(Un-)Pünktlichkeit der Eltern

Heute möchte ich euch einen weiteren Blog über Kindertagespflege vorstellen. Geschrieben wird er von Isabella Arzt, einer Tagesmutter und Mutter von vier Kindern aus Neuss. Sie hat gerade einen Artikel über Pünktlichkeit bzw. Unpünktlichkeit der Eltern in der Kindertagespflege veröffentlicht. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen und euch über meine Erfahrungen zu diesem Thema berichten.


„Meine Eltern“, wie ich immer so schön sage, sind da wirklich unkompliziert. Sie sind pünktlich und sehr verlässlich. Wenn sie sich verspäten, dann sagen sie Bescheid; sie bringen die Kinder nicht zu früh und nicht zu spät. In der Kindertagespflege habe ich bisher tatsächlich kaum schlechte Erfahrungen mit dem Thema Unpünktlichkeit gemacht. Zu meinen Zeiten als Erzieherin im Kindergarten gab es dagegen immer Kinder, die erst nach dem Morgenkreis gekommen sind oder die sie erst nach der letzten Abholzeit abgeholt wurden. Derzeit ist es bei uns so, dass wir um Punkt 8 Uhr und Punkt 12 Uhr los müssen um unseren Großen vom Kindergarten zu holen. Das wissen die Eltern und somit müssen die Kinder entweder vorher oder danach geholt bzw. gebracht werden. Und wer zu spät kommt müsste warten.

Ein wichtiger Punkt, der aber nicht außer acht gelassen werden darf ist, dass wir Tagespflegepersonen meist eine flexible Betreuung anbieten wollen. Meiner Ansicht nach sollten wir den Eltern durchaus die Möglichkeit geben das Kind mal etwas länger oder kürzer bei uns zu lassen. Wichtig ist hier aber, dass diese Änderungen mit uns abgestimmt sind und das ganze keine Ausmaße annimmt, die uns in unserem eigenen Privatleben behindern. So betreue ich z. B. das Kind von einer Lehrerin, die öfters mal Konferenzen oder ähnliche Veranstaltungen am Nachmittag hat. Sie weiß das mehrere Tage oder sogar Wochen im Voraus und ich kann das einplanen. So ist es überhaupt kein Problem das Kind auch mal bis nach meinem eigentlichen Feierabend zu betreuen. Das schöne ist, dass sie diesen Service überhaupt nicht für selbständig nimmt, sondern ihre Dankbarkeit zeigt.

Leider läuft es nicht bei allen so gut und alles hat seine Grenzen, wir möchten nicht ausgenutzt werden um eben mal schnell noch einen Kaffee zu trinken oder mal zum Friseur zu gehen. Wir möchten uns auch auf etwas einstellen können. Wir möchten wissen, wann welches Kind kommt und wann es geholt wird. Die Eltern verlangen von uns ja auch Verlässlichkeit und Pünktlichkeit. Einige Tageseltern regeln in ihrem Vertrag mit den Eltern, dass für Zeiten die über die vereinbarten Zeiten hinausgehen ein deutlich höherer Stundensatz berechnet wird. Auf der einen Seite kann man die Eltern dadurch spüren lassen, dass diese ungeplanten Zeiten für uns einen deutlich höheren Aufwand darstellen. Auf der anderen Seite kann es unter Umständen passieren, dass bei den Eltern hierdurch ein Anspruchdenken entsteht, weil sie diese Dienstleistung ja bezahlen.

Wie läuft es bei euch? Habt ihr auch Bilderbucheltern wie ich oder müsst ihr immer mal wieder warten wie viel die Eltern heute zu spät kommen? Wie berechnet ihr die Überziehung der Betreuungszeiten?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

4 Gedanken zu „(Un-)Pünktlichkeit der Eltern

  1. Zum Glück habe ich hier auch Vorzeige-Eltern, die eher mal 10 Minuten zum Abholen früher kommen als zu spät. Und wenn mal ein Termin ansteht (und sei es auch nur ein Friseur-Termin, den die Mutter sich ja auch mal gönnen darf), dann weiß ich das vorher, bzw. es wird gefragt, ob das für mich möglich wäre, das Kind länger bei mir zu lassen. Also nichts mit Selbstverständlichkeit und Ausnutzen.
    Eine Mutter hatte ich allerdings in den 13 Jahren meiner Berufstätigkeit, die kam einfach immer zu spät. Aber sie hat mich von unterwegs angerufen und Bescheid gesagt. Irgendwann hatte ich mich auch darauf eingestellt und mittlerweile sind auch wir gute Freundinnen, obwohl beide Kinder schon in der Schule sind 🙂
    Morgens frühstücken wir um 9.00 h und bis dahin sind auch alle irgendwann eingetrudelt.
    Jetzt weiß ich allerdings nicht, ob ich nur Glück habe oder ob ich das den Eltern eben so rüber gebracht habe. Ich glaube, es hat auch sehr viel damit zu tun, dass ich „meine Eltern“ nicht immer direkt duze. Dann ist man nicht gleich die Freundin, der es nichts ausmacht, als 10 Minuten zu spät zu kommen.

  2. Von 5 Takis ist ein Kind dabei, dass jeden Morgen von seinem Vater zu unterschiedlichen Zeiten gebracht wird. Verlassen kann ich mich nur auf die Unzuverlässigkeit. Bringzeit ist laut Vertrag 8:00 Uhr. Gebracht wird der Zwerg mal um 9:00 oder um 10:00 Uhr oder auch garnicht. Informieren? Fehlanzeige. Nach vielen Monaten des wartens und erzählen von merkwürdigen Geschichten (so kam es mir immer vor)habe ich die Reissleine gezogen. Der Mutter habe ich schriftlich mitgeteilt, dass ich diese Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeitnicht mehr länger hinnehme ( habe viel mit den Eltern geredet)! entweder kommt das Kind zukünftig pünktlich oder sie konnen sich eine neue Tagesmutter suchen. Sofort hat die Mutter mit ihrem Arbeitgeber geredet und schon kommt das Kind um 8:00 Uhr gebracht von der Mutter. Die Eltern leben nicht zusammen und der Vater will viel mit seinem Kind unternehmen.

  3. Ein sehr schönes Thema, was du da beschreibst. Es gibt immer mal Eltern die es nicht so genau nehmen mit der Zeit. Allerdings arbeite ich flexibel und meine Eltern bekommen mit auf den Weg: 30 min Verspätung sind für mich kein Problem. Sollte es widererwarten länger dauern, im Interesse des Kindes, Bescheid sagen. Wer sich nicht an die Asprachen hält riskiert auch schon mal, auf uns, vor verschlossener Tür zu warten.

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