Krankenversicherung ab 2016

Viele von euch haben es sicher schon mitbekommen: Ende 2015, also in etwa 300 Tagen, läuft die bisherige Regelung mit den Krankenkassen aus, dass Kindertagespflegepersonen als nebenberuflich Selbstständige eingestuft werden. Grund hierfür ist, dass diese Regelung von Anfang an nur als Übergangslösung geplant war mit dem Ziel den Kommunen Zeit zu geben uns angemessen zu bezahlen. Den Krankenkassen war wohl klar, dass wir die hauptberufliche Krankenversicherung mit einem Stundensatz von rund 3 €/Kind nicht zahlen können. Selbstverständlich wurde davon ausgegangen, dass dieses Problem bis 2016 behoben ist und wir als selbstständige Tagespflegepersonen auch ausreichend verdienen um von unserem Vollzeitjob leben zu können So viel zur Theorie…


In der Realität sieht es leider noch anders aus. Keine Frage, wir Tagespflegepersonen arbeiten hauptberuflich. Wir arbeiten locker 8 bis 10 Stunden am Tag, wenn nicht sogar noch mehr. Aber leider bekommen viele von uns nicht annähernd so viel Geld, dass diese Arbeit zum Leben ausreicht und schon gar nicht, um den hauptberuflichen Krankenkassensatz von mindestens 310,43 €/Monat zahlen zu können. Dieser wird an Hand der Mindestbemessungsgrenze für Selbstständige, von aktuell 2.126,25 €/Monat und dem jeweiligen Beitragssatz (hier: 14,6 %) der Krankenversicherung errechnet.

Was bedeutet das für die Kindertagespflege? Nehmen wir im Folgenden pro Kind ein Tagespflegeentgelt von 4,00 €/Stunde an. Damit verdient man bei der Betreuung von einem Vollzeitkind, nach Abzug der Betriebskostenpauschale, 392,80 €/Monat und kann weiterhin in der Familienversicherung bleiben. Betreut man jedoch zwei Vollzeitkinder liegen die sozialversicherungspflichtigen Einnahmen bei 785,60 €/Monat und man muss sich selber versichern. Nach aktuellem Stand muss man ab 2016 hiervon 310,43 €/Monat für die Krankenversicherung bezahlen. Davon muss natürlich das Jugendamt die Hälfte übernehmen. An diesem Gesetz ändert sich nichts.

(2) Die laufende Geldleistung nach Absatz 1 umfasst […] die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen zu einer angemessenen Krankenversicherung und Pflegeversicherung.

Es bleiben also ganze 630,39 €/Monat übrig, wenn unsere Beispieltagesmutter zwei Vollzeittageskinder betreut, von denen dann aber noch die Rentenversicherung, Steuer und Rücklagen abgehen.

Der Vollständigkeit halber muss man allerdings sagen, dass die Einführung der hauptberuflichen Tätigkeit für Tagespflegepersonen nicht für alle Tagesmütter/-väter eine derart drastische Wirkung hat. Für diejenigen, die jetzt schon „gut“ verdienen oder die maximale zulässige Anzahl an Kindern betreuen sind die Auswirkungen deutlich weniger gravierend. Bei 5 Vollzeit betreuten Kindern zu je 4,00 €/Stunde kommt man auf eine Förderleistung von 1.964,00 €/Monat. Der Betrag ist also schon ziemlich nah an der Mindestbemessungsgrenze von 2.126,25 €/Monat dran. Da eine Tagespflegeperson, die ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 945,00 € verdient (Mindestbemessungsgrenze für nebenberuflich Selbständige) , heute nach Einkommen zahlen muss, würde das für unsere Beispielstagesmutter eine Mehrbelastung von gerade mal 11,85 €/Monat bedeuten.

Aber wie gesagt liegt das Einkommen von vielen Tagesmüttern/-vätern deutlich unter diesem Einkommen, weil sie einen besseren Betreuungsschlüssel anbieten wollen, sie nicht durchgehend alle Plätze belegen können haben oder das Jugendamt eine geringere Förderleistung zahlt.

Der „Verein Hamburger Tagesmütter und -väter e.V.“ hat eine Petition ins Leben gerufen. Unglaubliche 50.083 Menschen haben bisher unterschrieben (Stand: 24. Februar 2015). Allerdings brauchen wir noch viel mehr Unterschriften um unser Ziel zu erreichen. Wir fordern eine Sonderreglung für uns Tagespflegepersonen, die es uns erlaubt nach Einkommen eingestuft zu werden und nicht nach der Mindestbemessungsgrenze für hauptberufliche Selbständige von 2.126,25 Euro.

Eine hauptberufliche Versicherung bringt uns Vorteile wie zum Beispiel Anspruch auf Krankengeld und damit auch Mutterschaftsgeld. Da wir auch hauptberuflich arbeiten ist es nur richtig, dass wir uns auch so versichern können. Das wäre ein großer Fortschritt für die Kindertagespflege.

Viele Tagespflegepersonen kämpfen derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung, aber bis 2016 wird dieses Ziel nicht flächendeckend für ganz Deutschland erreicht sein. Es wird also richtig happig für viele Tagesmütter und -väter. Einige denken bereits jetzt ans Aufhören statt darum zu kämpfen, dass sich etwas ändert. Also, bitte unterschreibt die Petition und teilt es allen mit, die uns helfen können!

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

4 Gedanken zu „Krankenversicherung ab 2016

  1. Toller Artikel! Super was die da veranstalten ist ja fast wie bei den Hebammen! Wo kann ich die Petition finden?

  2. Jenny, ich finde Deinen Eifer bezüglich der Informationen unglaublich, alle Achtung. Zur Krankenkasse möchte ich gerne etwas ergänzen, ok? Es entsteht der Eindruck, auch bei der Petition, dass die Krankenkassen uns „Böses“ wollen, dabei ist es denen egal. Unsere Beiträge, egal, wie hoch oder niedrig, gehen zu 100% an den Bund. Die Krankenkassen bekommen für ihre Leistung lediglich eine Kopfpauschale, d.h. einen Betrag X, pro Mitglied/Tag, darum ist es denen egal, wie hoch unser Beitrag ausfällt. Einzig und allein der Bund hätte finanziell etwas davon, wenn wir mehr bezahlen müssten. Dem Bund wiederum kann es auch egal sein, ob wir denn weiter arbeiten können/wollen oder nicht, denn die Erfüllung des Rechtsanspruchs ist Sache der Kommunen (genau wie die hälftige Erstattung auch). Die Petition ist eine gute Sache, ich habe aus Solidarität (zahle jetzt schon wesentlich mehr als die € 310,-) unterzeichnet, aber sie muss an die richtige Stelle gerichtet werden.

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