Betriebskostenpauschale vs. Sachaufwand

Wenn ich mit befreundeten Tagesmüttern über unsere Bezahlung spreche, höre ich oft „Wir haben doch genug, wir haben doch die Betriebskostenpauschale und wenn wir die nicht ausgeben, ist das unser Gewinn!“ Dann atme ich tief durch und versuche ihnen verständlich zu  machen, dass die Betriebskostenpauschale (BKP) nicht dafür da ist um eine Tagespflegeperson zu bereichern, sondern lediglich um den Arbeitsaufwand auf beiden Seiten – auf Seiten der Tagespflegeperson und auf der des Finanzamtes – zu erleichtern. Ich glaube, hier besteht noch viel Aufklärungsbedarf.


Da gibt es einmal den Sachaufwand, den wir als Teil der laufenden Geldleistung vom Jugendamt ausgezahlt bekommen:

Die laufende Geldleistung sollte unbedingt aufgeschlüsselt sein, damit wir wissen, wie viel des Tagespflegeentgeltes für unsere pädagogische Arbeit angesetzt ist. Dieser Betrag wird als die Förderleistung bezeichnet. Aber natürlich muss auch der vorgesehene Sachaufwand – das sind die Ausgaben die durch die Tagespflege entstehen – ersichtlich sein. Die Zahlung des Sachaufwandes hat nur den Zweck unsere Kosten für Strom, Wasser, Miete, Spielsachen, Möbel etc. zu decken. Was eine Tagespflegeperson alles von diesem Geld zu zahlen hat, sollte  das Jugendamt gezielt auflisten. Dieses Geld ist nicht zum Gewinn dazuzurechnen! Leider werden sehr viele Kosten, die einer Tagespflegeperson durch die Betreuung entstehen einfach übersehen. Es wird von einem höheren Gewinn ausgegangen, weil man sich nicht im Klaren darüber ist, wie viele Ausgaben man tatsächlich hat.

In vielen Kommunen wird als Sachaufwand der Betrag der Betriebskostenpauschale in Höhe von 300 Euro pro 40-Stunden-Kind angesetzt. Als Begründung wird aufgeführt, dass das Finanzamt 300 Euro für ein Vollzeitkind für angemessen hält, deshalb kann das Jugendamt schlecht weniger als auskömmlich ansehen. Die Jugendämter sind außerdem verpflichtet die angemessenen Kosten, die der Tagespflegeperson durch den Sachaufwand entstehen, zu erstatten. Was angemessen bedeutet, ist natürlich schwer zu beurteilen. Braucht man einen Wickeltisch? Wickeln auf dem Boden ist eigentlich sogar sicherer fürs Kind, aber für den Rücken der Tagesmutter nicht. Dann wäre ein Wickeltisch mit Treppe doch sicher angemessen oder nicht?

Zusammenfassend ist der Sachaufwand ein Teil der laufenden Geldleistung – ein Teil des Tagespflegeentgeltes, das wir vom Jugendamt bekommen. Dieser Teil ist dafür gedacht, dass wir ihn für die Tagespflege ausgeben und nicht, dass wir ihn fälschlicherweise als Gewinn ansehen.

Dann gibt es noch den die Betriebskostenpauschale, die häufig mit dem Sachaufwand gleichgesetzt wird. Eigentlich sind das aber komplett unterschiedliche Begriffe. Die Betriebskostenpauschale ist eine Pauschale, die uns und dem Finanzamt das Sammeln, Dokumentieren und Auswerten von Kassenzetteln ersparen soll. Hier ein Zitat aus dem Schreiben der obersten Finanzbehörden der Länder:

„[… ]Bei der Ermittlung der Einkünfte aus selbständiger Arbeit wird aus Vereinfachungsgründen zugelassen, dass anstelle der tatsächlichen Betriebsausgaben von den erzielten Einnahmen 300 € je Kind und Monat pauschal als Betriebsausgaben abgezogen werden[…]“

Hier ist ganz klar zu lesen, dass die Finanzbehörden uns nichts außer Zeit schenken wollen. Die Betriebskostenpauschale wurde nicht so gewählt, weil jemand Mitleid mit uns hatte und der armen Tagesmutter mehr Gewinn ermöglichen wollte. Stellt euch vor, es gäbe die Pauschale nicht und ihr würdet jeden Monat jeden Kassenzettel von jedem Brötchen, von jeder Milch, von jedem Tankstopp, von jeder Briefmarke einreichen. Dazu noch die anteilige Miete, die Kosten für Strom, Heizung, Wasser, Müll, Versicherungen etc. Wenn jede Tagesmutter das machen müsste, wären nur die wenigsten bereit diesen Beruf auszuüben. Natürlich hat jede Tagespflegeperson das Recht ihre Ausgaben im Einzelnen nachzuweisen. Das macht natürlich nur dann  Sinn, wenn man deutlich mehr als die Betriebskostenpauschale ausgibt. Dann muss man aber tatsächlich jeden Kassenzettel und jede Rechnung sammeln und einreichen. Da bin ich richtig froh, dass ich einfach mit dem Betriebskostenrechner meine Pauschale berechnen kann und damit meine Steuererklärung in einer Stunde abhandeln kann.

Zusammenfassend ist also klar zu stellen, dass eine Tagespflegeperson bitte unbedingt alle Betriebsausgaben berücksichtigt und diese nicht als Gewinn verbucht (auch nicht im Kopf). Die Betriebskostenpauschale ist zur Vereinfachung des Prozesses auf beiden Seiten eingeführt worden und ist kein netter Gefallen der Finanzämter.

Es wird noch einen weiteren Artikel bezüglich der Höhe der Betriebskostenpauschale geben. Ihr dürft gespannt sein.

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

5 Gedanken zu „Betriebskostenpauschale vs. Sachaufwand

  1. Aber heißt das dann nicht, dass ich nicht 600€ für ein Kind bekomme sondern eigentlich nur 300€? Weil ich ja die sachaufwandspauschale fürs Kind komplett ausgebe? Und dann bleiben mir noch 300€ bkp, die ich von meinen 300€Pflegeleistung abziehen kann? Da stimmt doch was nicht.

  2. Hallo Zwergla. Es heißt, dass du 300 Euro für deine tatsächliche Arbeit bekommst. Das ist deine Förderleistung. Die anderen 300 Euro, die du vom Jugendamt als Sachaufwand bekommst, sind für deine Ausgabe gedacht. Das ist der selbe Betrag, den du bei der Steuer als BKP angeben kannst. Oder anders gesagt: In der Steuererklärung musst du unter diesen Bedingungen Einkünfte von 600 € und Ausgaben in Höhe von 300 € angeben.

  3. hallo Jenny, dann würde es heißen sachkostenpauschale = BKP. Also bei den Einnahmen hieße sie noch Sachkostenpauschale und beim Finanzamt dann BKP. Beißt sich die Maus da nicht in den Schwanz?

  4. Sachkosten = Geld was wir einnehmen und welches gedacht ist zum „wieder ausgeben“ (Höhe legt das Jugendamt fest)

    BKP (Betriebskostenpauschale) = Geld, welches wir von den Einnahmen als Kosten absetzten können (aus Vereinfachungsgründen PAUSCHAL, Höhe bundesweit 300 € / Vollzeitplatz)

    Nur weil einige (viele?) Jugendämter es sich einfach machen und die Höhe des Sachkosten einfach mal genauso hoch ansetzten wie die BKP beißt sich da keine Katze (oder Maus) in den Schwanz – es ist eben zufällig der gleiche Betrag…

    Das MUSS aber nicht so sein und jeder, der vom Jugendamt als Sachkosten 300 € bekommt kann trotzdem beim Finanzamt per Einzelbeleg abrechnen und damit höhere Betriebskosten geltend machen!

  5. Gut erklärt. Doch wie soll man wissen was man im Jahr ausgibt wenn man es nicht nachrechnet??! Ich arbeite nun seit 5 Jahren mit den tatsächlich anfallenden Kosten. Das heißt; Ich sammle jeden Beleg und sei der Betrag noch so klein. Bisher gab es noch kein Jahr in dem die Betriebskostenpauschale ausgereicht hätte. Da lobe ich mir das sammeln der Belege und freue mich dass ich dem Finanzamt kein Geld schenke. Viele Kollegen und Kolleginnen, so denke ich, haben noch nie ermittelt was sie tatsächlich im Jahr ausgeben. Doch es lohnt sich darüber mal nachzudenken und mal ein Jahr lang die Belege zu sammeln !!! Denn wir verdienen alle nicht so viel Geld dass wir dem Finanzamt und den Sozialversicherungen Geld schenken können.

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