Foto Blog

Vergleich Erzieherin und Tagespflegeperson

Um die Frage zu beantworten wie eine leistungsgerechte Bezahlung in der Kindertagespflege aussehen könnte, scheint es Sinn zu machen sich anzuschauen welche Berufsgruppe eine vergleichbare Leistung erbringt. Nachdem wir als Tagespflegepersonen in erste Linie Kinder unter 3 Jahren betreuen, ist für unseren Fall vermutlich die Berufsgruppe der Kinderpflegerinnen bzw. der Erzieherinnen in Krippen ein geeigneter Vergleich. Aus diesem Grund werden wir uns in diesem Beitrag anschauen, wie das Tagespflegeentgelt auszugestalten wäre, damit wir ein vergleichbares Einkommen wie diese Berufsgruppe erzielen.


Für die Berufsgruppe der Kinderpfleger findet sich bei Wikipedia folgende Beschreibung: „Kinderpfleger gelten als pädagogische Ergänzungskräfte, während Erzieher als pädagogische Fachkräfte eingestuft sind. Kinderpfleger arbeiten mit Erziehern im Team, unterstützen deren Arbeit, tragen aber in der Regel keine Gesamtverantwortung für eine Gruppe.“ Nachdem man als Kindertagespflegeperson die alleinige Verantwortung für die Gruppe trägt, ist unsere Tätigkeit offensichtlich mit der einer Erzieherin zu vergleichen.

Eine Erzieherin hat (in Bayern) eine 5 jährige Ausbildung, während eine Tagespflegeperson einen Qualifikationskurs mit einer üblichen Dauer von 160 Stunden absolvieren muss. Das ist natürlich ein riesiger Unterschied. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Erzieherin in verschiedenen Kindergärten und -krippen weiß ich jedoch, dass für Weiterbildung im Kindergarten oft weder genug Budget noch Zeit zur Verfügung gestellt wird. Anders sieht es hier bei den Tagesmüttern und -vätern aus, bei denen die meisten Jugendämter die Teilnahme an regelmäßigen Fortbildungen kontrollieren.

Neben der Dauer der Ausbildung gibt es aber Eigenschaften, die sich nicht erlernen lassen sondern die man einfach mitbringen muss. Zu diesen Eigenschaften zähle ich insbesondere den natürlichen und liebevollen Umgang mit den Kindern sowie die Fähigkeit schnell einen Draht zu ihnen aufzubauen.  Ich kenne keine Tagesmutter, die diese Fähigkeiten nicht mitbringt.

Die Tätigkeiten, die beide Berufsgruppen ausüben, sind aber ziemlich die gleichen. Eine Erzieherin in der Krippe kümmert sich um Kinder unter 3 Jahre – genau wie eine Tagesmutter. Eine Erzieherin wickelt, spielt, singt, pflegt, malt, macht Musik, fördert die Kinder – genau wie eine Tagesmutter. Eine Erzieherin macht Elternarbeit – genau wie eine Tagesmutter. Eine Erzieherin führt Beobachtungen durch und dokumentiert sie – genau wie eine Tagesmutter. Im organisatorischen Bereich hat eine Tagespflegeperson sogar zusätzliche Aufgaben, weil sie eben selbstständig ist – eine Erzieherin nicht. Sie muss Werbung machen– eine Erzieherin nicht. Die Finanzen, Versicherungen und die Abstimmung mit den Ämtern muss eine Tagesmutter komplett selbständig verwalten – eine Erzieherin nicht.

Am Wichtigsten ist aber die Tatsache, dass wir Tagespflegepersonen selbstständig sind. Wir haben ein Problem, wenn von heute auf morgen ein Kind wegzieht. Das bedeutet für uns einen großen finanziellen Verlust, da die laufenden Betriebskosten auch anfallen wenn ein Platz nicht besetzt ist. Eine angestellte Erzieherin bekommt dagegen ihr Gehalt einfach weiter bezahlt und trägt keine Verantwortung für die Betriebskosten. Ein Beinbruch ist für Tagespflegepersonen genau das: ein Beinbruch. Es bedeutet für sie einen wochenlangen Ausfall, den niemand bezahlt, aber die Miete für die Tagespflegeräumlichkeiten muss weiterhin bezahlt werden. Wir können uns ja derzeit noch nicht einmal hauptberuflich versichern und haben somit keinen Anspruch auf Krankengeld (Bitte die dazugehörige Petition unterschreiben!). Nicht zu denken, wenn eine Tagesmama mal schwanger wird…

Viele Jugendämter bieten zwar bezahlte Ausfalltage, aber meist sind diese auf 30 Tage pro Jahr begrenzt und das sind dann meist die Urlaubstage der Tagespflegeperson. Glücklich kann sich die Tagesmutter oder der Tagesvater schätzen, dem für den Krankheitsfall eine Vertretung gestellt und bezahlt wird. Muss sie/er diese auch noch selbst zahlen, ist das finanziell nicht tragbar. (Im übrigen: Die Jugendämter sind verpflichtet eine Ersatzbetreuung zu gewährleisten.) Eine Erzieherin kann so lange krank sein, wie sie eben krank ist. Sie bekommt ihr Geld einfach weiter.

Wenn man nun die „Gehälter“ vergleichen möchte, muss man zuerst wissen, dass man vom Tagespflegeentgelt der Tagespflegeperson die Betriebskosten abziehen muss. Diese muss eine Erzieherin ja auch nicht zahlen. In der folgenden Tabelle habe ich die Gehälter von Erzieher, Kinderpfleger und Tagesmutter (mit dem Würzburger Satz  von 3,98 Euro gerechnet) zum Vergleich zusammen gestellt (Übringens fordert Verdi gerade 10 % mehr für die Erzieher…):

Brutto-Monatsgehalt/
Zu versteuerndes Einkommen
Stundensatz/
Förderleistung

Jahresbruttoeinkommen/
Förderleistung

ErzieherIn
(TvÖD-SuE S6)

2.366 €

14,01 €

28.392 €
KinderpflegerIn
(TvÖD-SuE S3)

2.043 €

12,09 €

24.516 €
Tagesmutter
(5 Kinder)

1.949 €

11,25 €

23.391 €

Tagesmutter
(4 Kinder)

1.559 €

8,99 €

18.708 €

Tagesmutter
(3 Kinder)

1.169 €

6,74 €

14.028 €

Eine Tagesmutter hat also einen niedrigeren Stundensatz als eine Kinderpflegerin, wobei die Aufgaben einer Tagesmutter eher der einer Erzieherin oder sogar der einer Kindergartenleitung entsprechen. Natürlich muss die Tagesmutter auch Rücklagen für Krankheit und weitere Ausfälle bilden können. (Siehe auch: Handbuch Kindertagespflege) Angesichts der überall geforderten Verbesserung des Betreuungsschlüssels für Kinder unter 3 Jahren, rechne ich hier auch nur mit 4 gleichzeitig anwesenden Kindern. Von Experten wird sogar ein Betreuungsschlüssel von 1:3 empfohlen, der auch von der Regierung angestrebt wird

Wie kommen wir jetzt auf eine Förderleistung, die dem Bruttogehalt einer Erzieherin entspricht? Zunächst nehmen wir das Bruttoeinkommen einer Erzieherin, das sind 2.366 €/Monat. Bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche und 4,33 Wochen pro Monat kommt man damit auf einen Stundensatz von 13,66 €/Stunde. Um diesen Stundensatz für eine Tagesmutter bei der Betreuung von 4 Vollzeitkindern zu erreichen müsste die Förderleistung pro Kind bei 3,42 €/Stunde liegen. Dazu kommt dann noch der Sachaufwand, ein Thema mit dem wir uns noch separat beschäftigen müssen. Rechnet man als Näherung die  Betriebskostenpauschale in Höhe von 1,73 €/Stunde zur Förderleistung hinzu, kommt man zu einem erforderlichen Tagespflegeentgeld pro Kind von 5,15 €/Stunde.

Ich hoffe, dass diese Ausführungen verständlich machen, warum wir uns bei der Suche nach einer leistungsgerechten Bezahlung an den Verdienststrukturen in der Kinderkrippe orientieren sollten und dass eine Tagespflegepauschale von 5,15 € ein durchaus realistisches Mindestmaß darstellt. Natürlich muss man dies auch unter Berücksichtigung der Rücklagenbildung sehen. Das ist aber ein ganz anderes Thema.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

3 Kommentare zu “Vergleich Erzieherin und Tagespflegeperson

  1. der vergleich hingt…wir haben nach abzug der betriebskostenpauschale ganze 900 ,00 € davon gehen kk,rv,bg noch weg und wenn man verheiratet ist noch steuern…

    1. Ich verstehe deine Aussage nicht ganz. Stimmt was an meiner Argumentation nicht oder habt ihr einfach einen anderen Stundensatz?!

  2. Toll Jennifer dass du dich so einsetzt. Antje hört auf, du beginnst. Da bestätigt sich… eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich.

    Grüße aus Bielefeld 🙂

Kommentare sind deaktiviert.