Krankheitsvertretung nach dem Tandem-Modell

Nachdem ich euch bereits das Springer-Modell und das Stützpunkt-Modell vorgestellt habe, habe ich viele Rückmeldungen dazu erhalten. In den Kommentaren melden sich leider immer wieder Tagesmütter und Tagesväter, deren Jugendämter keine Ersatzbetreuung bereitstellen. Daher möchte ich an dieser Stelle mal wieder darauf hinweisen, dass alle Tagespflegepersonen bzw. die Kinder, einen Anspruch auf Ersatzbetreuung haben. Das Jugendamt muss sich um eine Lösung kümmern, die auch umsetzbar ist. Eine Vertretungsregelung die vorsieht, dass eine Vertretungskraft für insgesamt 200 Kinder zuständig ist, ist nicht praktikabel und auch nicht umsetzbar. In unserem heutigen Beitrag werden wir uns mit dem Tandem-Modell eine weitere Möglichkeit anschauen die Ersatzbetreuung in der Kindertagespflege zu realisieren.


Das Tandem-Modell beschreibt ein System, indem zwei Tagespflegepersonen sich jeweils gegenseitig als Ersatzbetreuung zur Verfügung stehen. Nachdem eine Tagesmutter nach §43 SGB VIII nie mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreuen darf, eignet sich dieses System nur für Tagespflegepersonen, die zusammen nicht mehr als fünf Kinder betreuen. Ansonsten müsste bei einem Ausfall eine der beiden mehr als fünf Kinder betreuen, was ja nicht erlaubt ist.

Voraussetzung für ein gutes Gelingen jeder Ersatzbetreuung ist natürlich, dass die Kinder der Ersatztagespflegeperson vertraut sind. 

Die Person, die die Vertretung übernimmt, sollte den Kindern vertraut sein. Das bedeutet, dass unabhängig vom konkreten Vertretungsfall regelmäßige Treffen mit Tageskindern und der Vertretungsperson stattfinden sollten.

Regelmäßige Besuche untereinander erleichtern den Kindern selbstverständlich die ungewohnte Situation. In der Praxis hat sich ein wöchentliches Treffen mit einer Dauer von wenigen Stunden als sinnvoll erwiesen. Bei Kleinkindern, wie wir sie in der Kindertagespflege vorwiegend betreuen, ist es besonders wichtig, dass sie eine gute Bindung zur Betreuungsperson aufbauen können. Die Treffen können also sehr gut im Wechsel einmal bei der einen Tagesmutter/-vater und einmal bei der anderen stattfinden. Hierbei lernen die Kinder beider Gruppen die jeweils andere Tagespflegeperson kennen. Je intensiver die Kontaktpflege stattfindet, umso besser kann sich die Bindung zur Ersatzbetreuung aufbauen. Die Vertrautheit mit den Räumlichkeiten wird dann eher zur Nebensache, wenngleich bekannte Räumlichkeiten die Betreuung im Ernstfall dann natürlich trotzdem erleichtern.

Beim Thema Bezahlung gibt es unterschiedliche Varianten. Bei den Jugendämtern am Beliebtesten ist die Variante, bei der es keine gesonderte Bezahlung gibt, sondern die Tagespflegepersonen das Thema unter sich regeln sollen. Die kranke Tagespflegeperson zahlt dann oft das ihr zustehende Geld an die Ersatztagesmutter oder den Ersatztagesvater. Aus finanzieller Sicht ist diese Variante für die kranke Tagespflegeperson unpraktikabel, da ihr so bei Krankheit ihr Einkommen wegfällt. Damit ist diese Variante nur akzeptabel, wenn das Tagespflegeentgelt so hoch angesetzt ist, dass Tagesmütter/-väter ausreichend Rücklagen für Ausfälle bilden können.

Beim Tandem-Modell ist es auch wichtig zu Berücksichtigen, dass die Tagespflegepersonen die Plätze für die Ersatzbetreuung wahrscheinlich gezielt für den Vertretungsfall frei halten müssen. Daher gibt es Bezahlungsmodelle, bei denen die Tagespflegeperson auch für die freigehaltenen Plätze eine feste Monatspauschale bekommt. Wie die Jugendämter diesen Fall bezahlen und welche Tagespflegeperson in welchem Fall wie bezahlt wird, unterscheidet sich von Kommune zu Kommune stark. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Ersatzbetreuung im Vertretungsfall vom Jugendamt für den ihr zusätzlich entstehenden Aufwand bezahlt wird.

Ein Vorteil des Tandem-Modells ist, dass die Kindergruppe zusammen bleibt und im besten Fall die anderen Kinder, die andere Tagespflegeperson und auch deren Räumlichkeiten schon kennen. Es ist für die Kinder auch einfacher, wenn sie nicht alleine zu einer Vertretungsperson gehen müssen. Ein bekanntes Kind gibt viel Sicherheit in der ungewohnten Situation. Die Kinder der beiden Gruppen kennen sich im besten Fall natürlich auch schon gut und erleichtern so den Vertretungskindern den Einstieg in den neuen Alltag. Gleichzeitig kann sich die erkrankte Tagespflegeperson ihrer Wohnung aufhalten und ihre Genesung wird nicht gestört. Nebenbei wird durch das Tandem-Modell gefördert, dass eine Tagesmutter nicht permanent fünf Kinder betreut, wodurch sich kleinere Kindergruppen ergeben was sich positiv auf die Betreuungsqualität auswirken kann.

Nachteilig ist, dass die Tageskinder in der Vertretungssituation sich nicht nur mit einer anderen Betreuungsperson arrangieren müssen, sondern durch die zweite Kindergruppe plötzlich deutlich mehr Eindrücke zu verarbeiten sind. Für die Eltern entsteht ein Nachteil dadurch, dass sie im Vertretungsfall ihr Kind an einen anderen Ort bringen müssen, was je nach Fortbewegungsmittel und Lage des Vertretungsortes ein Problem darstellen kann.

Wie immer freue ich mich darauf auf eure Kommentare direkt hier im Blog. Wird die Ersatzbetreuung bei euch nach dem Tandem-Modell organisiert? Wer bezahlt im Vertretungsfall die erkrankte und die vertretende Tagespflegeperson? Wie organisiert ihr die Kontaktpflege?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

6 Gedanken zu „Krankheitsvertretung nach dem Tandem-Modell

  1. Seit Anfang des Jahres erhalten Tandem Tagesmütter bei uns eine monatl. Pauschale von 60€ . Hierzu muss ein Vertretungsplatz freigehalten werden. Man geht davon aus dass die meisten Eltern eine eigene Notbetreuung zur Hand haben und ein Platz pro Gruppe ausreicht.
    Im Gegenzug darf ich nur vier Kinder gleichzeitig betreuuen.

  2. Ich habe mit 2 Kolleginnen ne vertretungslösung erarbeitet. Wir treffen uns regelmäßig zum Spielen, somit kennen die Kinder auch die Kolleginnen.

  3. Eine richtige Lösung wird es, denke ich, nie geben. Derzeit sind die Plätze so knapp, dass zu zweit fünf Kinder betreuen, nicht möglich ist. Leider auch finanziell.

  4. Bei uns wird gerade ein ähnliches Modell angestrebt, allerdings sollen sich dabei fünf TPP zusammen tun, die je vier Kinder betreuen. Fällt eine aus, können die Kinder auf die anderen TPP verteilt werden. (Dabei „darf“ natürlich immer nur eine TPP krank werden…) Für den frei gehaltenen Platz zahlt die Stadt ca. 290 € (entspricht der Empfehlung von S. Sell) Wird der Platz mit einem Kind belegt wird auf den normalen Satz aufgestockt.
    Eine Fortzahlung im Krankheitsfall besteht nur für 5 Tage.
    Ob das Modell allerdings überhaupt hier ausprobiert wird steht noch nicht fest…

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