Anspruch auf Krankheitsvertretung

Ich bekomme sehr häufig mit, dass Tagesmütter trotz einer Erkrankung Kinder betreuen. Und das sicher nicht, weil ihnen die Arbeit auch krank so viel Spaß macht, sondern weil sie Angst haben nicht zuverlässig zu sein und sie die Eltern nicht im Stich lassen wollen. Ein sehr lobenswerter Gedanke – der hier aber nichts zu suchen hat. Eine kranke Tagesmutter gehört ins Bett um sich auszukurieren.


Gleichzeitig müssen die Tageskinder aber trotzdem zuverlässig untergebracht sein. Wir als Tagespflegepersonen wollen ein gleichwertiges Angebot gegenüber den Kindertagesstätten darstellen, dann müssen wir auch zuverlässig sein und eine Ersatzbetreuung haben, die im Falle von Krankheit und Fortbildung (und Urlaub) für die Kinder da ist. Eine Ansicht, die auch der Gesetzgeber vertritt.

Wenn eine Tagespflegeperson krank ist, ist es vielerorts leider noch so, dass es keine Vertretung gibt – die Kinder haben dann keine Betreuung. Also schleppt sich die Tagesmutter oder der Tagesvater mit Fieber oder pochenden Zahnschmerzen durch die Arbeit. Dieses Verhalten ist nicht vertretbar. Wir verlangen doch von unseren Kindern, dass sie nur gesund kommen und kranke Kinder gehören nach Hause ins Bett. Genauso auch die Tagespflegeperson. Bleibt nur die Frage, wer kümmert sich dann um die Tageskinder? Die Eltern müssen arbeiten. Wir können die Eltern nicht einfach im Stich lassen – wir wollen doch eine zuverlässige Betreuung anbieten! Was viele Tagespflegepersonen und Eltern nicht wissen, sie haben einen Anspruch auf Vertretung im Krankheitsfall.

Im SGB VIII §23 findet sich folgende Regelung:

[…] Für Ausfallzeiten einer Tagespflegeperson ist rechtzeitig eine andere Betreuungsmöglichkeit für das Kind sicherzustellen. […]

Das Urteil vom Verwaltungsgericht Düsseldorf vom 17.12.2013 (19 K 6016/13) sagt aus:

[…] Damit obliegt es ihm [dem Jugendamt], im Falle des Ausfalls einer Kindertagespflegeperson für einen Ersatz/eine Vertretung zu sorgen, § 23 Abs. 4 Satz 2 SGB VIII. Diese Verpflichtung kann er nicht dadurch abwälzen, dass er die Tagespflegeperson verpflichtet, für Vertretung zu sorgen. […]

Das bedeutet, dass das Jugendamt nicht einfach vertraglich festlegen kann, dass die Tagespflegeperson sich um eine Ersatzbetreuung kümmern muss. Das Jugendamt ist und bleibt zuständig.

Hier ein Auszug aus dem Handbuch Kindertagespflege vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ):

4.2.2.6.1 Vertretungssystem bei Urlaub, Krankheit oder kurzfristigen Notfällen

Für Eltern ist eine Vertretungsregelung in der Kindertagespflege wichtig. Sie muss verlässlich und gut organisiert sein. Laut § 23 SGB VIII haben Eltern einen Anspruch auf Vertretung, welche das Jugendamt zu gewährleisten hat.

Die Person, die die Vertretung übernimmt, sollte den Kindern vertraut sein. Das bedeutet, dass unabhängig vom konkreten Vertretungsfall regelmäßige Treffen mit Tageskindern und der Vertretungsperson stattfinden sollten.

Häufig vertreten sich Tagesmütter gegenseitig, was allerdings nur bei geringer Kinderzahl praktikabel ist. Teilweise werden auch Vertretungskräfte eingesetzt, die den Kindern beispielsweise durch wöchentliche Spielgruppentreffen bekannt sind, oder die dank innovativer Kooperationsprojekte zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege kurzfristig aushelfen können.

Der Gesetzgeber hat also offensichtlich vorgesehen , dass die Jugendämter eine Vertretung organisieren müssen. Es wird sogar ausgesagt, dass regelmäßige Treffen mit der Vertretungskraft stattfinden sollen, damit diese den Kindern vertraut ist. Das Ziel ist also ganz klar, dass jede Tagesmutter und jeder Tagesvater vom Jugendamt eine Vertretung gestellt bekommt, die den Kindern vertraut ist. Das ist keine unlösbare Aufgabe. Würzburg hat es verhältnismäßig gut hinbekommen, aber dazu die Woche mehr…

 

 

 

Jenny

Jenny

Ich bin eine qualifizierte Tagesmutter und Erzieherin aus Bayern (Würzburg). Ich betreue die Kinder in unserem eigenem Haus in extra für die Tageskinder eingerichteten Räumlichkeiten. Ich engagiere mich derzeit für eine leistungsgerechte Bezahlung der Tagesmütter.

6 Gedanken zu „Anspruch auf Krankheitsvertretung

  1. das ist nicht das problem alleine,die abgaben gehen weiter und wie soll man das bezahlen wenn man im krankheitsfall kein geld weiter bekommt das ist für mich das größte problem…

  2. ich bin jetzt auch drauf gestoßen welche tücken die „nicht leistungsgerechte Bezahlung“ hat. ich bin krankentagegeldversichert ab der nach 43 tagen würd eich geld bekommen. bin ich aber immer nur ein oder zwei wochen oder eh nur mal ein tag krank , bringt mir das null nix. nach 4 wochen krank ist der beitrag viel höher und nach 2 wochen gigantisch. also ist das nur eine absicherung für richtig schlimm krank über monate. die stadt sagte zu mir sie haben doch eine krankentagegeldversicherung …..ja was nützt mir die mit dem geld kann ich die vertretung auch nicht bezahlen, denn ich kann mich nur in höhe MEINES verdienstes versichern. der angestellten muss ich mindestlohn bezahlen, mit abgaben kommt man locker auf 11,00 euro die stunde , bei 9 stunden öffnungszeit kostet jeder tag rund 100 euro. unbezahlbar !!!!

  3. Was nützt mir eine Vertretung, wenn ich für die Vertretungszeit kein Geld bekomme und die Ausgaben weiterlaufen (Miete usw.)? Dann versuche ich das selbst hinzubekommen.
    Hatten hier ein Vertretungsangebot vom Amt, Dabei sollte die Vertretung die Arbeit machen, aber die kranke TaMu trotzdem anwesend sein, damit die Kinder eine vertraute Person haben.
    Da kann ich gleich selber arbeiten.

  4. wir bekommen unser geld weiter, wenn wir unsere vertretung selber bezahlen , bis jetzt war das ein +/- Null geschäft, aber nur beim erzieherischen aufwand die aufwandentschädigung hat man ja trotzdem, aber bei mindestlohn hört der spaß auf.

    als vertretungsmodell hatten wir am anfang einen zugewiesenen kiga.
    später merkte die stadt das es nicht funktioniert.
    dann haben wir 70 € pro kind und monat bekommen als ausgleich für die lohnfortzahlung 24 tage urlaub und 10 tage krank ( die stadt wollte dann noch 10 tage und 5 weiterbildungstage) damit abgesichert haben + kontaktzeiten …… danach tritt wieder der kiga als vertretung ein.
    das modell war recht gut, wenn man bedenkt 350€ + rund 200 € gesetzliche rente die man nicht bezahlen muss, wenn man einen versicherungspfichtigen angestellten hat. da legt man nur 50 € drauf und hatte ne halbtagskraft. seit mindestlohn hab ich die entlassen. die 350 reichen jetzt grad für 24 tage urlaub und 10 tage krank und 3 tage urlaub der angestellten. auf anfrage wegen einer erhöhung meint die stadt, sie haben kein geld. …..wie immer …

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