Krankheitsvertretung nach dem Springer-Modell

In meinen letzten Artikeln habe ich die Problematik der Ersatzbetreuung beleuchtet. Alle Tagespflegepersonen haben einen Anspruch darauf und nur wenige Jugendämter kümmern sich um eine angemessene Lösung. Wir haben das letzte mal sehr viele Meinungen und Rückmeldungen zum Thema „Stützpunk-Modell“ erhalten. Viele von euch halten dieses Modell für sehr sinnvoll und praktikabel. Einige wollen sogar auf ihr Jugendamt zugehen und das Thema mit ihnen durchsprechen. Da es aber noch mehr Modelle gibt, wie man eine Vertretung sicher stellen kann, will ich euch diese nicht vorenthalten. Im heutigen Artikel werden wir uns mit dem sogenannten „Springer-System“ beschäftigen, mit dem ich selber schon einige Erfahrungen sammeln konnte.


Bei diesem Modell gibt es eine Tagespflegeperson, welche die Vertretung für mehrere Tagespflegepersonen übernimmt. Im Gegensatz zum Stützpunkt-Modell hat die Ersatzbetreuung jedoch keine eigenen Betreuungsräume, sondern betreut ausschließlich in den Räumlichkeiten der zu vertretenden Tagesmutter/-vater. Damit die Tageskinder eine Bindung zur Vertretung aufbauen können besucht die Vertretung die Tageskinder im Rahmen der Kontaktpflege regelmäßig bei ihrer Tagespflegeperson. Das erklärte Ziel der Kontaktpflege ist, dass sich die Ersatzbetreuung und alle Kinder gut kennen, damit sich die Kinder im Vertretungsfall wohl fühlen.

Wie ich inzwischen gelernt habe, variiert die Anzahl der Tagespflegepersonen für die ein/e Springer/in zuständig ist in der Praxis stark. In meinem konkreten Fall zum Beispiel betreut eine Springerin aktuell 7 Tagesmütter. Ich habe aber auch schon von Kommunen gehört, in denen eine Vertretung für knapp 200 Tagespflegepersonen zuständig ist. Wie sich in einem solchen Szenario die Kontaktpflege gestaltet kann ich mir aber nicht vorstellen.

Da das Springer-System bei uns im Landkreis Würzburg eingesetzt wird, möchte ich gerne auf die Details unserer Umsetzung eingehen. Meine Ersatzbetreuung bekommt für jede ihrer 7 Tagesmütter, die sie betreut, 64 €/Monat vom Jugendamt gezahlt. Dafür verpflichtet sie sich, jede Tagesmutter im Rahmen der Kontaktpflege für 2 Stunden/Woche zu besuchen, damit die Kinder eine Bindung zu ihr aufbauen können. Neben der festen Vertretungspauschale werden auch die Fahrtkosten zwischen ihrer Wohnung und der Tagesmutter durch die Zahlung einer nach Kilometern gestaffelt Pauschale übernommen. Im Vertretungsfall bekommt die Ersatzbetreuung für jedes betreute Kind 3,00 €/Stunde bezahlt. Ist an einem Vertretungstag nur ein einziges Kind anwesend, bekommt die Ersatzkraft also auch nur 3,00 €/Stunde vom Jugendamt.

Dieses System hat für die Kinder und die Eltern natürlich den Vorteil, dass alles wie gewohnt abläuft. So bleiben die Kinder in ihrer vertrauten Gruppe und in den gewohnten Räumlichkeiten. Wird bei der Umsetzung des Modells die Kontaktpflege ausreichend berücksichtigt, ist auch sichergestellt, dass die Kinder eine gute Bindung zur Ersatzbetreuung haben.

Aus pädagogischer Sicht kann ich an diesem Modell kaum Nachteile finden. Ein Nachteil ist jedoch ganz klar, dass die Tagespflegeperson sich nicht in Ruhe auskurieren kann, da die Tageskinder trotz Krankheit in ihrem Haus sind. Für die Vertretung ist es ungünstig, dass das Einkommen kaum kalkulierbar ist und sie sich den ganzen Tag freihalten muss und keine weitere Arbeit ausüben kann. Gleichzeitig hat sie die ganzen Verpflichtungen die eine selbständige Beschäftigung mit sich bringt. Und da die Betriebskostenpauschale nur angewendet wird wenn man in den eigenen Räumlichkeiten betreut, ist für sie die Steuererklärung besonders aufwändig.

Hier eine Beispiel wie eine Festanstellung aussehen könnte: Model Festanstellung Krankheitsvertretung

Wie immer würde ich mich an dieser Stelle darüber freuen von euch weitere Berichte aus der Praxis zu bekommen. Habt ihr selber schon Erfahrung mit dem Springer-Modell sammeln können? Für wie viele Tagesmütter/-väter ist ein Springer bei euch zuständig und wie läuft die Kontaktpflege ab? Was unternimmt euer Jugendamt um den Beruf der Ersatzbetreuung attraktiver zu gestalten?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

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