit den Kindern gepflegt und bei Bedarf repariert, lernen die Kindern den verantwortlichen Umgang mit Ressourcen. Das Thema „Spielzeug“ wird zum Bildungsanlass. Gemeinsam mit den Kindern kann überlegt werden, ob es mehr Spielzeug aus Holz (nachwachsender Rohstoff) geben soll, Spielzeug nicht neu, sondern gebraucht gekauft werden kann. Werden auch fair hergestellte und fair gehandelte Spielzeuge einbezogen, können die Kinder früh Mitgefühl und Gefühl für Gerechtigkeit entwickeln, wenn sich die Gruppe mit Leben und Arbeiten in den Herkunftsländern auseinandersetzt. So werden sie an globales Denken herangeführt.

Der zweite Schritt:

Kleine Bildungsprojekte

Im Tagespflegealltag mit Kindern unter drei Jahren bieten sich besonders folgende Themen für kleine nachhaltige Bildungsprojekte an:

  • Wasser
  • Ernährung
  • Natur

Die Kinder bestimmen mit ihren Fragen, Interessen und Gedanken den Projektverlauf, dadurch erreicht man Engagiertheit und Freude. Gerade Krippenkinder wählen aus Angeboten nur das aus, was ihnen emotional etwas bedeutet. Sie zeigen durch ihr Verhalten, was für sie wichtig ist und aufgegriffen werden sollte.

Im nächsten Artikel stelle ich Beispiele für kleine Bildungsprojekte für nachhaltige Entwicklung vor.

Barbara

Zertifizierte Tagespflegeperson, Fachkraft Kleinstkindpädagogik, Elternbegleiterin, Biologin. Meine Kindertagespflege ist bisher zweimal für nachhaltige Bildungsprojekte ausgezeichnet worden als KITA21- Die Zukunftsgestalter .