Leistungsgerechte Bezahlung

Tagesmütter in ganz Deutschland fordern mehr Anerkennung und eine leistungsgerechte Bezahlung. Aber was bedeutet leistungsgerecht überhaupt?


Muss leistungsgerecht so viel sein, dass eine Tagesmutter oder ein Tagesvater davon leben kann? Wie gut sollte man leben können? Reicht überleben oder ist ein bisschen Luxus drin? Derzeit können viele Tagespflegepersonen diesen Beruf nur ausüben, weil sie einen Partner haben, der sie finanziell auffängt, wenn sie krank werden, sie nicht alle Plätze belegen können oder sie aus sonstigen Gründen nicht genug Geld erwirtschaften.

Einer Tagesmutter in Würzburg bleiben nach Abzug aller Versicherungen, Steuern, Rücklagen etc. noch ca. 6 Euro als Gewinn (bei 4 betreuten Kindern). Arbeiten die Tagesmütter hier so schlecht? Warum bekommt man im ca. 30 km entfernten Tauberbischofsheim 5,50 Euro pro Kind und hier nur 3,98 Euro? Die Lebenshaltungskosten sind sehr ähnlich, daran kann es nicht liegen. Die Kinder sind ja auch die gleichen. Es liegt an den öffentlichen Mitteln und an der Meinung der Politiker über die Notwendigkeit und das Ansehen der Kindertagespflege. Es liegt komplett in der Hand des örtlichen Jugendamtes (SGB VIII § 23: „…Die Höhe der laufenden Geldleistung wird von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe festgelegt…“), was sie als angemessen und leistungsgerecht erachten. Deshalb ist es so wichtig die verantwortlichen Personen zu informieren. Das ist die Aufgabe von uns Tagesmüttern.

Viele von uns Tagespflegepersonen arbeiten über 50, 60 Stunden die Woche. Viele auch nachts und am Wochenende, um davon auch nur annähernd leben zu können. Zum Überleben scheinen diese 4 Euro pro Stunde und Kind gerade zu reichen, solange jeder der 5 Plätze voll besetzt ist und wenn diese Kinder auch nur zur gleichen Zeit kommen, kann der „Stundenlohn“ sogar angemessen sein. Leider sieht die Realtiät anders aus. Die Kinder kommen so, wie es zur Arbeitszeit der Eltern passt. Manche Eltern brauchen nur 20 Stunden, andere 50 und wieder andere nur 10 Stunden und das nicht zur gleichen Zeit.

Ich lese immer wieder, dass sich viele Tagesmütter über ihr Tagespflegeentgelt ärgern. Es sei zu wenig. Leider bringt aufregen nichts. Wir müssen etwas dagegen tun! Klar wird immer gesagt, die Kommunen haben kein Geld. Aber sie dürfen doch nicht am Wichtigsten sparen – an unseren Kleinsten! Also liebe Tagesmütter sprecht mit den Verantwortlichen, informiert sie, macht Öffentlichkeitsarbeit und überzeugt alle davon, dass wir genau richtig für die Kinder sind und dass wir deshalb leistungsgerecht vergütet werden müssen.

In dieser Serie werden wir uns mit einigen Aspekten der Leistungsgerechtigkeit beschäftigen um euch dabei zu unterstützen die richtigen Worte zu finden, wenn ihr auf die Verantwortlichen zugeht.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.