Ersatzbetreuung nach dem Stützpunkt-Modell

Ich war sehr schockiert, als ich erfahren habe, dass es in sehr vielen Kommunen gar keine Regelung für den Vertretungsfall gibt und viele von uns Tagesmüttern und Tagesvätern nichts dagegen unternehmen. Wie ich bereits im Artikel zum Anspruch auf Krankheitsvertretung verdeutlicht habe, hat jede Tagespflegepersonen einen Anspruch auf eine Ersatzbetreuung, welche durch das Jugendamt gestellt und organisiert werden muss. Ganz im Sinne „Hilfe zur Selbsthilfe“ werde ich in den kommenden Tagen verschiedene Modelle vorstellen mit denen sich das Problem der Ersatzbetreuung in der Kindertagespflege lösen lassen. Den Auftakt macht heute das sogenannte „Stützpunkt-Modell“.


Wie der Name schon sagt, setzt dieses System, einen Stützpunkt voraus. Dabei handelt es sich um kindgerecht eingerichtete Räumlichkeiten mit Schlafmöglichkeiten und natürlich Badezimmer und einer Kochgelegenheit. Damit die Tageskinder mit der Ersatzbetreuung und den Räumlichkeiten vertraut sind besuchen sich die Tageskinder mit der Tagespflegeperson und die Ersatzbetreuung gegenseitig. In einigen Städten finden diese Besuche ausschließlich im Stützpunkt statt in anderen besucht die Ersatzbetreuung die Tageskinder auch bei der Tagesmutter/-vater.

Damit das ganze realistisch möglich ist, ist es wichtig, dass der Stützpunkt für die Tagesmütter und -väter gut erreichbar liegt und die Kinder die Räumlichkeiten vor dem Ausfall der Betreuungsperson kennen lernen. In Würzburg besucht sowohl die Ersatzbetreuung die Kinder bei der Tagespflegeperson als auch die Tagesmutter/-vater mit den Kindern den Stützpunkt. Außerdem werden im Stützpunkt Spielgruppen angeboten, bei denen die Kinder zusammen mit ihren Eltern mit den Räumen vertraut werden.

Die Bezahlung der Ersatzbetreuung kann auf unterschiedliche Weise geregelt werden. Sie kann entweder beim Jugendamt fest angestellt sein oder wie andere Tagespflegepersonen selbständig sein. In Würzburg ist die Vertretung fest angestellt und hat einen Vertrag über eine feste Stundenanzahl für die Kontaktpflege. Im Falle einer Ersatzbetreuung werden die Stunden verrechnet. Das genaue Bezahlungssystem muss vor Ort erfragt werden. Eine selbstständige Ersatzbetreuung muss natürlich auch einen Vertrag mit dem Jugendamt haben, in dem u. a. die Arbeitszeiten zur Kontaktpflege geregelt sind.

Der große Vorteil des Stützpunktmodels ist, dass die Tagesmutter oder der Tagesvater sich zu Hause in Ruhe auskurieren kann während die Tageskinder in einer ihnen dennoch vertrauten Umgebung von ihrer Ersatzbetreuung betreut werden. Auch die Gruppe bleibt die gleiche.

Der Nachteil ist, dass es für die Eltern etwas umständlicher ist, ihr Kind zu einem anderen Betreuungsort zu bringen. Die Kinder kennen die Räumlichkeiten nicht ganz so gut wie die bei der Tagesmutter oder dem Tagesvater. Und haben damit einen stärkeren Bruch in ihrer täglichen Routine.

Konntet ihr bereits Erfahrungen mit dem Stützpunkt-Modell sammeln? Falls ja, wie ist die Kontaktpflege und die Bezahlung der Vertretung organisiert? Welche Vorteile und schwächen seht ihr bei diesem System?

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

15 Gedanken zu „Ersatzbetreuung nach dem Stützpunkt-Modell

  1. Bei uns gibt es leider sowas nicht. ..im krankeitsfall liegt die sorgepflicht bei den eltern…für uns heisst es, dann kein geld….viele tm und dazu zähle ich auch, gehen leider dann trotzdem arbeiten soweit es möglich ist….

    1. Das Jugendamt muss IMMER für Vertretung sorgen. In ganz Deutschland. Das Jugendamt kann diese Verantwortung nicht auf andere übertragen.

  2. hallo, bei uns ist es fest verankert im vertrag das wir uns um ersatz kümmern müssen 🙁

  3. Wir haben hier auch keine vernünftige Regelung. Was die Stützpunktvariante betrifft, was ist denn, wenn mehrere TPP gleichzeitig krank sind? Wir sind hier 23 TPP, da reicht doch nicht nur eine Vertretung und das will man hier nicht bezahlen 🙁
    Für Ersatzbetreuung sollen wir andere TPP nutzen, die weniger als 5 Kinder haben bzw. Kitas. Die meisten haben aber 5 Verträge und eine Kita ist ja wohl völlig tabu! Das Wohl des Kindes ist leider nicht von Interesse und wir arbeiten bis zum Umfallen. Das ist verantwortungslos! Wir haben das bei unserer Versammlung mit Kitaverbund und Jugendamt energisch zur Sprache gebracht. Es gab keinen praktikablen Lösungsvorschlag, statt dessen hat man allen Ernstes gemeint, wir sollten doch ftoh sein, dass wir so gut belegt sind!
    Wir bleiben dran, rennen aber gegen Wände!
    Kollegiale Grüße von Ariane

    1. Da hilft wirklich nur gut ausgearbeitete Vorschläge zu präsentieren. Wie kann ein Modell gut funktionieren? Wie teuer wäre das für die Stadt?
      Und immer wieder auf das SGB hinweisen und die Pflicht des Jugendamtes eine Vertretung zu stellen – und zwar eine, die funktioniert.

  4. Auch bei uns liegt das Risiko im Krankheitsfall bei den Eltern. Ich habe zwar ein „Vertretungskind“, d.h. wenn eine befreundete Tagesmutter krank ist kommt die kleine Maus zu mir, muss dafür jedoch dauerhaft einen Platz freihalten. Das finde ich ziemlich unglücklich.

  5. Wir haben 14 Krankheitstage, die bezahlt werden. Wir müssen dann eine „gelben Schein“ beim Familienservice abgeben. Der Familienservice kümmert sich dann um Ersatzbetreuung, wenn sich die Eltern dort selber melden. Manchmal nehmen Eltern die Ersatzbetreuung in Anspruch, aber es ist nicht immer das Richtige.

  6. Wir hier in Eschweiler haben 10 bezahlte Krankheitstage im Jahr.aber auch nur mit Krankenschein vom Arzt.An der Vertretungsregelung wir seit Jahren „gebastelt“.wir vertreten uns so gut es geht gegenseitig.im gespräch ist unter anderen auch der Stützpunkt.oder 1 platz freihalten gegen bezahlung .oder ein kiga,was ich persönlich furchtbar finden würde.wir sind 55 tagespflegepersonen in eschweiler.aber was ist wirkich die perfekte ,bezahlbare Lösung für dieses Problem?

  7. Ich habe eine Krankheitsvertretung im Stützpunkt Modell wie oben beschrieben. Die Kinder haben 1 x im Monat einen eigenen Besuchtag, wie besuchen den monatlichen Spieltag. Die Kinder haben zusätzlich die Möglichkeit bei unserem Turntag die Vetretungstagespflegperson nah zu sein. Die Vertretungszeiten liegen innerhalb der „normalen Krippenbetreuungszeit also von 7.30 h – 16.30 h). Bisher hat die Eingewöhnung sowie die Vetretung immer gut geklappt und die Kinder fühlen sich sehr wohl. Nur umfasst die Vetretung nur Kinder bis 3 Jahre. Hier habe ich mal eine Frage haben alle Kinder in der Tagespflege in Deutschland ein Anrecht auf Krankheitsvertretung?
    Liebe Grüße
    Inga

  8. Ich habe einen sogenannten Vertretungsstützpunkt. Das heißt, ich war vorher 6 Jahre lang Tagesmutter und kann somit recht schnell auf die kleinen eingehen. Ich habe einen betreuungsraum in meiner Wohnung, zu meinem „Kundenkreis“ gehören die tagesmütter meines Trägers bzw auch vereinzelte Eltern die das Modell von sich aus in Anspruch nehmen. Es wurde seit 2012 gut angenommen und die Kinder gewöhnen sich ganz schnell an den anderen Ort. Ist ja auch mal was neues und anderes Spielzeug :-).

  9. Ich habe einen Vertrag mit meinem Träger gemacht und die „Bezahlung“ ausgehandelt. Unsere Träger bekommen die Finanzierung der vertretungslösung aus dem Topf der Stadt. Aber in welcher hohe weiss ich nicht.

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