Angemessener Stundensatz für Freiberufler

Wir haben schon öfter versucht euch Beispiele aufzuzeigen, wie eine Berechnung einer leistungsgerechten Bezahlung aussehen könnte, unter anderem der Vergleich zum Gehalt einer Erzieherin. Heute versuchen wir die Sache mal von einer ganz neuen Seite anzugehen. Wie viel brauchen wir denn um als Selbstständige über die Runden zu kommen? Was sagen andere Selbstständige dazu, die keine Tagespflegepersonen sind? Wir zeigen euch heute eine sehr interessante Herangehensweise, die für jeden normalen Selbstständigen selbstverständlich ist – aber für uns etwas völlig Neues. Wir rechnen mit GEWINN :).


Eine nette Kollegin hat mich auf diese Internetseite für Freiberufler aufmerksam gemacht. Die Berechnung ist sehr umfangreich und kann natürlich nicht 1:1 auf die Situation der Tagespflegepersonen übertragen werden. Deshalb habe ich versucht die Vorgehensweise und die Überlegungen an unsere Situation anzupassen.

Die erste Aussage ist, dass die Einnahmen natürlich höher sein sollten als die Ausgaben. Hierfür müssen wir erst die Rahmenbedingungen klären. Unsere Ausgaben können wir einfach mit der, vom Jugendamt gezahlten, Sachaufwandspauschale berechnen. Dieses Geld ist dazu da um unsere Kosten zu decken. Pro Vollzeitkind haben wir in unserem Beispiel also rechnerisch 300 Euro an Ausgaben. Natürlich kann man hier auch seine tatsächlichen Ausgaben angeben, wenn man diese denn genau kennt. Außerdem gehen wir einfacher halber von 5 Vollzeitkindern aus. Es wird ja oft argumentiert, dass eine Tagespflegeperson ja schließlich 5 Kinder zur gleichen Zeit und Vollzeit betreuen kann. Außerdem erhalten wir somit den Mindeststundensatz, bei weniger betreuten Kindern muss dieser dann automatisch höher liegen.

Des weiteren geht der Autor dieser Berechnung davon aus, dass der Stundensatz eines Selbstständigen nicht unter dem Stundensatz eines Angestellten liegen darf. Wieso sollte er auch? Kann nicht jemand, der handwerklich geschickt ist, seine Arbeit als selbstständiger „Holzverarbeiter“ anbieten und hat er somit nicht das Recht mindestens so viel zu verdienen wie ein angestellter Schreiner? Darüber lässt sich streiten und das könnt ihr auch gerne nett und freundlich unter diesem Beitrag tun. Wir gehen trotzdem davon aus, dass unsere Arbeit als Tagespflegepersonen genauso viel wert ist wie die einer Erzieherin im Kindergarten.

Wir rechnen hier mit dem Durchschnittsgehalt einer Erzieherin in Deutschland. Dieses liegt laut Internet bei ca. 2.202 Euro. Laut TvöD bekommt eine Erzieherin in S6 Stufe 1 2544.18 € brutto und 1518.88 € netto. Stufe 1 bedeutet Berufseinsteiger. Und nicht zu vergessen: Erzieher sind unterbezahlt und kämpfen gerade für 10 % mehr Lohn!

Versicherungen

Da der Arbeitgeber einer Erzieherin ebenfalls die hälftigen Zuschüsse zu den Versicherungen zahlt, können wir das Bruttogehalt so heranziehen. Ca. 70 Euro ziehen wir Fairnishalber noch ab, weil wir keine Arbeitslosenversicherung und Zuschläge zur VBL zahlen. Also rechnen wir mit einem Gehalt von 2474 Euro.

Arbeitstage pro Jahr

Wir gehen von 21 Arbeitstagen pro Monat aus und 30 bezahlten Ausfalltagen im Jahr.
Krankheitstage und Krankheitstage von den eigenen Kindern müssen noch abgezogen werden. Das kann ich in der Rechnung leider nicht berücksichtigen.

Betriebskosten

Nun rechnen wir zum „Bruttogehalt“ von 2474 Euro noch die Betriebskosten von 1500 Euro dazu. Das ergibt 3974 Euro.

Zu den Betriebskosten zählen u. a. Miete, Heizung, Strom, Büromaterial, Telefonkosten, Reisekosten, Kosten für Weiterbildung, Versicherungen, … . „Hier kommen schnell 1.500 Euro im Monat zusammen. Vielleicht erscheint Ihnen das ein bisschen zu hoch. Aber das macht nichts. Hier geht es um den Rechenweg der Kalkulation zu Ihrem Stundensatz, und der darf natürlich in Ihrem individuellen Fall etwas anders ausfallen.“ (Quelle: http://lambertschuster.de/existenzgruender/stundensatz-kalkulation-fuer-freiberufler-und-selbstaendige/)

Auch auf dieser Internetseite wird genau der Betrag von 1500 Euro genannt, die die Betriebskosten realistisch darstellen können.

Kosten Tagessatz =>3974 € : 21 Arbeitstage = 189,24 € pro Tag
Kosten Stundensatz => 3974 € : 21 Arbeitstage : 8 Stunden = 23,65 € pro Stunde =  4,73 Euro pro Kind und Stunde

Rücklagen

Bisher haben wir noch keine Rücklagen gebildet. Die 4,73 Euro pro Kind und Stunde ergeben nur das, was wir zum Leben und Überleben brauchen. Als Selbstständige ist es für uns aber unerlässlich Rücklagen zu bilden.

Wir haben bereits einen Artikel veröffentlicht, indem aufgezeigt wird, wie ihr eure Rücklagen  berechnen könnt. In unserem Beispiel wird wird aber pauschal mit 15 % gerechnet.

Die Rücklagen werden nur von den Einnahmen berechnet, die Betriebskosten bleiben außen vor.

Kosten Tagessatz =>2474 € + 15 % Gewinn (371,10 Euro) + 1500 Euro =  4 345,10 Euro
Kosten Stundensatz => 4345,10 € : 21 Tage : 8 Stunden = 25,86 Euro.

Bei 5 Kindern: 5,17 Euro pro Kind und Stunde.

Fazit:

Wenn eine Tagespflegeperson tatsächlich 5 Kinder zur gleichen Zeit 40 Stunden pro Woche betreut, reicht nach dieser Berechnung ein Stundensatz pro Kind von 5,17 Euro aus um zu leben und um davon Rücklagen zu bilden.

Wir sind davon ausgegangen, dass wir 21 Arbeitstage im Monat durchgängig bezahlt werden, d. h. wir haben 30 Tage bezahlten Urlaub. Alle Krankheitstage, Krankheitstage für eigene Kinder und andere Ausfallzeiten müssen von diesen Rücklagen bestritten werden und nicht zu vergessen das „unternehmerische Risiko“, welches bei uns meist den Wegfall eines Betreuungskindes bedeutet.

Jetzt würden wir gerne eure Meinung dazu hören. Wer bekommt schon über 5 Euro und reicht das tatsächlich?

 

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

22 Gedanken zu „Angemessener Stundensatz für Freiberufler

  1. Wow, ein toller Bericht. Sehr gute Arbeit. Das spricht mich direkt an. Die Diskussion um den Mindestlohn nervt mich eher. In deiner Berechnung kommt die eigentliche Qualität die wir leisten zum tragen. Der Mindestlohn ist eher, meiner Meinung nach, ein Maßstab. Nach dem alle gleich, egal für welchen Service, bezahlt werden. Als Freiberufler sprichst du mir aus dem Herzen. Wir sind mit unseren 4,40€ schon ein bisschen dran. Hier allerdings kämpfe ich mit viel Konkurenz besonders auch den Krippen und der Aufnahme mit 2 jährigen in altersübergreifenden Gruppen. Ein mehr an Geld nehme ich über Nebenkosten. Und hoffe das mein „kleines Nest“ noch lange überlebt…

  2. Danke Claudi! Natürlich ist hier auch keine Vor- oder Nachbereitung berücksichtigt. Das macht die Rechnung sehr viel komplizierter und wir bekommen sie sowieso nicht bezahlt…

    1. Hallo Jenny, deine Berechnung liegt etwas unter meiner. Ich bin auf einen Stundensatz von 5,69 € gekommen. Ich habe mich dabei an dem Düsseldorfer Urteil aus 11/2013 orientiert und zu dem Erzieherinnengehalt noch das im öffentlichen Dienst obligatorische Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinzugezählt sowie den Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall berücksichtigt. Ansonsten stimme ich deiner Berechnung voll zu. Zur information: ich war lange Jahre selbständige Bilanzbuchhalter und habe für mittelständische Unternehmen die Finanz- und Lohnbuchhaltung erledigt.

      1. Hallo Karin, ich habe die aktuellen Zahlen (meines Wissens nach inkl. Urlaubs- und Weihnachtsgeld) genommen. Aber 5,69 Euro wären mir auch sehr recht :). So jemanden wie dich könnte ich täglich für meine Berechnungen und Artikel brauchen ;). Lg

  3. Hm, einerseits ist die Berechnung nachvollziehbar und es würde dann ein vergleichbares Einkommen erzielt bei einer 40Std.Woche.
    Doch wir arbeiten weitaus länger als selbständige. Wenn ich die Zeiten für Vor und Nachbereitung, Unterhaltsreinigung, Einkauf, Fortbildung etc. mit berechne.
    Ausserdem kommen nicht alle Kinder zur selben Zeit. Beispiel: 2von 7-15, 2von 8-16, 1von 9-17Uhr. Dann würde ich von 16-17Uhr nur 5.17Euro einnehmen.
    Genau deshalb muss der Std.Lohn eines selbstständigen viel höher liegen.
    Andersrum gerechnet: wenn ich ca. 10Std zusätzlich zur Betreuungszeit pro Woche arbeite und diese Zeit in meine Betreuungszeit „packe“ sprich mir eine Ersatzbetreuungsperson für diese Zeiten holen würde, damit ich nicht mehr als 40Std. arbeite, entstehen mir Kosten. Weil ich die Kraft bezahlen muss von meiner Ausfallpauschale und ich selbst für diese Zeit keinen Cent vom Amt sehe.
    Sprich, 10Std x 5 Kinder x 5.17Euro = min 250Euro die ich 1.an die Ersatzkraft zahle und 2.selbst auch nicht einnehme.
    Wäre so, wenn ich nach unserer Satzung gehe die auf dem Urteil zur leistungsgerechten Bezahlung basiert. Nienburg Niedersachsen.

    Also was tun? 40Std arbeiten und die restlichen 10Std. unbezahlt arbeiten um den Verlust zu minimieren. Ein Horrorgedanke, wenn der Betreuungsschlüssel demnächst auf 1:3 gesenkt wird.

    Mich würde die Berechnung des Bundesverbandes interessieren. Der hat schon 2008/9 einen Betrag von 5.50Euro gefordert.

  4. Ja Jenny, das ist eine aufwändige aber auch aufschlussreiche Berechnung, die ich auch nachvollziehen kann. Wir liegen in dem Bereich und ich kann davon ganz gut leben. Einzig genügend Rücklagen für Krankheit und Alter kann ich schwer bilden, da ich Hauptverdiener bin. Aber vielleicht bin ich auch nur unfähig? !

  5. Ach ja, ich arbeite allerdings 50 h pro Woche, betreue immer 5 Kinder gleichzeitig, von 7-10 h und erhalte den höheren Tarif für Erzieher. Also das reicht nur deswegen. Ausfall kann ich dann schon schwer abfangen.

  6. In Schwerin bekommt man für 50 h wöchentlich leider nur 2,33 € die Stunde. Mit 5,17 € könnten wir uns viele Wünsche erfüllen. Mir würde es reichen. Wir sind bereits am verhandeln mit dem Jugendamt und schlugen 4,00 € pro h anhand einiger Gerichtsurteile vor. Das Jugendamt anrtwortete darauf: Wir sind hier aber in Mecklenburg Vorpommern. Und 4,00 € ist definitiv zu viel. Die Stadt hat kein Geld. (PS: Wir kämpfen weiter!)

  7. Wenn ich das Argument „Kein Geld“ bei diesem Hungerlohn von 2,33/h lese, bekomme ich bald zu viel. Zu diesen Konditionen würde ich gar nicht arbeiten. Was wäre denn los, wenn die TPP die Betreuung verweigerten und erst wieder die Arbeit aufnähmen, wenn ein vernünftiger Stundenlohn gezahlt würde?
    Etliche Eltern hätten keine Betreuungsmöglichkeit mehr für ihre Kinder, müssten somit zu Hause bleiben. Dann könnten sie die Stadt auf Schadenersatz verklagen.
    Wenn ein Gehalt wegfällt, rutschen die Eltern möglicherweise ins Alg2, das müsste die Stadt dann wohl oder übel bezahlen. Aber für TPP ist kein Geld da?!
    Ich kann leider nicht sagen, was für eine Stadt besser ist: höhere Ausgaben für Tagespflege bei höheren (Lohn-)Steuereinnahmen oder niedrigere Ausgaben für Tagespflege bei steigenden Kosten für Soziales.

  8. Eine Nachfrage: bezahlter Urlaub für Selbständige? Müsste das nicht eher in die Rücklagenberechnung gehen? Urlaubsanspruch besteht doch eigentlich nur für Angestellte gegenüber einem Arbeitgeber. Und übrigens: Kompliment für die diese ausgezeichnete Internetseite zum Thema Tagespflege!

    1. Bei uns in Würzburg und auch in ganz vielen anderen Kommunen ist es tatsächlich so, dass wir Tagespflegepersonen 30 bezahlte Ausfalltage haben. Deshalb habe ich das so einfließen lassen. Danke für das Kompliment!

    2. RICHTIG,Herr Detering,aber andere Selbständige haben auch die Möglichkeit,Ihre Stundensätze selbst zu bestimmen.Oder bekommen,wenn es Gebührenordnungen gibt,wie z.B. bei Rechtsanwälten.so hohe Gebühren,dass zum Beispiel ein kleiner Wochenendtrip durchaus mal drin ist.
      Auch können andere Selbständige soviel arbeiten,wie sie wollen.Wir haben jedoch,bedingt durch Zuzahlungsverbote und Begrenzung der Kinderzahl,einen garantierten Höchstverdienst.Darüber hinaus können wirgar nicht verdienen.
      Sie merken,sehr geehrter Herr Detering,eine TPP kann sich,wenn sie keinen bezahlten Urlaub bekommt,gar keinen Urlaub erlauben, geschweige denn,während dieser Zeit sogar wegzufahren.
      Aber wir sind ja eh nur der Notnagel der Nation,bis der Kita-Ausbau vollzogen ist,nicht wahr?Es hat ja nie jemand vor gehabt,uns ernst zu nehmen,zumindest könnte man auf diese Idee kommen….

    3. Sehr geehrter Herr Detering,

      Ihr Vorschlag, die bezahlten Urlaubstage den Rücklagen zuzurechnen, „hinkt“ bestenfalls:
      Das Entgelt für die Urlaubstage wird
      a) nur dann ausgezahlt, wenn tatsächlich Urlaub genommen wird und verfällt ganz oder teilweise, wenn der Urlaub nicht oder nur teilweise im laufenden Jahr nicht in Anspruch genommen wird und
      b) der Anspruch ist auch nicht ins nächste Jahr übertragbar .

      Ihr Vorgehen bedeutet also, dass wir uns „Rücklagen“zweck und zeitliche Begrenzung der Inanspruchnahme auch noch vorgeben lassen sollen.

      Noch viel interessanter wird dies i.Ü. beim Thema bezahlte Krankheitstage, die ja nach Ihrer Argumentation auch der Rücklage zugerechnet werden müsste:

      Während ein Selbständiger entweder die Kosten einer Krankentagegeldversicherung in die Kalkulation einfließen lassen kann oder aber eben zeitlich unbegrenzte Rücklagen bilden kann, gilt für uns, dass wir – wenn überhaupt- jedes Jahr einen bestimmten Zeitsatz „erkranken dürfen“. Sind wir gesund -und „blöd“- genug, mehrere Jahre nicht zu erkranken und danach einmal für mehrere Wochen aufgrund von Krankheit auszufallen, kommt der physische „Beinbruch“ einen finanziellen Genickbruch gleich….

      Fakt ist, beim derzeitigen Status von einer Selbständigkeit der KTPPs zu reden ist schlichter Unsinn und von den Verantwortlichen, die solche – eben an normale Angestelltenverhältnisse angelehnte- Regelungen schaffen, auch nicht gewünscht.

  9. Guter Beitrag, allerdings hinkt der Vergleich mit der Eingruppierung S6, denn nicht jede TPP ist gelernte Erzieherin. Daher muss man von einer niedrigschwelligeren Vergütung und Eingruppierung laut TvöD ausgehen. TPP sind allenfalls gleichzustellen mit Kinderpfleger / bzw. Sozialpädagogischen Assistentin. Schlüssel zu den einzelnen Eingruppierungen ist (nehmt es mir nicht übel, aber so ist nun mal) die Ausbildung bzw. Qualifikation und damit kommen wir höchstens auf S4 mit einer Vergütung von mtl. 2154, 0 brutto. Diese Stufe legt Prof. Dr. Sell in seiner Studie zugrunde. Nur wer wirklich eine Erzieherausbildung hat, kann mit S6 rechnen. Und dann sieht es schon wieder ganz anders aus….Die Betriebskosten würde ich komplett außen vor lassen, denn unsere Förderleistung soll leistungsgerecht ausfallen. Die Sachkosten unterliegen enormen örtlichen Unterschieden und können schlecht miteinander verglichen werden. Zudem macht der Vergleich rein mit den Fördergeldern die Diskussion auch übersichtlicher. Brechen wir die Bruttogelder runter auf einen Stundenlohn für die KTP (als Basis 5 Kinder, 40 Stunden, 4,33 Wochen) bleibt ein Stundenlohn von 2,49 Euro als Förderleistung. Nehme ich nun bei den Sachkosten tatsächlich die vollen 300 Euro als Basis, so kommt eine Summe von 4,22 Euro heraus….die Summe, die auch bereits Gerichte als Summe genannt haben….Auch wenn es euch nicht gefällt, aber die Basis ist nun mal die Qualifierzung. Solange sich da nichts ändert, bleibt alles andere eine Illusion in weiter Ferne.

  10. …..wo ich gerade von Antje lese….Didacta 2015, lt. Bundesverband kommt die Quali vom 300Std. sehr schnell auf uns zu. Für alle 160er binnen eines Jahres aufzustocken. 😉 Dann habe ich meine Quali quasi um 100% gesteigert….lach liebe Kommunen, dann steigert bitte adäquat meine Förderleistung !
    (Die Erweiterung meiner Fachkompetenz durch bisherige Fortbildungen ist euch ja egal und wird nicht honoriert )

  11. Wir als Tagespflegepersonen sollten lieber informieren als angreifen. Wie geht es uns denn damit? Also, ich bekomme nicht ganz 4 Euro die Stunde pro Kind. Ich kann davon nicht leben und keine Rücklagen bilden. Ich bin darauf angewiesen, dass unser Jugendamt so freundlich ist und mir wenigstens 30 Ausfalltage bezahlt. Diese 30 Tage sind mein Urlaub, den ich als Vollzeit arbeitende Mutter auch dringend brauche. Jeder (zusätzliche) Krankheitstag und jeder Krankheitstag meiner Kinder etc. wird mir vom „Lohn“ abgezogen. Hier muss sich noch viel ändern, damit man von einer fairen, angemessenen und leistungsgerechten Bezahlung sprechen kann.

  12. Hm, ich denke, dass die Tatsache, dass in vielen Orten Tagespflegepersonen „Urlaub gewährt wird“, ein starkes Indiz dafür ist, dass die Tätigkeit als Tagespflegeperson mit einer echten Selbständigkeit nicht vergleichbar, sondern eine Schein-Selbständigkeit ist. Tagespflegepersonen erhalten sowohl ihre Kunden, ihr Geld, ihre Anweisungen, ihren Urlaub u.a. vom örtlich zuständigen Träger der Jugendhilfe (Jugendamt). Es sollte m.E. überprüft werden, ob nicht im Grunde ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis vorliegt und deshalb die Tagespflegepersonen einen Anspruch auf Festanstellung (beim Jugendamt) hätten. Das ist rechtlich umstritten; letztlich wird dies wohl von Gerichten entscheiden. Gibt es dazu schon Erfahrungen?

  13. „Arbeitsrechtliche Grundsätze als Maßstab für die Bewertung der Tätigkeit

    Für die Bewertung des Beschäftigungsverhältnisses (abhängig beschäftigt bzw. selbständig tätig) kommt es nicht auf die vertragliche Ausgestaltung, also den Willen der Vertragsparteien (Tagespflegeperson/Erziehungsberechtigte), sondern auf die konkrete tatsächliche Handhabung an.
    Zwar gehen die sozialrechtlichen Regelungen im SGB VIII von einer selbständigen Tätigkeit aus, jedoch ist eine abhängige Beschäftigung in der Tagespflege arbeitsrechtlich zulässig oder sogar geboten.

    Für die (arbeits-)rechtliche Bewertung der Tätigkeit spielt die von den Vertragspartnern vorgesehene Ausgestaltung des Rechtsverhältnisses als „selbstständig“ oder „nicht selbstständig“ keine Rolle. Es besteht ein Rechtsformenzwang; eine „Flucht“ aus den arbeitsrechtlichen Vorgaben ist rechtlich mithin nicht möglich. Die Vertragspartner entscheiden also nicht autonom über die Frage, ob die Tätigkeit als Dienstvertrag oder als freie Mitarbeit ausgestaltet wird. Vielmehr müssen alle Umstände des Einzelfalls anhand arbeitsrechtlicher Maßstäbe geprüft werden, um entscheiden zu können, ob die Beschäftigungsform als „selbständig tätig“ bzw. „abhängig beschäftigt“ zu bewerten ist.

    Beurteilungsmaßstab ist § 7 Abs. 1 SGB IV, der festlegt, dass Beschäftigung die nicht selbständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis ist (Satz 1) und „Anhaltspunkte für eine Beschäftigung eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers sind“ (Satz 2). Bei dieser wertenden Betrachtung sind der Grad der persönlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeit sowie die Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisation maßgeblich. Im Wege der Auslegung ist also zu ermitteln, ob die Tätigkeit der Tagespflegeperson mit Blick auf Inhalt, Durchführung, Zeit, Dauer und Ort als abhängig einzustufen ist und damit dem Weisungsrecht eines Arbeitgebers unterliegt. Bei der Auslegung spielen auch Aspekte wie das Vorhandensein eines eigenen Unternehmerrisikos oder einer eigenen Betriebsstätte (der Tagespflegeperson) eine Rolle. Vorgaben des SGB VIII wie die in § 79 SGB VIII verankerte Gesamtverantwortung oder auch Regelungen zum Schutzauftrag (§ 8a SGB VIII) regeln die Aufgaben des Trägers
    der öffentlichen Jugendhilfe im Verhältnis zu den Leistungsberechtigten. Sie treffen keine Aussage über den sozialversicherungsrechtlichen Status des Leistungserbringers.“

    (Tagespflegepersonen in sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnissen, Rechtsexpertise von Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wiesner, Ansgar Dittmar und Melanie Kößler, 2014)

    Daraus folgt: je mehr der Träger der öffentliche Jugendhilfe (Jugendamt) die praktische Tätigkeit von Tagespflegepersonen dirigiert bzw. festlegt, desto eher ist von einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis auszugehen. Wird ein solches abhängiges Beschäftigungsverhältnis festgestellt, hat die Tagespflegeperson einen Rechtsanspruch auf Einstellung beim Träger der öffentlichen Jugendhilfe (oder einem von ihm Beauftragten, z.B. Wohlfahrtsverband). Eine Einstellung wiederum muss nach den jeweils geltenden Tarifverträgen erfolgen; das macht die Frage nach einem angemessenen Stundensatz zwar nicht hinfällig, würde sie aber deutlich vereinfachen.

    1. „je mehr der Träger der öffentliche Jugendhilfe (Jugendamt) die praktische Tätigkeit von Tagespflegepersonen dirigiert bzw. festlegt, desto eher ist von einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis auszugehen“

      Erstmal Danke für die gute Ausführung bzw. Zitate.

      Wir fragen uns aber: Wo ist die Grenze und was können wir tun?

      Kein Jugendamt wird so doof sein und schriftlich die Arbeitszeiten und Tätigkeiten der Tagesmütter festlegen.
      Allerdings gehen viele den indirekten Weg: Es werden Monatspauschalen und Kinderanzahl festgelegt. Dadurch ist der Verdienst in der Höhe begrenzt. Mit Verboten oder unterschwelligen Drohungen versucht man Einfluss zu nehmen auf die konkrete Ausgestaltung der Tätigkeit. Über Dreiecks-Verträge oder Festlegungen zur Zusammenarbeit soll der Einfluss auf das Verhältnis Eltern-Betreuungsperson gesichert werden.

      Es ist nicht unsere Aufgabe, ständig gegen Auflagen und Verbote anzukämpfen!
      Schon das Einhalten kostet mich mittlerweile einen gewaltigen Teil meiner Arbeitszeit.

      Wir sind für die Kinder da – DAS ist wichtig!

  14. Jenny ich will nicht angreifen 😉 sondern nur aufzeigen, dass wir aufpassen müssen, welche Zahlen wir als Vergleich heran ziehen. Wollen wir andere davon überzeugen, so muss es fundiert sein und man sollte immer Gutachten oder ähnliches haben, die unsere Argumentation stützen. In dieser Hinsicht ist Prof. Dr. Sell für uns ein Segen. Er macht sich stark für die KTP, liefert uns Studien und Zahlen und ist eine angesehene Koryphäe. Er legt als Vergleich den Verdienst von Kinderpflegern zugrunde und differenziert zwischen den Ausbildungen. In meinen Augen durchaus legitim und richtig. Ich finde den Aspekt und Einwand von Herrn Detering sehr gut und richtig. Viele freuen sich über bezahlte freie Tage, viele fordern sie regelrecht ein, viele wollen sie nicht mehr missen. Hälftige Zuschüsse zu den Soz. Vers. wollen ebenso wenige missen. Alles Dinge, die eher auf eine Abhängigkeit hindeuten als auf eine wirkliche Selbstständigkeit. Im Prinzip müssen alle Berechnungen so vollzogen werden, dass sie uns eine völlige Unabhängigkeit zu diesen Sonderregelungen ermöglichen. Die die Krankenkasse auch ab 2019 bezahlbar machen, die eine wirkliche Selbstständigkeit aufweisen. Wir können nicht immer mit erhobener Hand auf unsere Selbstständigkeit pochen und zeitgleich die Annehmlichkeiten nicht missen wollen. Das hinkt und macht uns auch nicht unbedingt glaubwürdiger. Zudem sollten wir uns durchaus die Mühe machen unsere realen Ausgaben aufzulisten und nicht aus Bequemlichkeit mit Pauschalen rechnen. Nur dann kann man wirklich von einer guten und gut durchdachten Gewinn- bzw. Verlustrechnung reden. Nur dann haben wir Zahlen in der Hand, die Argumente liefern, da sie nachweisbar und belegbar sind. Pauschalen sind immer nur halb gut….

  15. Ich glaube grundsätzlich ist hier die Frage, wo wir KTPPs eigentlich hin möchten? Zur tatsächlichen Selbständigkeit oder aber zur abhängigen Beschäftigung? Und zwar mit allen zugehörigen Konsequenzen.

    Ebenfalls wird hier immer wieder vernachlässigt, mal zu schauen, wer denn hier welche Interessen verfolgt. Es sind doch nicht nur die JAs/Kommunen und die KTPPs selber betroffen. Vielmehr haben sich viele freie Träger nette Nebeneffekte durch die KTP gesichert. Die unterschiedlichsten Träger, nicht selten auch solche, die vor Ort eigene Tageseinrichtungen betreiben, übernehmen unterschiedlichste Tätigkeitsbereiche im Rahmen der KTP – Qualifizierung und Fortbildung, Fachberatung, Verwaltungs- und Vermittlungsaufgaben etc. pp.. Für diese Stellen fließen ebenfalls Gelder. Aber was passiert denn nun, wenn die KTPPs z.B. im Rahmen des
    Aktionsprogramm Kindertagespflege fest angestellt werden? Die Träger hätten zunächst einmal höhere Ausgaben durch Lohn-, Lohnnebenkosten etc. für die einzelnen KTPPs. Um dentsprechende Fördergelder zu erhalten, müssen die TPPs für mind. 24 Monate angestellt werden und im Bedarfsplan aufgenommen werden. Gleichzeitig müssten verlässliche und praktikable Vertretungsregelungen geschaffen werden, da die Eltern sich eben nicht mehr an die KTPP wenden sondern an den Träger verwiesen werden könnten. Darüber hinaus wäre es einzelnen Trägern nicht mehr möglich KTPPs „ohne Ende“ auszubilden, wie dies immer noch in vielen Gemeinden passiert. Vielmehr würden hier auf Dauer Stellen gestrichen werden müssen. Gleiches gilt für die anderen Bereiche ebenso. Ebenso müssten die Träger die Kindertageseinrichtungen betreiben und gleichzeitig KTPPs beschäftigen, sich Gedanken darüber machen, warum wann welche Maßnahme empfohlen wird, da es eben nicht mehr möglich ist „bedarfsverfügbare“ Selbständige in Anspruch zu nehmen…..

    Ich stimme dem zu, dass es sich in der KTP oftmals um Scheinselbständigkeiten handelt und sehr viele KTPPs unprofessionell arbeiten und bei einer tatsächlichen Selbständigkeit nicht bestehen würden. Allerdings lege ich auch sehr viel Wert auf meine Selbständigkeit. Ich habe sehr bewusst die Entscheidung getroffen, nicht in einer „Tagesverwahreinrichtung“ zu arbeiten und bringe entsprechende Leistung, die möchte ich jedoch auch möglichst angemessen honoriert sehen und damit nicht einen Verwaltungs- und Fortbildungsapparat finanzieren, den ich überhaupt nicht will. Was nützen mir -und damit den Kindern- kostenlose Fortbildungen bei einem einzigen Träger, die lediglich dem Nachweis der Teilnahme dienen, jedoch ansonsten inhaltlich „unter aller Kanone“ sind? Was nützt mir die Überweisung der gesamten Beiträge, wenn ich diese zurückerstatten muss, um dann – wieder auf mich allein gestellt- gegen Eltern zu klagen, die sich nicht an Anwesenheitszeiten oder Kündigungsfristen halten? Was nützen mir bezahlte Urlaubs- und Krankheitstage, die u.a. trotz bestehendem Einvernehmen mit den Eltern, nicht in die nächsten Jahre übertragen werden können?

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